Zillmer und der lebende Trilobit

von André Kramer

Im Zusammenhang mit seiner These von der Nichtexistenz der Evolution und dem Zusammenleben der unterschiedlichsten, häufig längst ausgestorbenen Lebewesen wie Dinosaurier gemeinsam mit rezenten Arten wie dem Menschen, brachte der Autor Hans-Joachim Zillmer als Beweis auch das Foto eines angeblich lebenden Trilobiten vor.

Einleitung:

Bei Trilobiten handelt es sich um urtümliche Geschöpfe aus dem Unterstamm der Spinnenartigen (Arachnata). Diese Tiere bevölkerten, lange vor den Dinosauriern oder gar Menschen, seit dem Kambrium vor 550 Millionen Jahren bis zum Ende des Perms vor 250 Millionen Jahren, als ein gewaltiges Massensterben mehr als 90% des damaligen Lebens hinwegraffte, unseren Planeten. Der Name Dreilappkrebs (Trilobit) kommt vom charakteristischen Aufbau dieser Tiere. Geht man von der Mitte mit ihrem Zentrallappen aus, der leicht gebogen ist und als Achse bezeichnet wird, finden wir rechts und links von diesem die flachen Flankenlappen. Doch auch in die andere Richtung ist der Körper dreiteilig. Ausgehend von dem Kopfschild Cephalon, folgt der Rumpfschild (Thorax) und zum Schluss der Schwanzschild, den man Pygidium nennt. [1]

Schematische Darstellung eines Trilobiten und seine Benennung

Abb. 1: Schematische Darstellung eines Trilobiten und seine Benennung (Zeichnung: André Kramer)

In den über 300 Millionen Jahren, die diese Wesen auf den Böden der urzeitlichen Meere lebten und sich vermutlich von Würmern und Kleinorganismen ernährten, bildeten sich etwa 15000 Arten heraus.[2]Einige waren nur wenige Millimeter groß, andere erreichten Größen von über einem Meter.

Die Trilobiten waren die ersten Lebewesen mit komplexen Augen. Ihre Facetten hatten im Extremfall bis zu 15000 Einzellinsen. [3] Man nimmt an, dass ihre Augen leistungsfähiger waren, als bei rezenten Insekten, da diese nicht aus Chitin bestanden, sondern über Calcitlinsen verfügten.[4]Doch auch blinde Arten ohne Augen sind bekannt.

Schön erhaltene Facettenaugen eines Trilobiten aus eigener Sammlung, aufgenommen mit einem USB-Mikroskop

Abb. 2: Schön erhaltene Facettenaugen eines Trilobiten aus eigener Sammlung, aufgenommen mit einem USB-Mikroskop (Foto: André Kramer)

Einmalig unter den Gliederfüßern ist bei den Trilobiten die Eigenschaft, dass alle ihre Extremitäten gleich geartet sind und einzelne Glieder sich nicht etwa zu Greifwerkzeugen oder ähnliches umfunktioniert haben. [5]

Eine weitere besondere Eigenschaft dieser Tiere ist, dass die Segmente der Thorax beweglich waren, was ihnen die Möglichkeit gab, sich bei Gefahr zusammen zu rollen, wie wir aus einigen entsprechenden Fossilfunden wissen.

Zusammengerollter Trilobit aus eigener Sammlung

Abb. 3: Zusammengerollter Trilobit aus eigener Sammlung (Foto: André Kramer)

Über eine dann aufplatzende Facialsutur (Gesichtsnaht) konnten Trilobiten sich, ähnlich wie heutige Krebse häuten, wenn der Panzer ihnen zu klein wurde. [6]

Zwei Trilobiten, gefunden im  Atlasgebirge aus eigener Sammlung

Abb. 4: Zwei Trilobiten, gefunden im Atlasgebirge aus eigener Sammlung (Foto: André Kramer)

Diese faszinierenden Tiere, die als Leitfossilien auch die Datierung der Erdschichten ermöglichen, in denen ihre versteinerten Überreste gefunden werden, sind beliebte Sammlerstücke für Fossiljäger.

Ein lebender Trilobit in Utah?
Nach diesen allgemeinen Informationen über Anatomie und Lebensweise der Trilobiten, sollen nun die strittigen Behauptungen aus “Irrtümer der Erdgeschichte” überprüft werden.

Zillmer nun, der in seinen revisionistischen Werken alles über den Haufen werfen zu können glaubt, was moderne Geologie, Paläontologie und Biologie an Wissen gesammelt haben, behauptet in seinen Büchern unglaubliche Dinge. Eine Evolution – also die Entwicklung der Arten, habe es nie gegeben. Außerdem sei die Erde wesentlich jünger als von der Wissenschaft behauptet, nämlich erst wenige tausend Jahre alt. Und außerdem, so behauptet er weiter, hätten moderne Menschen und prähistorisches Getier alle möglichen Zeitalter gemeinsam gelebt.

Als angebliche Beweise für seine Thesen führt er immer wieder allerhand kuriose Funde unterschiedlicher Herkunft an. Einer diese Funde sind zwei Fotos, die ihm aus Utah zugeschickt wurden und einen merkwürdigen Krebs zeigen, der durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Trilobit aufweist. Aus rechtlichen Gründen können diese Fotos hier leider nicht wiedergegeben werden, dafür aber Umrisszeichnungen nach den Fotos. Ungenauigkeiten seien mit der Fotoqualität der Originale entschuldigt.

Umrisszeichnungen der Fotos bei Zillmer, die angeblich einen lebenden Trilobiten zeigen könnten

Umrisszeichnungen der Fotos bei Zillmer, die angeblich einen lebenden Trilobiten zeigen könnten

Abb. 5 u. 6.: Umrisszeichnungen der Fotos bei Zillmer, die angeblich einen lebenden Trilobiten zeigen könnten

Zillmer spricht von frappierender Ähnlichkeit und im Zusammenhang mit dem Kindheitserlebnis eines Zeugen, der auch ein Tier gesehen haben will, das ein Trilobit sein könnte, fragt der kryptisch, ob dies ein Zufall oder doch ein Hinweis auf einen lebenden Trilobiten sei.[7]

Tatsächlich lässt sich Zillmer nicht vorwerfen, er hätte gesagt es wäre definitiv ein lebender Trilobit. Wohl aber lässt sich ihm vorwerfen, dass er dies dem Leser zumindest impliziert und, dass er keinerlei Versuch vornimmt, diese Frage ggf. durch anatomische Analysen oder ähnliches zu beantworten.

Was nützt es, wenn man wie Zillmer solche Dinge aufwirft, sie als Beleg für die eigenen Thesen aufführt, die Frage aber offenlässt, ob dies denn überhaupt als Indiz für diese zu werten ist? Für den Leser erscheint es hier wie eine lange Indizienkette von aneinander gereihten “Beweisen” und somit für die Richtigkeit der vom Autor angeführten Thesen, obwohl dem gar nicht so ist. Gleichzeitig kann der Autor sich gegenüber Kritikern wehren, die behaupten, er hätte dies und jenes behauptet. Hat er ja nicht, sondern nur implizit. Eine solche Vorgehensweise ist dann doch ein bisschen einfach und irreführend.

Was also sehen wir auf den Fotos die Zillmer in “Irrtümer der Erdgeschichte” abgedruckt hat? Offenbar auf einem Löffel (Ess- oder Teelöffel ist nicht bekannt) sehen wir einen Schildkrebs, einmal auf dem Rücken und einmal auf dem “Bauch” liegend. Über die Größe können wir nur mutmaßen. Handelt es sich um einen Teelöffel, so kommen wir auf eine Gesamtlänge von etwa 3 cm. Gehen wir von einem Esslöffel aus, dann ist von ungefähr 5 cm auszugehen. Das Tier weist eine durchgehend rot-orange Färbung auf. Es hat einen ovalen Schild, der etwas mehr als 1/3 der Gesamtlänge ausmacht. Eng aneinander liegend finden sich am vorderen Ende zwei Augen, darunter eine schwer erkennbare Naht. An den Seiten sind lange Fühler zu erkennen, die unter dem Kopfschild herausragen. Es folgt ein segmentierter, dünner Körper, der in einem zweiteiligen Schwanz mit langen Ausläufern endet. Von der anderen Seite betrachtet, erkennt man eine Reihe von Beinen. Einige, augenscheinlich längere sind von den kürzeren Beinen weiter unten abgespreizt. Soweit das, was sich auf den Fotos erkennen lässt.

Der Triops als Erklärung:
In einer Rezension zu Zillmers Buch wurde dann die Gegenthese aufgestellt, es würde sich um einen so genannten Triops handeln. Der Triops ist ein auch heute noch lebender Krebs. Der Name bedeutet Dreiauge, was daher kommt, dass diese Tiere neben den beiden größeren Hauptaugen auch über ein kleineres Auge verfügen, das nur Helligkeitsunterschiede wahrnehmen kann. Er gehört zur Unterklasse der Blattfußkrebse, Phyllopoda (aufgrund ihrer charakteristischen Beinchenform) und zur Ordnung der Rückenschaler, Notostraca.

Charakteristisch ist außerdem der Rückenpanzer, der Carapax genannt wird und das in zwei Enden (Schwanzfäden) auslaufende Hinterteil des Triops. [8]

Es existieren mehrere Arten von Triopsen, von denen der in Nord- und Südamerika verbreitete Triops longicaudatus und der in Europa heimische Triops cancriformis die am besten erforschten sind.

Der Triops wird gerne auch als Urzeitkrebs bezeichnet, da er ein stammesgeschichtliches Alter von etwa 200 Millionen Jahren aufweist und von daher schon zu Zeiten der Dinosaurier existierte. [9]

Dass sie schon solange fast unverändert existieren, verdanken diese Tiere offensichtlich ihrer spezialisierten Lebensweise, die es ihnen ermöglicht, fast ohne natürliche Feinde auszukommen. Während sie in Fließgewässern, Seen und Teichen immer der Gefahr ausgesetzt wäre, dass sie oder ihre Eier gefräßigen Mückenlarven, Fröschen, Fischen oder anderen Tieren gefressen zu werden, leben Triopse in vergänglichen Gewässern. Ihre Eier können viele Jahre unbeschadet im Trockenschlamm von ausgetrockneten Pfützen oder an den Uferrändern von Flüssen überstehen. Füllt sich dann der Lageort der Eier mit Wasser, etwa durch Regen oder überlaufende Flussufer, dann schlüpfen die jungen Triopse. Und da sie in relativ kurzer Zeit auswachsen, können sie dann die Eier legen, bevor die Wasserstelle wieder vertrocknet und so zukünftigen Triopsgenerationen das Überleben sichern.

Auf die These, Zillmers Fotos würden einen solchen Triops und keinen Trilobiten zeigen, reagierte er auf seine Homepage mit einer Stellungnahme. [10]

Hier stellt Zillmer fest, es könne sich kaum um den in besagter Rezension “identifizierten” Triops cancriformis handeln, da dieser in Europa und nicht in Nordamerika vorkommen würde, von wo auch die Fotos stammen. Er räumt dann ein, es könne sich höchstens um einen Triops longicaudatus handeln, der, wie wir gesehen haben, auch in den USA vorkommt. Aber, so Zillmer, dieser würde einen etwas längeren Rückenschild aufweisen, als das Tier auf dem Foto, sodass die Frage letztendlich doch offen bleibe.

Diesen Umstand kann man schnell aus der Welt schaffen. Vergleichen wir die Eigenschaften, die wir Zillmers Foto entnehmen können doch einmal mit denen des Triops longicaudatus:

Rückenschild, Augenform und Anordnung, Färbung, Größe, Körpersegmentierung, Fühler, Schwanzfäden, unterschiedliche Beingröße. All das sind die Eigenschaften eines Triops. All das sind aber auch die Eigenschaften auf dem Foto Zillmers!

Beliebt ist der Triops auch als “Zuchttier” für Kinder und Jugendliche. In kleinen Experimentiersets, etwa der Firma “Kosmos” gibt es all das nötige Zubehör um sich den Triops selbst zu züchten. Interessanterweise ist es eben jener Triops longicaudatus aus ökologischer Zucht, dessen Eier in einem solchen Set mitgeliefert werden.

Triops-Eier, aufgenommen mit einem USB-Mikroskop

Abb. 7: Triops-Eier, aufgenommen mit einem USB-Mikroskop (Foto: André Kramer)

Auf der Titelseite der Zuchtanleitung der Firma Kosmos [11] findet sich eine Großaufnahme des Triops longicaudatus, dessen Umrisszeichnung hier nochmal ein eindrückliches Bild von der Identifizierung des Tiers auf den Fotos von Zillmer geben soll, ebenso wie die Aufnahme eines lebenden Triops in einem Terrarium.

Triops longicaudatus, Umrisszeichnung nach Schildhauer 2008

Abb. 8: Triops longicaudatus, Umrisszeichnung nach Schildhauer 2008 (Zeichnung: André Kramer)

Lebender Triops

Abb. 9: Lebender Triops (Foto: André Kramer)

Die zillmersche Argumentationslogik:
Es zeigt sich bei näherer Prüfung also, dass die These von einem Lebenden Trilobiten auf den Fotos kaum haltbar ist. Diese Möglichkeit allerdings räumt Zillmer in seiner Rechtfertigung dann auch, zumindest in Anführungsstrichen, ein, sieht damit die Argumentation auf die er hinaus wollte aber nicht verletzt.

Denn auch der Triops ist, wie weiter oben schon geschildert, ein stammesgeschichtlich sehr altes Tier, ein lebendes Fossil! Und das, so Zillmer, würde nicht mit der Sichtweise auf die Variation in der Evolution zusammen passen.

Zillmers Argumentationsweise – nicht nur in diesem Zusammenhang – ist zeitweise haarsträubend. Sie zeigt, dass er die Grundsätze wissenschaftlicher Logik nicht verstanden hat. Neben dem “lebenden Trilobiten” führt er in diesem Zusammenhang zum Beispiel auch einen angeblich versteinerten menschlichen Schuhabdruck an, an dessen Fersen offenbar ein “zertretener” Trilobit zu sehen ist (dieser Fund war wo einigen Jahren auf der Unsolved Mysteries Ausstellung sowohl in Wien, Interlaken und Berlin ausgestellt und konnte von mir ebenfalls eingehend betrachtet werden).

Für Zillmer ein Hinweis darauf, dass ein Mensch einem lebenden Trilobiten begegnet sein muss. Dies, so schließt er weiter, würde entweder bedeuten, dass es moderne Menschen bereits seit hunderten von Millionenen Jahren gibt, oder aber, so seine eigentliche These, die Erde wesentlich jünger ist, alle Arten gemeinsam lebten und eine große Katastrophe vor wenigen tausend Jahren erst das heute als prähistorisch bezeichnete Leben auslöschte und im Zuge der katastrophalen Ereignisse fossilierte.

Sehen wir einmal davon ab, dass dieser scheinbare Trittsiegel womöglich gar keiner ist, sondern eine Gesteinsbildung, die kein Schuhwerk benötigte. Sehen wir auch davon ab, dass es sich, gesetzt dem Fall, es ist doch ein Schuhabdruck mit zertretenem Trilobiten, dieser von einem Taucher stammen müsste, der auf dem Meeresgrund nichts besseres zu tun hatte, als den armen Dreilapper zu zerquetschen. Betrachten wir einfach die zillmersche Logik.

1. Das Argument, ein unverändertes Wesen wie der Triops, der hunderte von Millionen Jahren fast unverändert existiert, würde der Evolution widersprechen.
Der Triops hat sich eine seltene ökologische Nische geschaffen. Er lebt nahezu unbehelligt von natürlichen Feinden an den Rändern übergelaufener Flüsse und in wieder versiegenden Pfützen. Welcher Selektionsdruck sollte denn vorherrschen, dass sich mögliche Mutationen mit Veränderungen durchsetzen würden? Dies wäre nur der Fall, sollte sich die Lebensumwelt dergestalt verändern, dass es heißen würde, Ex oder Hopp. Da dies nicht der Fall ist, ist überhaupt keine große morphologische Veränderung vonnöten, die eine Weiterentwicklung der Art gefördert hätte.

2. Da es ja offenbar “Out of place” Artefakte und Funde wie den oben geschilderten angeblichen Trittsiegel gibt, so Zillmer, würde das die ganze bestehende Theorie der Wissenschaft ins Wanken bringen. Hier bringt er vor, die Wissenschaft hätte induktiv darauf geschlossen, dass entsprechende Fossilfunde wie Trilobiten uns auch anzeigen, wie alt das Gestein ist (Leitfossilien). Sollte es aber noch immer lebende Trilobiten geben oder aber fossile Hinweise auf die Co-Existenz von Mensch und Trilobit existieren, so könne man, meint Zillmer, anhand eines Trilobitenfossils nicht mehr das Alter bestimmen, bzw. wenn man es doch tut, wäre dies willkürlich und nicht valide.

Weltweit gibt es Fossillagerstätten, an denen Wissenschaftler und Sammler auf die versteinerten Zeugen früheren Lebens treffen. Wer selbst einmal sammeln war, der wird schnell feststellen, dass man in bestimmten Gesteinen, an bestimmten Fundplätzen immer eine bestimmte Flora und Fauna finden wird, dessen Reste sich im Gestein erhalten haben.

Sammelt man etwa Fossilien in der Kiesgrube Groß Pampau nahe Hamburg, dann findet man die Fossilien aus dem so genannten Miozän. Genauer gesagt, maritime Fossilien aus dem Miozän. Sie finden Gehörknochen von Walen, Haifischzähne, verschiedene Muscheln, ja, sogar einen vollständigen Bartenwal aus dieser Zeit konnte in der der Kiesgrube entdeckt. Dieser ist heute im “Haus für Natur und Umwelt” in Lübeck ausgestellt.

etwa 10 Millionen Jahre alter Bartenwal aus der Kiesgrube Groß Pampau

Abb. 10: etwa 10 Millionen Jahre alter Bartenwal aus der Kiesgrube Groß Pampau (Foto: André Kramer)

Was sie dort nicht finden werden, sind zum Beispiel Dinosaurierknochen oder auch Trilobiten. In der berühmten Grube Messel sieht es ähnlich aus. Dort fanden sich die Reste verschiedener prähistorischer Säugetiere und Reptilien. Zum Beispiel das berühmte “Urpferdchen”. Auch hier sind Dinos nicht zu finden. Im Solnhofer Plattenkalk finden sich Fossilien aus dem Jura. Die berühmtesten Funde stellen hier wohl die Fossilien des Urvogels Archaeoptyrx dar. Einen Mammutstoßzahn werden sie dort aber nicht finden können.

Was können wir also für einen Schluss ziehen? Richtig, dass diese Gesteine und Erdschichten einer bestimmten Epoche angehören, in der auch eine ganz bestimmte Pflanzen- und Tierwelt in der jeweiligen Region beheimatet war.

An dieser Stelle kommen zu der Kritik aus Zillmers Online-Entgegnung. Er kritisiert, die Wissenschaft für induktiv schlussfolgern und das würde zu Fehlern führen und Zirkelschlüsse generieren. Als Erklärung des Begriffs Induktion führt er aus: “Wenn irgendetwas bewiesen zu sein scheint, schließe ich bei ähnlich gelagerten Fällen entsprechend auf ähnliche Umstände.” [12]

Lustigerweise verwechselt Zillmer hier Induktion mit Deduktion. Induktive Schlussfolgerungen sind vereinfacht ausgedrückt solche, die vom Kleinen aufs Große schließen. Also vom Speziellen aufs Allgemeine. Wenn ich bei einer genügenden Anzahl von Einzelbeispielen auf bestimmte Merkmale stoße, so kann ich logisch darauf schließen, dass diese Merkmale allgemein sind. Stelle ich also fest, dass bei meiner Datensammlung fast alle Menschen 2 Augen, Nase und Mund haben, so kann ich darauf schließen, dass das allgemeine Merkmale des Menschen sind. Allerdings gibt es auch Menschen mit zum Beispiel nur einem Auge. Dies kann verschiedene Ursachen haben, etwa, dass betreffende Person das Auge bei einem Unfall verlor. Klar ist jedoch, dass, in Anbetracht meiner anderen “Fälle”, das kein allgemeines Merkmal des Menschen ist.

Deduktion hingegen bedeutet, vom Großen aufs Kleine zu schließen. Vom Allgemeinen auf das Spezielle. Wenn ich weiß, dass Menschen allgemein zwei Augen, eine Nase und einen Mund haben, dann kann ich daraus schlussfolgern, dass auf mein Nachbar Herbert, wenn er denn ein Mensch ist, zwei Augen, eine Nase und einen Mund hat. Wenn dies nicht so sein sollte (zum Beispiel Augenverlust durch Unfall), so kratzt das nicht meine allgemeine Feststellung an. Sofern diese sich empirisch behaupten konnte. Und das kann auch die induktiv festgestellte, inzwischen auch deduktiv geschlossene Theorie, dass bestimmte fossile Faunen und Floren in Gesteinsschichten uns etwas über das ungefähre Alter des Gesteins sagen.

Sollten tatsächlich, so wie Zillmer behauptet, alle Lebewesen bis vor wenigen tausend Jahren gemeinsam diese Lebensräume bewohnt haben, so – lassen wir mal die Tatsache außer Acht, dass ein solches Ökosystem schlicht nicht funktionieren kann – müsste man entsprechend auch die Fossilien all dieser Arten durcheinander gemischt finden. Tun wir aber nicht!

Das ist ein sauberer empirisch induktiver Schluss. Das heißt, alle Erfahrung die wir im Speziellen machen, lässt als Möglichkeit nach derzeitigen Stand nur die genannte allgemeine Ansicht zu.

Das bedeutet, man muss bei derlei out of place Funden, also Funden die in ihrem Kontext nicht dahin passen davon ausgehen, dass sie anderweitig erklärbar sind. Davon einmal abgesehen, dass es derlei Erklärungsmöglichkeiten bei dem Fundus der vorgebrachten Indizien gibt, gilt hier das bekannte Prinzip von Ockhams Rasiermesser. Dieses besagt, dass diejenige Erklärung, die mit den wenigsten Zusatzhypothese auskommt, wahrscheinlich die Richtige ist.

Zillmer müsste, möchte er seine These trotzdem aufrecht erhalten, erklären, warum denn die allgemeine Fundsituation in Fossillagerstätten nicht der eines wirren Durcheinanders unterschiedlichster Pflanzen und Tierarten entspricht und derlei “Funde” offenbar, wenn überhaupt, nur in der absoluten Ausnahme vorzukommen scheinen. Derlei bietet und Zillmer allerdings nicht an! Damit ist seine “Theorie” allein schon vom Erklärungswert her nicht der etablierten Theorie vorzuziehen.

Fazit:
Bei Zillmers vorgestellten Fund handelt es sich eindeutig um einen rezenten Triops und nicht um einen Trilobiten. Alleine die Betrachtung dieses Einzelfalls ermöglicht uns, wie aufgezeigt, ein weitreichendes Urteil über die nicht haltbare Forschungslogik von Zillmer, deren Anspruch auf Richtigkeit absolut in Frage gestellt werden muss. Zillmer ist nicht in der Lage, eine Theorie vorzulegen, die als Paradigma bzgl. Validität und Erklärungswert neben dem bestehenden Paradigma (bzw. Paradigmas) bestehen kann.

Fußnoten

[1] Vgl. Walker, Ward 2003, S. 56
[2] Vgl. Fischer 2008, S. 143
[3] Vgl. Füller et. Al. 2000, S. 122
[4] Vgl. Rohde 2008, S. 182
[5] Vgl. Füller et. Al. 2000 S 121
[6] Vgl. Rohde 2008, S. 182 f.
[7] Vgl. Zillmer 2001, S. 27 f.
[8] Vgl. Grzimek 2000, S. 442
[9] Vgl. Kleesattel 2001, S. 9
[10] Vgl. Zillmer (o. J.)
[11] Vgl. Schildhauer 2008
[12] Zillmer (o. J.)

Quellenverzeichnis

Fischer, Ernst Peter: Das große Buch der Evolution. 3. Auflage. Köln: Fackelträger 2008

Füller, Horst et. al.: Urania Tierreich 2 – Wirbellose Tiere 2. Berlin: Urania 2000

Grzimek, Bernhard (Hrsg.): Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs. Bd. 1 – Niedere Tiere. Augsburg: Weltbild 2000

Kleesattel, Walter: Die Welt der lebenden Fossilien. Eine Reise in die Urzeit. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2001

Rohde, Andrea: Fossilien sammeln an der Ostseeküste. 3. Auflage. Neumünster: Wachholtz 2008

Schildhauer, Ruth: Triops. Urzeitkrebse züchten. Stuttgart: Kosmos 2008

Walker, Cyril; Ward, David: Fossilien. 3. Auflage. o. O.: Urania 2003

Zillmer, Hans-Joachim: Irrtümer der Erdgeschichte. Die Wüste Mittelmeer, der Urwald Sahara und die Weltherrschaft der Dinosaurier. München: Langen-Müller 2001

Zillmer, Hans-Joachim: Trilobit, Triops und die Seifenblase. In: http://www.zillmer.com/stellungnahmen_3.htm (o. J.)