Jan van Helsing und die Neue Rechte in der Grenzwissenschaft

von André Kramer

Verschwörungstheorien erfreuen sich Heutzutage nicht nur unter grenzwissenschaftlich interessierten Menschen großer Beliebtheit, sondern stoßen inzwischen auch in der breiten Bevölkerung auf zunehmendes Interesse. Leider lässt sich auch beobachten, dass der Markt für grenzwissenschaftliche Literatur in den letzten Jahren geradezu überschwemmt wird von Werken, deren Inhalt rassistischen, antisemitistischen und NS-Zeit verherrlichenden Charakter haben.

I. Einleitung

Verschwörungstheorien erfreuen sich Heutzutage nicht nur unter grenzwissenschaftlich interessierten Menschen großer Beliebtheit, sondern stoßen inzwischen auch in der breiten Bevölkerung auf zunehmendes Interesse, wie zum Beispiel die Diskussionen um den Anschlag auf das World Trade Center am 11.09.2001 zeigt, hinter dem viele Menschen inzwischen keine terroristischen Anschläge islamistischer Fundamentalisten vermuten, sondern eine gezielte Aktion der amerikanischen Regierung, um sich so eine Legitimation zur Sicherung von Rohstoffvorkommen im nahen Osten und innenpolitisch einen Überwachungsstaat zu schaffen. Diese und ähnliche Thesen werden in zahlreichen Internetforen diskutiert und sind regelmäßig Thema für TV-Dokumentationen und Zeitschriften- sowie Buchveröffentlichungen, in denen das Für- und Wider solcher Szenarien diskutiert wird.

Leider lässt sich auch beobachten, dass der Markt für grenzwissenschaftliche Literatur in den letzten Jahren geradezu überschwemmt wird von Werken, deren Inhalt rassistischen, antisemitistischen und NS-Zeit verherrlichenden Charakter haben. Mittelpunkt dieser Werke ist immer wieder das propagieren eine angeblich jüdischen Weltverschwörung.

Die Protagonisten der neuen Rechten, die diese Machwerke schreiben, gehen dabei häufig rhetorisch so geschickt vor, dass es den Lesern gar nicht auffällt, wessen geistige Väter hinter dem Gedankengut stecken.

Da ich diese Entwicklung für äußerst gefährliche halte, ebenso wie das naive Folgen der Pseudoargumente der neuen Rechten, möchte ich hier einen Überblick über den wohl bekanntesten Vertreter dieser Zunft neurechter Autoren – Jan Udo Holey alias Jan van Helsing – geben, und einen Teil seiner Thesen näher beleuchten und seiner eigenen Behauptung Lügen zu strafen, immer eine kritische Quellenprüfung zu betreiben und für seine Behauptungen Beweise zu präsentieren. [1]

Augrund des gewaltigen Umfangs vorgebrachter Geschichtsfälschungen und Pseudoargumente dieses Autors und anderer, kann dieser Überblick nur fragmentarisch bleiben, deshalb konzentriere ich mich auf einige der Hauptaspekte, versuche sowohl die rassistischen Aspekte und schlechte Arbeitsweise dieser Thesen aufzuzeigen und glaube, dass diese ausreichen, um dem Leser die induktive (vom kleinen aufs große schließende) Schlussfolgerung erlauben, was tatsächlich von derlei Verschwörungstheorien zu halten ist – nämlich gar nichts.

II. Die Thesen Jan van Helsings

Mitte der 1990er Jahre sorgten die 2 Bücher “Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20 Jahrhundert Bd.1 u. 2″ (1993 u. 1995) des jungen, bis dato unbekannten Autors Jan Udo Holey, der unter dem Pseudonym Jan van Helsing (im Folgenden werde ich den Realnamen verwenden) schrieb, für Aufregung.

In diesen und seinen späteren Büchern, die schnell zu Szene-Geheimtipps avancierten entwarf Holey ein komplexes Geflecht aus Verschwörungstheorien, vermischt mit Ufo-, Paläo-Seti-, und Esoterikelementen, in dessen Kern es darum ging, dass geheime Bruderschaften unter Schirmherrschaft der jüdischen Hochfinanz versuchen würden die Welt zu unterjochen und eine totalitäre “Ein-Weltregierung” durchzusetzen. Dem entgegen hätte Deutschland unter dem Nazi-Regime versucht, mit Hilfe von so genannten Flugscheiben, Flugkörpern die unter anderem mit Hilfe arischer Außerirdischer vom Aldebaran konstruiert wurden, diese Weltherrschaftspläne zu vereiteln.

Seinen Ausgang nahm die Verschwörung laute Helsing schon 3400 v. Chr. mit der “Bruderschaft der Schlange”, aufbauend auf den längst widerlegten Thesen des Autors Zecharia Sitchin [2], behauptet er, diese Bruderschaft hätte sich ursprünglich gegründet um gegen die Unterjochung der Menschheit durch Außerirdische Sklaventreiber anzukämpfen, wäre heute aber durch die Illuminati – die Weltverschwörer, besetzt. [3]

Mittelpunkt dieser Welteroberungspläne stellen die so genannten “Protokolle der Weisen von Zion” da, Schriftstücken angeblich jüdischer Herkunft, in denen in verschiedenen Schritten der Weg zur Kontrolle der Welt beschrieben ist.

Helsing ist sich der Brisanz dieser Dokumente wohl bewusst (dazu später mehr), die schon Hitler als Grundlage für seinen Antisemitismus dienten und betont, es sei völlig egal von wem diese ursprünglich erstellt worden wären, ob nun von der Bankiersfamilie Rothschild oder den Zionisten (in beiden Fällen übrigens Juden), sondern, dass sie Anwendung fänden. [4]

Auf der “Gegenseite” bildete sich angeblich die Thule-Gesellschaft, zu der auch der Anthroprosoph Rudolf Steiner gehört haben soll – ebenfalls Mitglied dieser Gesellschaft sollen Adolf Hitler, Rudolf Hess, Hermann Göring und Heinrich Himmler gewesen sein.

Die Thulegesellschaft soll den Ansichten van Helsings nach für das Gute gekämpft haben, da Jahwe, der Gott der Juden in Wirklichkeit der Teufel sei und die Hölle auf Erden errichten wolle. Außerdem hätten die Thuleleute vom jüdischen Bankensystem und deren Weltherrschaftsplänen gewusst. [5]

Thule wäre die Urheimat der Arier gewesen, ehemals aus dem Sternsystem Aldebaran gekommener blonder und blauäugiger Aliens, die sich in dem mystischen Nordland Hyperborea, dann später in Lemuria und Atlantis niedergelassen hätten und die Vorfahren der Germanen gewesen seien. [6]

Im Zuge ihrer Pläne ihrer Pläne inszenierten die als Illuminati firmierten jüdischen Weltverschwörer nicht nur den 1., sondern auch den 2. Weltkrieg und ließen Deutschland – folgt man Helsing – durch die hohen Reparationszahlungen gar keine Wahl, als den Weg in den Krieg.

Gleichzeitig channelte in Deutschland die so genannte Vrilgesellschaft Nachrichten der Aldebaraner und konnte so die Pläne verschiedener “fliegende Untertassen” bekommen, etwa die Vril- und Haunebuscheiben, die Deutschland im Krieg unterstützen sollten. Parallel dazu wurden aber auch konventionelle “Flugscheiben” konstruiert. [7] Nach dem Krieg verbargen sich die versprengten Nazis mit ihren Flugscheiben in der Arktis in “Neuschwabenland”, wo sie noch heute ausharren würden.

Die Liste weiterer, ähnlich obskurer Thesen Holeys, etwa zur Bedeutung der Barcodes als Zeichen des Teufels und die geschichtliche Fortführung der Weltverschwörungspläne der Illuminati ließe sich noch bis ins Unendliche fortführen, doch möchte ich an dieser Stelle einen Schnitt setzen und im Folgenden nicht nur die Gesinnung und Hintergründe dieser Thesen diskutieren, sondern an verschiedenen Stellen auch ihren Wahrheitsgehalt auf den Prüfstand stellen, womit hinreichend bewiesen werden soll, dass das Gedankengut Holeys, auch wenn er selbst es bestreitet, tief rechter Natur und obendrein inhaltlich noch hanebüchener Unsinn ist.

III. Volksverhetzung, rechtes Ideengut und Geschichtsverfälschung

Jan Udo Holey ist Heute ein Held der Szene mit einer gewaltigen Anhängerschaft. Dies rührt vor allem daher, dass er es geschickt schaffte, sich in die Rolle eines Martyrers zu versetzen, als 1996 seine beiden Erstlingswerke von der Staatsanwaltschaft Mannheim wegen der Vorwurfs des Antisemitismus als Volksverhetzung beschlagnahmt wurden. [8]

Ein tatsächliches Verbot der Bücher fand allerdings nie statt, der Prozess wurde 1998 “wegen mangelnder örtlicher Zuständigkeit” [9] eingestellt.

Seit dieser Zeit finden wir den Autor auch in Schriften des Deutschen Verfassungsschutzes als rechten Schreiberling immer wieder erwähnt. [10]

Holey selbst wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe, er wäre ein Neonazi und begründet das zum Beispiel mit dem Argument, er wäre selbst als Jugendlicher in der Punkszene aktiv gewesen [11], außerdem könne er gar kein Antisemit sein, da nur ein Bruchteil der heutigen jüdischen Weltbevölkerung semitischen (also von Hebräisch sprechenden Völkern abstammenden) Ursprungs sei [12] und würde auch gar nichts gegen Juden haben, zitiert aber im Gleichen Atemzug Passagen aus dem Talmud, die zeigen sollen, wie Menschenverachtend diese Religion sei und weshalb die Khasaren, die den Großteil der heutigen Juden ausmachten, überhaupt dieser Religion angehören würden. [13]

Er schrieb sogar, unter seinem bürgerlichen Namen Jan Udo Holey, ein ganzes Buch über die Beschlagnahmung seiner Bücher und fühlt sich in seiner Meinungsfreiheit eingeschränkt. [14] Zumal, und hier setzt wieder sein, sich selbst geschaffener Mythos und seine Märtyrerrolle ein, sagte er in einem Interview 2008:

“Begriffe wie “Antisemitismus” und “Rechtsradikalismus” werden oftmals herangezogen, um Menschen mundtot zu machen.” [15]

Doch wie sieht es denn nun aus, lässt sich der Vorwurf der Judenfeindlichkeit, des Rassismus und der Verbreitung von rechten Ideologien aufrechterhalten?

Die Antwort ist ein eindeutiges Ja! Auch wenn Holey es immer wieder versteht, sich rhetorisch geschickt heraus zu reden, sprechen seine Texte, liest man sie genau, eine deutliche Sprache, immer wieder mehr oder weniger deutlich treten rassistische Gedanken und Judenfeindlichkeit in diesen zutage.

Schon erwähnt wurden die Behauptungen, die Juden würden mit Jahwe in Wirklichkeit den Teufel anbeten und über dies hinaus auch noch hinter der Weltverschwörung stecken, hinzu kommt das “Schönreden” der Motive der Nazis und die Rassentheorien die verarbeitet werden, so wie die guten Außerirdischen vom Aldebaran wohl nicht zufällig blauäugig und blond sein sollen. Es geht sogar noch weiter:

“Die Menschheit des Sonnensystems Aldebaran soll sich in ein Herrenvolk von ‘lichten Gottmenschen’ (Arier) und verschiedenen anderen menschlichen Rassen unterteilt haben, die sich durch negative Mutationen dieser ‘Gottmenschen’ infolge der klimatischen Veränderungen auf den einzelnen Planeten entwickelt haben sollen. Diese farbigen mutanten Rassen sollen eine geringere geistige Entwicklungsstufe gehabt haben. Je mehr es zur Rassenvermischung kam, desto mehr soll auch die geistige Entwicklung dieser Völker herabgesunken sein…” [16]

Hier finden wir, sicherlich nicht zufällig, Analogien zur Rassenlehre und Rassenhygiene der Nazis, die ganz ähnliches bezüglich menschlicher Rassen propagierte.

Hier ein Beispiel aus Hitlers “Mein Kampf”:

” …Die Sünde wider Blut und Rasse ist eine Erbsünde dieser Welt und das Ende einer sich ergebenden Menschheit…Demgegenüber erkennt die völkische Weltanschauung die Bedeutung der Menschheit in deren rassischen Urelementen. … Sie glaubt somit keineswegs an eine Gleichheit der Rassen, sondern erkennt mit ihrer Verschiedenheit auch ihren höheren oder minderen Wert…denn in einer verbastardisierten und vernegerten Welt wären auch alle Begriffe des menschlich Schönen und Erhabenen sowie alle Vorstellungen einer idealisierten Zukunft unseres Menschentums für immer verloren.” [17]

Und in einer NSDAP-Schrift heißt es:

“…Das allgemeinste unerbittliche Gesetz des Lebens ist nun Kampf um sein Dasein und seine Entfaltung, Kampf der Rassen um ihren Lebensraum, d. h. auch auf die Völker bezogen mit der Natur und, wenn es sein muß, mit anderen Völkern, die der eigenen völkischen Lebensentfaltung entgegenstehen. Grundvoraussetzung für jede völkische Entwicklung, ja jeder Entwicklung des Lebens überhaupt, ist eine beständige Erneuerung an seinen Quellpunkten durch Zeugung und Fortpflanzung. Völker, die sich nicht mehr genügend fortpflanzen, sind dem Untergange geweiht, mögen sie auf noch so imponierender Höhe der Kultur und der politischen Macht stehen. Sie müssen nach einer bestimmten Zeit dem Drucke geburtenstärkerer Rassen weichen, in denen sich zugleich im Bevölkerungsüberschuß die emporzüchtende Kraft der Auslese zu entfalten vermag. Von grundlegender Bedeutung für das Staats-, Kultur- und Bildungsideal ist hier nun die Art, wie Rassen und Völker diesen Kampf um den Lebensraum bestehen. Die einen suchen diesen durch Bedürfnislosigkeit, Fügsamkeit, Zähigkeit, vielfach auch Fleiß und allmähliches unmerkliches Eindringen in schon bevölkerte Räume auszufechten. Sie zeichnen sich durchgehends durch eine außerordentliche Fruchtbarkeit aus, aber vermeiden möglichst den offenen Kampf zur Sicherung des Lebensraumes für ihre Nachkommen.

Zu diesen ‘Kuli- oder Felachenrassen’ gehört die Überzahl der Bevölkerung des Erdballs, das Gros der farbigen Menschen Asien und Afrikas und das ostbaltische-ostisch-innerasiatische Volkstum Russlands. Ein kleiner, aber mächtiger Teil der Erdbevölkerung wählte den Weg des Parasiten. Er sucht sich durch intelligente und heuchlerische Einfühlung und Überlistung in bodenständigen Volkstümern einzunisten, diese mit händlerischer Schlauheit um den Ertrag ihrer Arbeit zu bringen und durch raffinierte geistige Zersetzung der Selbstführung zu berauben. Die bekannteste und gefährlichste Art dieser Rasse ist das Judentum.

Die dritte Gruppe führt den Kampf offen, mit Wagemut und selbstbewussten Einsatz rassischer Kraft. Sie umfaßt die ausgesprochenen Herren. Und Kriegerrassen. Sie ringen mit der Natur, um ihr Nahrung und Schätze des Bodens abzugewinnen, erst als Jäger, dann als Hirten und Bauern. Aber sie greifen auch zum Schwerte, wenn man sie ihrer Freiheit berauben will oder andere, insbesondere niedere Rassen, ihrem Nachwuchs einen Lebensraum streitig machen wollen, den diese ungenügend zu nutzen wissen. Nur diese Rassen haben sich als kulturschöpferisch und staatenbildend erwiesen. Die bedeutsamste unter ihnen ist die nordische geblieben, die sich mit ihrer Arbeits- und Wehrkraft über die Hälfte des Erdballes erobert und mit ihrer Technik und Wissenschaft ihn heute fast ganz unterworfen hat, das Vorvolk dieser Rasse aber ist das deutsche…” [18]

Genau so, wie es laut Holey bei den Außerirdischen der Fall war, propagierte auch das Naziregime naturwissenschaftliche hanebüchene Vorstellungen, laut der es höhere und niedere menschliche Rassen gäbe und es infolge einer Vermischung zu einer Degeneration kommen würde. [19]

Holey kann die Übernahme von Naziideologie in seinen Werken also schwer leugnen, was auch durch die Schutzbehauptung, er wäre schließlich einst Linksradikal gewesen, nicht besser wird, denn eine solche Schutzbehauptung hat wenig wert, schließlich sind auch solche extremen Schwenks von einem Lager ins andere sind nicht so ungewöhnlich, man denke an den bekannten rechten Anwalt und NPD-Funktionär Horst Mahler, für den ein solcher Schwenk offensichtlich kein Problem darstellte, so war er zwischen 1964 und 1970 noch Anwalt für die Außerparlamentarische Opposition (APO), die im wesentlichen durch den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) getragen wurde und verteidigte unter anderem Rudi Dutschke und Andreas Baader. [20]

Und was hat es nun mit den Protokollen der Weise von Zion auf sich, die zu Holeys Vorzeigeargumenten zählen und die Kronzeugen der von ihm postulierten Weltverschwörung darstellen?

Die 24 Protokolle entstammen angeblich zionistischen Sitzungen, in denen genau festgelegt wurde, wie die Juden die Welt an sich reißen könnten, etwa durch die Entfesselung eines Weltkrieges und die Meinungsbeeinflussung durch Medien etc.

Erstmals tauchten die Protokolle 1903 in Russland, 1918 in Deutschland und fachte den aufgeflammten Antisemitismus weiter an. [21]

Doch schon 1920 erschienen erste Kritiken und 1921 wurden die Protokolle als Fälschungen entlarvt, sie stellen eine abgewandelte Version einer gegen Napoleon III. Satire von Maurice Joly mit dem Titel “Dialogue aux enfers entre Machiavel et Montesquieu (Gespräche in der Unterwelt zwischen Machiavelli und Montasquieu)” von 1864/65, dessen Inhalt nur dahin gehend angepasst wurde, dass er auf Juden getrimmt wurde. [22]

Leider blieben die Protokolle weiterhin populär und hinderten Hitler ebenso wenig sie zur Grundlage seines Judenhasses zu machen, wie Jan Udo Holey.

In “Mein Kampf” heißt es bei Hitler:

“Während sich England um die Erhaltung seiner Stellung auf dieser Welt anmüht, organisiert der Jude seinen Angriff zur Eroberung derselben.” [23]

Und in einer Broschüre zur Erziehung der Weltanschauung von 1944 heißt es in den Überschriften der einzelnen Kapitel:

“Der Jude zerstört jede völkische Lebensordnung…

I. Das Judentum strebt nach der Weltherrschaft. Dies liegt in seiner Weltanschauung begründet…

II. Die zwei Hauptbegriffe, mit denen das Judentum sich in die Ideen der Völker einschleicht, sind der Materialismus und der Individualismus…

III. Der Jude verseucht und zerbricht die Lebensordnungen seiner Wirtsvölker. Musterbeispiel ist das Deutschland vor der Machtübernahme…

1. Der Jude greift durch Beherrschung des Geldes, des Handel, des Banken- und Börsenwesens nach den Schlüsselstellungen zur Weltwirtschaft…
2. Der Jude durchwühlt mit Hilfe des Freimaurertums, von Revolutionen, von Demokratien und Parlamentarismus die völkischen Ordnungen jeder Gemeinschaft, jedes Staates…
3. Der Jude entartet jede völkische Kultur und missbraucht sie zur Propaganda für seine internationalen Pläne…
4. Der Jude unterhöhlt die Sittlichkeit und schwächt damit Zucht, Kraft und Kinderreichtum des Volkes…
5. Die jüdische Verbrechernatur verdreht jede artgemäße Rechtsauffassung und verdrängt Recht und Gerechtigkeit…

IV. Der Jude ist Anstifter und Verlängerer des gegenwärtigen Krieges…

1. Der russische Bolschewismus ist eine Ausgeburt jüdischen Denkens…
2. Der Jude stützt den britischen Imperialismus…
3. Der Jude steckt hinter der amerikanischen Plutokratie… “[24]

Auch wenn sich die Bezüge zwischen Holey und dem rechten Ideengut bislang schon mehr als eindeutig sind, es lassen sich noch weitere aufzeigen.

So zieht Helsing seine Thesen zum Beispiel von dem ehemaligen Waffen-SS-Mann Wilhelm Landig, der in seiner “Thuletrilogie” große Teile von Helsings späteren Aussagen vorwegnimmt (zur Thule- und Vrilgesellschaft, den Reichsflugscheiben etc.). Es erschien im Sterntorverlag auch ein Video, auf dem jeweils ein Interview mir Jan van Helsing und eines mit Wilhelm Landig enthalten sind. [25]
Dieses Interview ist inzwischen auch im Internet anzusehen. [26]

Gleichzeitig entlarvt dieses Interview Landig, unabhängig von seiner politischen Gesinnung auch als Schwindler. Behauptet er da doch, die Reichsflugscheiben wären nach dem Krieg unter anderem in die Stadt Akakor in Südamerika gebracht worden, wie er aus seiner eigenen Arbeit für das Regime wisse. [27]

Doch was ist Akakor und was hat es damit auf sich?

1972 trat in Südamerika ein scheinbar weißhäutiger Indianer, der sich Tatunca Nara nannte an den damaligen ARD-Korrespondenten heran und erzählte diesem, er wäre der Häuptling eines verborgenen Volkes, der Ugha Mogulala, die verborgen im Urwald leben würden. Da die Zivilisation aber inzwischen ihren Lebensraum bedrohen würde, suche er nun Hilfe in eben dieser. Tatunca Nara erzählte Brugger infolge die komplette Geschichte seines Volkes, das ursprünglich in der geheimnisumwitterten Stadt Akakor gelebt hätte.
Diese Geschichte begann vor 13000 Jahren mit der Ankunft göttlicher Lehrmeister von den Sternen, zog sich über Besuche von Europäischen Reisenden lange vor Kolumbus und mündete gar darin, dass das NS-Regime die Ugha Mogulala mit 2000 Deutschen Soldaten unterstützte. [28]

Tatunca selbst sei der Nachfahre eines dieser Deutschen und einer Indianerin.

Nachdem Brugger diese “Chroniken” 1976 erstmals veröffentlichte, sorgte das in der grenzwissenschaftlichen Szene für einigermaßen Begeisterung, und selbst Erich von Däniken (der sich heute von der Geschichte distanziert) sah hier einen möglichen Beweis für seine Thesen, plante sogar eine Expedition nach Akakor, unter der Leitung Tatunca Naras. [29]

Sein Glück, dass es niemals zu dieser Expedition kam!

Nach der Ermordung Karl Bruggers 1985 und dem Verschwinden mehrerer Teilnehmer von Expeditionen gen Akakor, die der weiße Häuptling persönlich leitete, wurden Zweifel wach.

Der norddeutsche Überlebenskünstler und Abenteurer Rüdiger Nehberg, der selbst mehrmals im Tatunca Nara zusammentraf, konnte nachweisen, dass es sich bei diesem nämlich alles andere als einen Häuptling handelt, sondern in Wirklichkeit um einen Deutschen namens Günther Hauck, der 1968 nach Südamerika auswanderte und mit großer Wahrscheinlich auch der Mörder der verschollenen Personen ist. Über seine Ermittlungen, zum Teil unterstützt durch das Bundeskriminalamt hat Nehberg ausführlich geschrieben. [30]

Landig hat die erfundene Geschichte von Akakor also zum Aufhänger für den Verbleib seiner Reichsflugscheiben verwendet. Übrigens berichtete die “Chronik” an keiner Stelle etwas von irgendwelchen deutschen Ufos.

Natürlich ist auch die Frage sehr interessant, ob und in wiefern okkultes Ideengut, Esoterik und ähnliches überhaupt Einfluss auf die NS-Politik hatten und wie die Hauptvertreter des dritten Reichs dazu standen.
Interessanterweise waren es gerade Heinrich Himmler und Rudolph Hess, die tatsächlich merkwürdigen Ideen in dieser Richtung anhingen. Ihr Ziel war es immer die Legitimität der arischen Rasse als Herrenrasse zu beweisen, was zu allerlei verschrobenen Ideen führte.

So meldete sich der berühmte Zoologe Dr. Ernst Schäfer beispielsweise bei Reinhold Messner, der in seinen Recherchen zur Yetifrage steckte und berichtete ihm von seiner Arbeit für Heinrich Himmler und das Ahnenerbe, in dessen Auftrag er auf seinen Tibetexpeditionen das Geheimnis des Yeti lüften sollte, hinter dem man gerne einen Urgermanen gesehen hätte (obgleich Schäfer sich von Anfang an sicher war, dass der Yeti nichts weiter als ein Tibetbär ist). [31]

Und wie stand Adolf Hitler selbst zu derlei Ideengut? Jan Udo Holey zufolge war Hitler ja ein ausgesprochen spiritueller Mensch mit Verbindung zu der mystischen Geheimgesellschaft Thule?

Wenngleich Hitler selbst in “Mein Kampf” die Grundlagen für die Rassenlehre der NS-Zeit und auch die Idee der jüdischen Weltverschwörung mit schuf [32] und scheinbar tatsächlich Kontakte zur Thulegesellschaft pflegte und Anfangs noch von einem solchen kultischen Gedankengut angetan war, verwarf er derlei nach seiner Machtübernahme 1933. [33] Die Antwort ist also ganz einfach: Hitler hielt später gar nichts von derlei mystischen Überlegungen! Er machte sich hinter dessen Rücken in privaten Kreisen sogar über Himmlers Anwandlungen zum Mystizismus und seiner Germanenverehrung lustig, wie wir aus den Erinnerungen des NS-Architekten- und Hitlervertrauten Albert Speer erfahren:

“Oft äußerte sicht Hitler abwertend über Himmlers SS-Mythos: ‘Welcher Unsinn! Jetzt sind wir endlich so weit, in eine Zeit zu kommen, die alle Mystik hinter sich gelassen hat, und nun fängt der wieder von vorne an. Da können wir auch gleich bei der Kirche bleiben. Die hat wenigstens Tradition. Der Gedanke, daß ich einmal zum ‘SS-Heiligen’ gemacht werde! Stellen Sie sich vor! Ich würde mich im Grabe umdrehen!’” [34]

Hitler sprach sich viel mehr für eine Einbeziehung der Kirche ein, sobald der Krieg gewonnen sei und lästert im Folgenden darüber, dass Himmlers archäologische Grabungen geradezu peinlich wären, da sie nur beweisen würden, dass die Germanen noch Primitive waren, als die Griechen und Römer schon längst große Kulturen hervorgebracht hatten [35] und so konstantiert er auch:

“Eine neue Parteireligion (bezogen auf Himmlers mystische Vorstellung, Anmerkung A. Kramer) würde nur einen Rückfall in den Mystizismus des Mittelalters bringen. Das zeige der SS-Mythos und Rosenbergs unlesbarer ‘Mythos des Zwanzigsten Jahrhunderts’.” [36]

Es bleibt also auch hier festzustellen, dass die Versuche der Neuen rechten, Hitler zu einem Esoteriker und Okkultisten zu erklären blanke Geschichtsverklärung darstellen.

IV. Jan van Helsing und die Reichsflugscheiben

Das Ufo-Thema nimmt eine große Rolle in den Thesen der Neuen Rechten ein, in denen der Ufomythos nicht mit möglichen außerirdischen Raumfahrern, sondern mit technischen Entwicklungen der Nazideutschen erklärt wird.

Hierbei zeigen sich 2 unterschiedliche Ebenen, zum einen die Reichsflugscheiben mit konventionellem Antrieb, die von Ingenieuren wie Schriever, Habermohl und Epp entwickelt worden sein sollen, und futuristischen Untertassen, die mit einem exotischen Vrilantrieb laufen und deren Baupläne angeblich von den arischen Aldebaranern stammen.

Gewisse Autoren blenden letzteres hierbei in ihren Thesen aus und konzentrieren sich auf die konventionellen Reichsflugscheiben, denen allerdings auch überragende Eigenschaften zugeschrieben werden. [37]

Schon Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts tauchten diese angeblichen Entwicklungen der Deutschen in verschiedenen Zeitschriften auf und wurden sogleich als Erklärung für das Ufophänomen genannt. [38] Laut dem Spiegel entwarf der Ingenieur Rudolf Schriever derlei Flugscheiben und ließ sie in Prag testen. Er ist der festen Überzeugung, andere Mächte hätten seine Arbeit nach dem Krieg fortgeführt und diese Flugscheiben würden die Ursache für die Sichtung von fliegenden Untertassen sein. [39]

Jan Andreas Epp zum Beispiel behauptete, er habe verschiedene Flugscheibenmodelle angefertigt, wie von Schriever und Habermohl dann weiter entwickelt wurden. [40] Auch gibt er Fotos wieder, die er angeblich von Testflügen seiner Flugkreisel gemacht habe. [41]

Die Fotos zeigen verwaschene kleine Flecken am Himmel, ohne jede Aussagekraft. Interessanter ist da seine Aussage, auch in der Nachkriegszeit funktionstüchtige Modelle hergestellt und öffentlich vorgeführt zu haben. [42]

Tatsächlich bestätigte mir gegenüber der Physiker und Leiter der Ufoforschungsgruppe MUFON CES, Illobrand von Ludwiger in einem Gespräch auf der Frühjahrstagung der Deutschsprachigen Gesellschaft für Ufoforschung Degufo e.V. in Erfurt 2008, dass er von Epp einst zu einer solchen Vorführung eingeladen wurde und dieser Einladung auch folgte. Allerdings sei diese Vorführung ein enormer Flop gewesen, die Flugscheibe technisch unausgereift und wertlos.

Wen wundert es auch, dass es bislang keinen Beweis für funktionstüchtige Flugscheibenkonstruktionen auf Basis von integrierten Rotoren gibt? Die Kanadier und Amerikaner versuchten nach dem Krieg ebenfalls ihr Glück mit der Scheibenform. Heraus kam das so genannte Avrocar (Avro Canada VZ-9A V), ein scheibenförmiges Flugobjekt, das gnadenlos scheiterte und in den Testflügen nicht einmal einen Meter vom Boden abhob.

Die Problematik bei der Untertassenform in Verbindung mit Rotoren liegt nämlich vor allem in der Stabilisierung der Einheiten. Nicht umsonst gelang es jungen Forschern erst 2003 ein solches “Ufo” zu konstruieren und damit einen Preis bei “Jugend forscht” zu erhalten. Sie lösten die bestehenden Probleme mit einer ausgefeilten und leistungsfähigen Computersteuerung. [43]

Möglichkeiten, die mehr als 60 Jahre zuvor allerdings nicht bestanden.

Tatsächlich scheint der Mythos der Reichsflugscheibe aber auf eine tatsächliche Entwicklung zurück zu gehen, nämlich dem Sack A.S.6, einem Propeller betriebenen Rundflügler, der 1944 gebaut wurde, sich bei Tests aber als untauglich erwies. [44]

Die zweite Ebene des Reichsflugscheibenmythos stellen die exotischen Modelle vom Typ Haunebu und Vril dar, die angeblich unter Mitwirkung Außerirdischer entstanden sind.

Eine der Hauptquellen für diese Ufos stellt der schon erwähnte Alt-Nazi Wilhelm Landig dar, der von diesen Untertassen in seiner Romantrilogie berichtet. [45]

Durch dutzende angebliche SS-Geheimdokumenten und Fotos soll die Existenz dieser Flugkörper bewiesen werden. Doch was ist tatsächlich von ihnen zu halten? Einmal von der hanebüchenen Geschichte abgesehen, weiter abgesehen davon, dass Deutschland den 2. Weltkrieg mit solchen Geheimwaffen nie hätte verlieren können?

Abermals gar nichts! Schauen sie sich im Internet einmal die in der Regel äußerst schlechten Fotos dieser “Haunebus” näher an und dann informieren sie sich doch einfach mal über einen Mann namens George Adamski!
Kennen der Ufo-Historie dürfte dieser Name etwas sagen, war er doch Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts Angehöriger der ersten Generation von so genannten Ufo-Kontaktlern und behauptete, Kontakt zu Menschen von der Venus zu haben. Seine vielen Beweisfotos und Filme sind äußerst billiger Machart, bei seinen Ufos handelt es sich womöglich um alte Billardtischlampen, [46] auf einigen Aufnahmen erkennt man sogar noch die Aufhängungen. Tja, und witzigerweise sind es genau diese Bullaugen tragenden Karikaturen von Weltraumschiffen, die auch die Vorbilder für die Haunebu- und Vrilscheiben darstellen.

Man könnte fast meinen, dass die Neue Rechte sich hier einen Scherz erlaubt, doch tatsächlich verkaufen sie das ihren Lesern als echt und diese nehmen dies unkritisch an.

In diesem Zusammenhang sollte auch erwähnt werden, dass von Deutschlands Ufoforschungsgruppen, Gesellschaft zur Erforschung des Ufophänomens e. V. (GEP), Gesellschaft zur Untersuchung von anomalen atmosphärischen und Radar-Erscheinungen (MUFON CES), Deutschsprachige Gesellschaft für Ufo-Forschung e. V. (Degufo) und Centrales Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (CENAP) keine Meldungen von Reichflugscheiben mit Maschinengewehren und Hakenkreuzemblemen zu vernehmen sind. Genau dies sollte aber doch zumindest bei einem Teil der eingehenden Sichtungen der Fall sein, wenn es diese Fluggefährte denn wirklich geben sollte.

Auch wenn es sich eigentlich schon erübrigt hat, natürlich ist auch von der Nazizuflucht “Neuschwabenland” nichts zu halten. Dass die vermeintlichen Nazi-Ufos nicht in Akakor stationiert sein können, wurde schon erwähnt, schließlich existierte weder das Eine, noch das Andere. Mit Neuschwabenland sieht es ähnlich aus, auch hier wird uns von Holey und seinen Mitstreitern eine ganze Menge versprochen, aber nichts gehalten.
Einer seiner Hauptzeugen hierbei ist Admiral Byrd, der laut seinem “Tagebuch” in der Arktis auf Flugscheiben stieß.

Wer war dieser Admiral Byrd? Richard Byrd (1988-1957) war ein Pilot, der durch seine wagemutigen Expeditionen zum Nord- und Südpol bekannt wurde.

Besorgt man sich nun dieses “Tagebuch” des Admiral Byrd, in dem die fantastischen Begebenheiten verzeichnet sind, dann wird man schon mal stutzig. Holey lässt natürlich keinen Zweifel daran, dass er aus einer seriösen autobiographischen Schrift Byrds zitiert, die Realität sieht aber anders aus. Das kleine, in einem esoterischen Verlag erschienene Büchlein klärt gleich in der Einleitung auf:

“Wir erhalten im Laufe eines Monats einige Manuskripte. Die meisten können wir nicht in dem Maße würdigen, wie es wahrscheinlich gut wäre, aber immer wieder entstehen Bücher daraus. Wir recherchieren immer, versuchen zu prüfen, was uns da angeboten wurde. Dies ist uns bei diesem Büchlein nicht möglich gewesen. Wir haben keinerlei Informationen über denjenigen, der uns diese Übersetzung zugeschickt hat, und doch halten wir das, was Admiral Byrd erlebt hat, für so wichtig, daß wir es unter allen Vorbehalten veröffentlichen.” [47]

Natürlich erwartet ein jeder, dass ein seriöser Autor seine Leser darüber informiert, dass es sich bei der von ihm verwendeten Quelle um eine zweifelhafte Quelle handelt, doch das tut Holey natürlich nicht, und wenn die Leser sich das “Tagebuch” nicht selbst kaufen, werden sie es wohl auch nicht erfahren.
Auf einem wenige Seiten langen Text wird dann ein scheinbar faszinierendes Abenteuer geschildert, in dem Byrd sich mit seinem Flugzeug verirrt und Mitten in der Arktis in ein blühendes Tal kommt, in dem er prähistorische Tiere sichtet, von Flugscheiben begleitet wird, in ein Höhlensystem gerät und mit blonden und blauäugigen Menschen (welch Zufall) zusammen trifft.

Die Schreibweise ist hierbei mehr als simpel, verwertbare Koordinaten werden natürlich nicht genannt.
Dass es sich bei diesem Werk um das eines Stümpers handelt, wird schnell deutlich, so heißt es zu Beginn:

“Dieses Tagebuch werde ich im Geheimen und Verborgenen schreiben. Es enthält meine Aufzeichnungen über meinen Arktis-Flug vom 19. Februar 1947.” [48]

Witzigerweise unternahm Richard Byrd 1947 gar keine Expedition in die Arktis (der Nordpol), sondern in die Antarktis, den Südpol. [49]

Ein solcher Fehler wäre dem wirklichen Richard Byrd mit ziemlicher Sicherheit nicht unterlaufen. Davon einmal abgesehen deckt sich der Schreibstil des Buches auch nicht mit tatsächlich von Byrd verfassten Aufzeichnungen, wie man bei einem direkten Vergleich schnell feststellen kann. [50]

Abermals kann das Ergebnis einer Überprüfung von Holeys Behauptungen also nur lauten, dass sie unhaltbar sind.

V. Jan van Helsing und die alternative Archäologie

Auch Themen der alternativen Archäologie und Paläo-Seti werden von Holey immer wieder aufgegriffen. An einigen wenigen exemplarischen Beispielen soll hier deutlich gemacht werden, was von den Behauptungen zu halten ist.

Wie schon erwähnt, vermutet van Helsing die arische Urheimat auf Hyperborea, später siedelten die Urgermanen dann nach Lemuria und Atlantis über.

Während in seinem ersten Buch von blonden und blauäugigen Aldebaranern die Rede war [51], sprach Helsing später von Gestalten mit 3 Augen und 4 Armen, die noch Heute im Himalaja versteckt meditieren würden. [52]
Einmal mehr wird an dieser Stelle deutlich, dass eine eingehende Beschäftigung mit dem Thema von Seiten Helsings nie stattfand und er seine Behauptungen einfach aus esoterischer Literatur übernommen hat, ohne sie zu prüfen.

Am ältesten soll Hyperborea sein, so wird gesagt. Schon hier sollte jeder stutzig werden, der sich mal mit den Texten der alten griechischen Geschichtsschreiber befasst hat.

Hyperborea war bei diesen das mythische Land jenseits der Nordwinde, in dem Apollon regelmäßig seinen Winterurlaub zu verbringen pflegte. Das Hyperboreerland wird bei Herodot als ein Land im Norden beschrieben, und zwar in der existierenden Form! Nirgends ist davon die Rede, hier würde es sich um einen untergegangenen Kontinent oder ähnliches handeln, immer wird in Präsenz gesprochen. Doch Herodot selbst glaubte noch nicht einmal an seine Existenz und schreibt:

“Ich glaube überhaupt nicht an die Hyperboreer; denn wenn es ein solches Volk im höchsten Norden gäbe, müsste es auch eines im Süden geben.” [53]

Wenngleich Diodor von Sizilien im Gegensatz zu Herodot tatsächlich von einer Insel (nicht Kontinent) spricht, so aber ebenfalls in der Gegenwart, als einen rezenten Kulturkreis:

“Die alten Mythographen, Hekataios und einige andere, berichten nämlich, gegenüber dem Lande der Kelten gäbe es eine Insel im Ozean, nicht kleiner als Sizilien. Sie liege im Norden und werde von den so genannten Hyperboreern bewohnt, so genannt, weil sie weit jenseits der Nordwinde zu Hause seien. Die Insel habe guten Boden, auf dem alles wachse, und ihr Klima sei so ausgezeichnet, dass sie zweimal im Jahre Früchte hervorbringe.

Auf der Insel befinde sich auch ein großartiger heiliger Bezirk dieses Gottes (Gemeint ist Apollon, den die Hyperboreer laut Diodoros verehrten, Anmerkung von mir!) und ein bedeutender Tempel mit vielen Weihegaben ausgestattet, von kreisrunder Form.” [54]

Dieser Beschreibung nach dürfte es nicht schwer sein, hier die britischen Inseln zu erkennen (Gegenüber dem Land der Kelten = Frankreich? Tempel von kreisrunder Form = Stonehenge?), auf jeden Fall hat das Hyperborea der alten Überlieferung nichts mit dem Fantasiekonstrukt gleichen Namens zutun, welches Holey entwirft.

Mit Lemuria ist es sogar noch einfacher, denn in alten Überlieferungen oder dergleichen taucht dieser angeblich sagenhafte Kontinent gar nicht auf!

Vielmehr kamen Wissenschaftler im 19. Jahrhundert auf die Idee der Existenz von Lemuria, einem untergegangenen Kontinent zwischen Afrika und Indien, da man sich anders nicht die Verbreitung des Lemuren, sowohl auf Madagaskar, als auch in Indien erklären konnte. [55] Durch die Entdeckung der Plattentektonik entpuppte sich diese These allerdings als Unsinn.

Die Okkultistin Helena Blavatsky war es dann, die diese Idee aufgriff und mit ihren esoterischen Vorstellungen verknüpfte, gefolgt von immer weiteren Umdichtungen weiterer Autoren [56], die zu dem heutigen in der Grenzwissenschaft immer noch aktuellen Bild führten.

Holey scheint sich nicht einmal die Mühe gemacht zu haben, die Primärquellen des wohl bekanntesten “untergegangenen Kontinents” zu bemühen, nämlich den Dialogen Timaios und Kritias des griechischen Philosophen Platon, in denen die Geschichte von Atlantis beschrieben wird.

Hätte er dies nämlich getan, dann wüsste er, dass es sich bei Atlantis um alles andere als ein Utopia handelte, die Atlanter waren keine spirituellen Heiligen oder ähnliches, sondern um den dekadenten Gegenspieler von Ur-Athen, der Platons Idealstaat noch am nächsten kam.

Im Timaios wird die Geschichte von Atlantis folgendermaßen, erzählt von einem ägyptischen Priester bezüglich der Heldentaten des frühen Athens, eingeleitet:

“Unsere Bücher erzählen nämlich, eine wie gewaltige Kriegsmacht einst euer Staat gebrochen hat, als sie übermütig gegen ganz Europa und Asien zugleich vom Atlantischen Meere heranzog.” [57]

Im Folgenden und im Dialog Kritias wird eine Art bronzezeitliche Kultur beschrieben, mit einer durch Kanäle umrahmten Stadt, Pferderennbahnen und so weiter. An keiner Stelle lassen Platons Beschreibungen auch nur Ansatzweise den Schluss zu, Atlantis hätte irgendetwas mit dreiäugigen spirituellen Meistern oder ähnliches zu tun.

Diese Fantasien übernimmt Holey einfach von den Anthroposophen, ohne jegliche kritische Reflexion, ohne die Angaben mit Platon abzugleichen oder sonst irgendetwas.

Wer also ein wenig Quellenrecherche betreibt, stellt zweifellos fest, dass van Helsings Angaben selbst nur durch Ausblendung derselbigen historischen Quellen aufrecht zu erhalten sind und mit den tatsächlichen Sachverhalten nicht das Geringste zutun haben. Es handelt sich eindeutig um naive Fantasiekonstrukte.

Über dies hinaus spielte das Thema Atlantis in der rechten Ideologie schon von Beginn an einer wichtige Rolle. Schon 1922 und 1935 erschien ein Buch, indem hinter den Atlantern die Arier vermutet wurde und der Atlantis-Mythos mit der germanischen Sagenwelt verbunden wurde. [58]

In der Nachkriegszeit trat dann der norddeutsche Pastor Jürgen Spanuth mit seiner – bis heute populären – Atlantisthese an die Öffentlichkeit, laut der Atlantis bei Helgoland lag. Die Bücher erschienen im bekannten rechtsextremen Grabert-Verlag. [59]

Der Grabert-Verlag wurde 1953 von dem Alt-Nazi Herbert Grabert gegründet und publizierte verschiedene Titel in denen die Deutsche Kriegsschuld geleugnet wird, [60] aber auch Titel aus dem Bereich der alternativen Archäologie, in denen die Nordeuropäischen Völker als die überlegenen dargestellt werden und den Ägyptern zum Beispiel die Kultur gebracht haben sollen. [61] Das solche Thesen jeglicher Realität entbehren dürfte nach kurzer Überlegung klar werden, man vergleiche nur einmal die kulturellen Errungenschaften Nordeuropas im Neolithikum und der Bronzezeit mit denen Ägyptens. Weshalb sollten die angeblichen Kulturbringer aus dem Norden in der Fremde denn mehr bewerkstelligen als in der Heimat?
Teile von Spanuths Atlantisthese habe ich an anderer Stelle näher beleuchtet. [62]

Als ein weiteres Beispiel um zu verdeutlichen, wie viel von van Helsings Recherchen zu halten ist, von denen er ja selbst, wie schon erwähnt, behauptet, dass er sie so ernst nimmt, möchte ich seinen Umgang mit dem so genannten Sirius-Rätsel anführen, das in der Paläo-SETI-Forschung nach wie vor einen hohen Stellenwert genießt.

1976 veröffentlichte der Autor Robert K. G. Temple ein Buch, indem er auf dieses faszinierende Rätsel aufmerksam machte. Einer Veröffentlichung der beiden französischen Ethnologen Marcel Griaule und Germaine Dieterlen zufolge soll der afrikanische Stamm der Dogon, der im heutigen Mali sesshaft ist, ein geheimnisvolles Wissen von einem unsichtbaren Begleitstern des Sirius besitzen, dass diese von ihren Kulturbringern aus dem All, den Nommo erhalten haben, hinter denen eine außerirdische Intelligenz vermutet wird. Dieser unsichtbare Begleitstern wird außerdem trotz seiner geringen Größe als außerordentlich massenreich beschrieben. [63]

Tatsächlich wissen wir heute, dass der Sirius wirklich über einen, mit bloßem Auge unsichtbaren Begleitstern verfügt, den Sirius B. Bei diesem Stern handelt es sich um einen weißen Zwerg, eine erloschene Sonne. Nachdem diese ihren Brennstoffvorrat aufgebraucht hatte, kollabierte sie und “fiel in sich zusammen”, wodurch der Sirius B tatsächlich, trotz seiner geringen Größe, durch seine starke Komprimierung über eine gewaltige Masse verfügt.

Woher sollen die Dogon also dieses Wissen haben? Womöglich tatsächlich von Außerirdischen? Natürlich erregte dieser Fall Diskussion und eine bis Heute anhaltende Kontroverse. Eine ins Feld geführte Möglichkeit ist die, Missionare hätten den Dogon von Sirius B erzählt, Markus Pössel vertritt die These, dass dieses “Wissen” objektiv gar nicht existiert, sondern durch Suggestion in den Gesprächen mit den beiden Ethnologen quasi konstruiert wurde. [64]

Doch hier soll nicht das Für und Wider des Sirius-Rätsels behandelt werden, sondern die grundlegende Arbeitsweise eines Jan van Helsing verdeutlicht werden, sagt er doch zum Beispiel selbst:

“Der Bereich der Grenzwissenschaft und Spiritualität hat sich in den letzten Jahren leider zu einem richtigen Jahrmarkt entwickelt. Das ist eine Katastrophe. Daher ist jede Information doppelt zu prüfen bevor man sie letztendlich auch veröffentlicht.” [65]

Merkwürdig nur, dass er in “Hände weg von diesem Buch” mit keiner einzigen Silbe kritische Überlegungen hierzu nennt und die Aussagen Temples zu einem Fakt mutieren lässt. Nicht nur das, er dichtet auch noch Dinge hinzu, so würde die moderne Wissenschaft den Sirius B ja erst seit 1970 kennen und diese Entdeckung sei erst durch ein angeblich 1970 ins all geschossenes Weltraumteleskop der NASA möglich gewesen. [66]

Das ist natürlich grundlegender Unsinn, den Holey schon bei Temple selbst (den Helsing nicht einmal im Literaturverzeichnis führt) lesen hätte können, denn dieser erwähnt gleich zu Beginn seines Buches richtiggehend die Entdeckung des Sirius B durch Astronomen im 19. Jahrhundert. [67]

Tatsächlich hätte Holey quasi wahllos ein altes Astronomiebuch aufschlagen können, um die Wahrheit zu erfahren. In einem erstmals 1939 erschienen Buch zum Beispiel heißt es:

“Auch der Sirius ist ein Doppelstern, ja sein Begleiter ist besonders interessant…deren Dasein sich nur durch die leisen Pendelungen des hellen Sirius verriet, und genialerweise hatte der Astronom Peters in Königsberg um 1850 sogar den Ort, die Bahn dieses dunklen Begleiters errechnet. Da gelang erst den Amerikanern zehn Jahre später, mit einem neuen Riesenfernrohr das Gestirn aufzufinden…” [68]

Bleibt noch hinzuzufügen, dass diese “Pendelungen” des Sirius A durch die enorme Gravitation des Sirius B entstehen, die an dem Hauptstern “zerren”.

Ich möchte es den Lesern überlassen, sich die Frage zu stellen, ob van Helsing also einfach nur schlecht recherchiert und selbst die von ihm selbst verwendeten Quellen nicht richtig liest, oder ob er gar bewusst falsche Informationen streut, um die von ihm präsentierten “Rätsel” noch fantastischer zu erscheinen zu lassen.

Abschließend noch ein paar weitere kleine Beispiele, in denen er es unterlässt, seine Leser darauf aufmerksam zu machen, dass die benannten “Rätsel” auch kritisch gesehen werden, bzw. längst keine Rätsel mehr sind:

  • a) Er verweist auf das akkadische Rollsiegel VA/243, das sich in Berlin befindet, und auf dem angeblich unser Sonnensystem mit einem weiteren Planeten dargestellt ist, um zu beweisen, dass dieser Planet der Ursprung einer außerirdischen Rasse war [69] – leider vergisst er anzumerken, dass Dr. Marzahn aus Berlin schon längst darauf hingewiesen hat, dass sich durch mikroskopische Untersuchungen zeigte, dass es sich bei einigen der “Planeten” nicht um willentliche Bohrungen, sondern lediglich um Abplatzungen handelt und dass die Darstellung keineswegs den Mittelpunkt des Rollsiegels darstellt, sondern nur ein kompositorisches Element. [70]
  • b) An anderer Stelle verweist van Helsing auf Fußspuren von Menschen und Dinosauriern am Pauluxy-River in Texas, die in der gleichen geologischen Schicht gefunden wurden und den Schluss nahe legen würden, Mensch und Dinosaurier hätten zeitgleich gelebt. [71] Abermals unterschlägt er hier kritische Stimmen, die sogar von Kreationisten herrühren und die angeblich menschlichen Spuren nur als verwitterte Reptilienspuren identifizieren. [72]
  • c) Als letztes Beispiel sei noch auf den Abdruck eines Fotos hingewiesen, mit der Bildunterschrift:

    “Auf einer 7000 Jahre alten Felszeichnung aus Fergana, Usbekistan, sieht man zwei Wesen in Raumanzügen Und Finger-Handschuh. Im Hintergrund eine fliegende Untertasse” [73]

    Was hat es nun mit dieser, tatsächlich beeindruckenden Abbildung auf sich?

    Schon Erich von Däniken druckte sie (übrigens handelt es sich bei der kursierenden Abbildung nicht um das tatsächliche vermeintliche Felsbild, sondern um eine Zeichnung die nach dieser erstellt worden sein soll) in einigen seiner Bücher ab, allerdings von vorneherein mit dem Zusatz, dass dies unter Vorbehalt geschehe, da er die Echtheit nicht prüfen konnte, [74] und seine Zweifel waren nicht unbegründet.

    Die Darstellung stammt aus einer Ausgabe der Zeitschrift Sputnik und wurde tatsächlich extra für dieses Heft von dem Künstler angefertigt und entspringt seiner reinen Fantasie. [75]

Diese Liste ließe sich quasi noch beliebig erweitern, sollte aber in der Gesamtheit der hier geschilderten Sachverhalte und Fakten ausreichen, ein tatsächliches Bild von der Seriosität und Gesinnung Jan Udo Holeys zu erhalten. Es zeigt sich (und seine Literaturverzeichnisse bestätigen dies), dass er schlicht und einfach ungeprüft aus grenzwissenschaftlicher und rechter Literatur abschreibt und von Zeit zu Zeit noch durch unwahre Aussagen (siehe Sirius-Rätsel) ergänzt.

Damit erweist sich auch seine nach eigener Aussage so kritische Quellenprüfung als eine Falschaussage.

VI. Woher kommt der Erfolg seiner Bücher? Abschließende Reflexion

Abschließend soll noch einmal über die Frage reflektiert werden, wie es die Werke dieses Autors und seiner Mitschwimmer schaffen konnten, trotz ihres eindeutig rechtsextremen- und obendrein noch völlig hanebüchenen Inhalts zu solchen Erfolgen zu werden.

Immerhin ist sein 2004 erstmals aufgelegtes Buch “Hände weg von diesem Buch” inzwischen in van Helsings eigenem Verlag AmaDeus in der bereits 8. Auflage erschienen und verkaufte sich 120000mal! Ein Erfolg, von dem die meisten anderen Autoren nur träumen können, und im Internet wimmelt es in Diskussionsforen und auf Webseiten von Anhängern dieser Thesen.

Einen großen Anteil an dem Erfolg mag sicherlich in dem Verbotsantrag bezüglich der ersten beiden Bücher Holeys liegen, die ihn quasi zu einem Mythos und Märtyrer machten. Von Anfang an verstand er es hierbei, aus der Not eine Tugend zu machen und sich selbst in die Rolle des Aufklärers zu versetzen, dessen Wahrheiten unterdrückt werden sollen.

Doch dies allein ist es nicht, vielmehr schafft van Helsing es, den Menschen ein vollständiges Weltbild zu liefern, dass sie quasi in die Position von Insidern rückt, wie wirklich wissen, was in der Welt gespielt wird. Eine so umfassende Verschwörungstheorie schafft es gleichfalls, den Menschen die Verantwortung aus den Händen zu nehmen, schließlich ist es ja demnach nicht unsere Schuld, weshalb es so viel Leid und Elend gibt, nein, die bösen Mächte sind Schuld an alledem, und um auch noch einen Sündenbock zu haben, liefert Holey die Übeltäter gleich mit – die jüdische Hochfinanz.

Doch auch darüber hinaus bieten seine Bücher den Lesern noch mehr, sie bieten in einer komplexen Verquickung von grenzwissenschaftlichen Ideengut und esoterischen Fantasien auch gleich eine Art Heilserwartung oben drauf, vermitteln das Gefühl eines Sinns im Leben, und das ganze ohne Hass, wie Holey immer wieder versichert. Dass er tatsächlich doch Hass schürt, wird jeder bemerken, der sich mal mit Menschen unterhält, die vom “Helsing-Virus” infiziert sind. Möglichkeiten hierzu bieten sich häufig auf grenzwissenschaftlichen Vortragsveranstaltungen, wie etwa dem Treff für Grenzwissenschaften im bayrischen Regen, wo es vor Anhängern van Helsings nur so wimmelt, wie ich selbst vor einigen Jahren erfahren konnte.

Ein weiterer Faktor wird einfach die Präsenz dieser Thesen in der grenzwissenschaftlichen Szene sein, so sind viele bereits auf das lukrative Pferd aufgesprungen, der Kopp-Verlag, der sich in den letzten Jahren quasi schon fast zum Monopolisten für grenzwissenschaftliche Literatur empor geschwungen hat, bringt in regelmäßigen Abständen neue Bücher zur Weltverschwörung, den Naziufos, Neuschwabenland und so weiter auf dem Markt, Johannes G. Holey, der Vater von Jan Udo Holey, betreibt mit Secret.tv einen eigenen Online-TV-Sender und in populären grenzwissenschaftlichen Zeitschriften wie dem “Magazin2000″ von Ingrid Schlotterberg finden wir Artikel über die Reichsflugscheiben. In Luc Bürgins “Mysteries” sogar ein Interviews mit van Helsing, bei dem man ganz klar zu dem Schluss kommen kann, in den Büchern würden sich gar keine rechten Inhalte finden lassen. [76] Von kritischem Journalismus also keine Spur.

Selbst die Bildzeitung verbreitet die Ideen der Neuen echten und brachte 2004 als plakative Schlagzeile “Hitler ließ heimlich Ufos bauen” und führte die Irrlehren in einem Artikel aus. [77]

Was hier betrieben wird ist ein widerliches Geschäft, bei der die Neue Rechte der große Gewinner ist und es schaffte, ihre rassistische und dumme Ideologie brühwarm und gut versteckt hinter esoterisch- und grenzwissenschaftlichen Ideengut unter das Volk zu bringen, sowie Verlegern die sich ein Stück vom braunen Kuchen abschneiden und denen es primär ums Geld zu gehen scheint.

Ein verbrecherisches Regime, dass es sich auf die Fahne geschrieben hat, eine ethnische Säuberung durchzuführen und dabei 6 Millionen Menschen in Konzentrationslager zu töten und die Welt in einen umspannenden Krieg gerissen hat, zu heroisieren und ihre Hauptakteure zu spirituellen Heiligen zu erklären, die nur Gutes wollten, ist eine bodenlose Frechheit und eine Verhöhnung der Opfer dieser Verbrechen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass dieser Trend sich nicht weiter fortsetzt, dass die Leser/innen den wahren Charakter dieser Schriften erkennen und sich ggf. selbst einmal die Mühe machen, nachzurecherchieren, was hinter den aufgestellten Behauptungen wirklich steckt, nämlich rassistisches Ideengut und Geschichtsverfälschung.

Fußnoten

[1] vgl. Helsing 2008, S. 18
[2] vgl. zum Beispiel Siebenhaar 1995 u. Marzahn 1995
[3] vgl. Helsing 1993, S. 307 ff.
[4] vgl. a.a.O., S. 49
[5] vgl. a.a.O., S. 106 f.
[6] vgl. a.a.O., S. 108 f.
[7] vgl. a.a.O., S. 118 f.
[8] vgl. Schröm 1998 in: http://www.zeit.de/1998/23/esoterik.txt.19980528.xml?page=1 Gesichtet am 1.03.2009
[9] vgl. Meining (o.J.), www.verfassungsschutz.thueringen.de/infomaterial/symposien/2002/Meining.pdf
[10] vgl. zum Beispiel Bundesamt für Verfassungsschutz 2005, S. 10 ff in: http://www.verfassungsschutz.de/download/SHOW/broschuere_0511_2_antisemitismus.pdf gesichtet am 01.03.2009
[11] vgl. Helsing 1995, S. 98
[12] vgl. a.a.O., S. 101 f.
[13] vgl. a.a.O., S. 111 f.
[14] vgl. Holey 1999
[15] Helsing 2008, S. 16
[16] Helsing 1993, S. 119
[17] Zit. N. Hofer 1957, S. 32 f.
[18] Zit. n. a.a.O. S. 32 f.
[19] vgl. Zentner (o. J.), S. 143 ff.
[20] vgl. Ditfurth 2008, S. 33 f.
[21] vgl. Zentner (o. J.), S. 151
[22] vgl. Heroven; Wolff 2000, S. 29 f.
[23] Zit. n. Hofer 1957, S. 34
[24] Zit. n. a.a.O. S. 34 f.
[25] vgl. Sterntorverlag (o. J.)
[26] vgl. Landig http://video.google.de/videoplay?docid=3308764835956926416
[27] vgl. a.a.O. ab Minute 36
[28] vgl. Brugger 2002 S. 182-185
[29] vgl. Däniken 1977, S. 170 – 177
[30] vgl. Nehberg 2004
[31] vgl. Messner 2006, S. 188 ff.
[32] vgl. Zentner (o. J.), S. 143 ff.
[33] vgl. Stamm 1998, S. 75 ff.
[34] Speer 1969, S. 108
[35] vgl. ebd.
[36] a.a.O. S. 109
[37] vgl. Gehring; Rothkugel 2001 und Epp 2002
[38] vgl. (a.a.O.) 1953, S. 1350 ff.
[39] vgl. (a.a.O.) 1950, S. 35
[40] Epp berichtet sowohl in seinem Buch 2002, als auch in einem Videointerview Sternentorverlag (o. J.) (2) ausführlich von seinen angeblichen Konstruktionen
[41] vgl. Epp2002, S. 98 ff.
[42] vgl. a.a.O. S. 126 ff.
[43] vgl. Jugend forscht 2003 https://www.jugend-forscht.de/index.php/projectsearch/detail/6038.1389
[44] vgl. (o. A.) http://www.fliegerweb.com/militaer/flugzeuge/lexikon.php?show=lexikon-457 (o. J.) auch Gerhardt 2009 http://ufo-meldestelle.blog.de/2009/02/14/hitlers-nazi-ufos-ausgestellt-5571908/
[45] vgl. Landig 1971, 1980, 1991, Helsing zitiert ihn wörtlich in Helsing 1995, S. 234
[46] vgl. Fischinger; Horn 1999, S. 24 f.
[47] (o. A.) 1998, S. 7 f.
[48] A.a.O., S. 16
[49] vgl. Leithäuser 1962, S. 426
[50] vgl. Byrd 2006, S. 210 ff.
[51] vgl. Helsing 1993, S. 108 f.
[52] vgl. Helsing 2004, S. 70 ff.
[53] Herodot 1971, S. 265
[54] Diodoros, Buch 2 1992, S. 183
[55] vgl. Wogawa 2003 http://www.mysteria3000.de/wp/?p=117
[56] vgl. ebd.
[57] Löwenthal 1969, S. 103
[58] vgl. Zschaetzsch 2008
[59] vgl. Spanuth 1998
[60] vgl. Pfahl-Traughber 1995, S. 114 ff.
[61] vgl. Braasch 1997
[62] vgl. Kramer 2006 http://www.mysteria3000.de/wp/?p=203
[63] vgl. Temple 1996, S. 375
[64] vgl. Pössel 2002, S. 63 ff.
[65] vgl. Helsing 2008, S. 18
[66] vgl. Helsing 2004, S. 152
[67] vgl. Temple 1996, S. 22
[68] Bürgel 1949, S. 441
[69] vgl. Helsing 2004, S. 11 ff.
[70] vgl. Marzahn 1995 (1), S. 224 ff. und Marzahn 1995 (2), S. 527 ff.
[71] vgl. Helsing 2004, S. 82 f.
[72] vgl. Scherer, Wiskin 1986 http://www.wort-und-wissen.de/disk/d86/1/d86-1.pdf
[73] Helsing 2004, S. 120
[74] vgl. Däniken 1993, S. 75 f.
[75] vgl. Dendl 1997, S. 305
[76] vgl. Helsing 2008, S. 17. Das Interview ist einzusehen unter: < href=”http://www.secret.tv/artikel4973780/Interview_mit_Jan_van_Helsing_MysteriesMagazin”>http://www.secret.tv/artikel4973780/Interview_mit_Jan_van_Helsing_MysteriesMagazin
[77] Michalski 2004

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