Die Hopi, White Bear und die Kontinuität von Überlieferungen

von André Kramer

Bei den Hopi handelt es sich um eine den Pueblo zugeordnete Indianergruppe die in Arizona lebt und aufgrund ihrer Überlieferungen eine große Aufmerksamkeit in der Paläo-SETI erhielt. Andre Kramer geht in seinem Artikel der Frage nach, ob es bei den Hopi einer kontinuierliche, mündliche Überlieferungstradition gibt, oder ob ihre Überlieferung Fremdeinflüssen, Verfälschungen und Interpretationen unterlegen ist.

Über die Hopi wurde in den letzten Jahrzehnten viel publiziert, allen voran das “Buch der Hopi” von Frank Waters. Das wir relativ viel über die Überlieferung der Hopi zu wissen glauben, liegt sicherlich auch an dem Engagement des Häuptlingsneffen “White Bear”, der hier eine Menge Öffentlichkeitsarbeit geleistet hat und viel zu berichten wusste.

Das Beispiel der Hopi-Überlieferungen lässt hierbei Fragen aufkommen, vor allem bzgl. der Kontinuität mündlicher Überlieferungstraditionen und darüber, ob eine solche überhaupt “unverfälscht” die Generationen überstehen kann oder doch Fremdeinflüssen, Verfälschungen und Interpretationen unterlegen ist. Dieser Fragestellung soll sich hier im Kontext der Paläo-SETI-Diskussion und den Aussagen von White Bear angenähert werden.

2. Die Hopi

Die Bezeichnung Pueblo-Indianer leitet sich aus der spanischen Bezeichnung für Dorf ab. Diese Begrifflichkeit wurde von den Spaniern aufgrund der charakteristischen Siedlungen der Indianer des Südwestens gewählt.

Die Pueblos entstammen der Anasazi-Kultur, die bekannt für ihre um 1300 n. Chr. in den Fels angelegten Siedlungen bekannt sind. Die Hopi, dessen Sprache aus dem uto-aztekischen stammt, ordnet man hierbei den westliche Pueblo zu, ebenso wie die im selben Raum lebenden Navacho und Zuni. [1]

Die Hopi zeichnete schon immer aus, trotz der trockenen und kargen Landschaft Arizonas in der sie leben, erfolgreich Ackerbau zu betreiben. Durch geschickte Selektion sind hierbei auch unterschiedliche Maisarten gelungen, die sie anbauen.

Sie verfügen über einen weitreichenden religiösen Riten- und Mythenschatz, der aber seit dem späten 19. Jahrhundert zunehmend gefährdet ist. Firmen die in den Lebensräumen der Hopi Rohstoffe fördern wollten und die christliche Missionierung (vor allem durch die Mormonen) führten zur Spaltung der Hopi in 2 Lager. Die einen, die Fortschrittlichen, lassen Einflüsse von außen durchaus zu und beteiligen sich auch an dem von der Regierung der USA in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts eingerichteten Stammesrat, der durch Vertreter der verschiedenen Dörfer gestellt wird.

Die Traditionalisten hingegen wehren sich gegen derlei Einwirkungen von außen und berufen sich darauf, die ursprünglichen Stammestraditionen fortsetzen zu wollen (was indes unmöglich ist, denn das Priesteramt darf bei den Hopi nur durch hierzu legitimierte Personen weitergegeben werden. [2] Sich also selbst zu einem religiösen Vertreter zu ernennen, ist schon ein Bruch mit der Tradition).

In der Zeitung des Hopi-Stammessrats wird unterdessen noch eine weitere Gruppe genannt, nämlich die in den Dörfern tatsächlich amtierenden Priester. Diese gehören können aus jeweils einem der beiden Lager stammen und werden folglich fraktionsübergreifend als die tatsächlichen Wahrer der Hopi-Kultur bezeichnet. [3]

3. Die Überlieferung der Hopi aus dem “Buch der Hopi”

Das wohl umfangreichste Werk, das die Mythenwelt der Hopi behandelt, dürfte Frank Waters “Buch der Hopi” sein. Waters lebte 3 Jahre im Hopi-Reservat und sammelte die Aussagen und Überlieferungen von etwa 30 Stammesangehörigen unterschiedlicher Clans.

Die Geschichte der Hopi begann der eigenen Überlieferung nach auf der ersten Welt – Topkela – in der nur der leere Raum und der Schöpfer Taiowa existierten. Dieser schuf Sotuknang. Dieser wiederum schuf im Auftrag Taiowas 9 Welten, 2 für die beiden Schöpfer und 7 Welten des Lebens. [4]

Doch da die auf der ersten Welt geschaffenen Menschen mit der Zeit vergaßen, ihren Schöpfer zu ehren und anfingen zwischen sich und den Tieren zu unterscheiden, entschied Sotuknang die Welt zu zerstören und schickte vorher eine Reihe von auserwählten, tugendhaften Menschen auf eine Wanderung. Hierbei wurden diese Tagsüber von einer Wolke und des Nachts von einem Stern geführt, bis sie zu einem großen Ameisenhügel gelangten. [5] In diesem sollten sich die Menschen verstecken und unterdessen wurde die Welt durch Feuer aus Vulkanen und aus dem Himmel zerstört.

Doch auch die Menschen der neu gestalteten zweiten Welt, Topka, wurden mit der Zeit gierig und bekriegten sich untereinander. Einmal mehr versteckten sich die Auserwählten unter der Erde, während diese anfing zu taumeln, Katastrophen über das Land hereinbrachen und die Welt schlussendlich einfror. [6]

Was folgte, war Kuskurza, die dritte Welt, auf der die Menschen sich weit ausbreiteten und große Kulturen schufen. Den göttlichen Plan vergaßen sie dabei aber und die Menschen wurden aufs Neue gewalttätig, bauten gar einen fliegenden Schild aus Fell, von welchem aus sie andere Menschen angriffen. [7]

Also wurde auch diese Welt wieder zerstört. Die Auserwählten wurden dabei in die Stängel von Pflanzen gesteckt, während Wasser alles um sie herum zerstörte. Dies führte zur Schaffung der gegenwärtigen, vierten Welt, die Tuwaqachi genannt wird. Diese ist nicht so schön, wie die Welten zuvor und dieses Mal sollten die Menschen Hilfe durch gutartige Geister – Kachinas, bekommen.

Dabei bekamen die einzelnen Clans die Aufgabe, eine große Wanderung durchzuführen, bevor sie, ihre ihnen zugeteilte Heimat findend, sich niederlassen sollten. Hierzu wurden jedem Clan Holztafeln und Weisungen überreicht.

Die weiteren Überlieferungen berichten von den Wanderungen der einzelnen Clans, wie einige von ihnen scheiterten, Konflikte die auftraten und so weiter, bin in die Zeit der Ankunft der Spanier und später der Engländer, sowie der Niederlassung in ihrem heutigen Wohnsitz in Oraibi.

Doch ist dies noch nicht die letzte Welt gewesen und die Hopi erwarten, noch auf drei weiteren Welten zu leben.

4. Die Überlieferung der Hopi in der Paläo-SETI

In der Paläo-SETI-Forschung werden die Überlieferungen der Hopi als mögliches Indiz für These angesehen, Außerirdische hätten als Lehrmeister für die Menschen gedient.

So werden hier die Kachinas als diese hypothetischen Außerirdischen gedeutet, die fliegenden Schilde als Raumschiffe und Erich von Däniken sieht in den oben beschriebenen Mythen von verschiedenen Welten einen Hinweis darauf, die Vorfahren der Hopi hätten, bevor sie auf die Erde kamen, verschiedene andere Planeten bewohnt. [8]

Letztere These ist im direkten Vergleich mit den Überlieferungen der Hopi besonders schwer zu vertreten, schließlich sprechen diese nicht davon, sie wären in irgendeiner Form auf verschiedenen Welten gelandet, sondern, dass die Auserwählten vor der Zerstörung der jeweils alten Welt, sich in einem Ameisenhaufen unter der Erde versteckten, während die Oberfläche zerstört und dann umgestaltet wurde. [9]

Die umfangreichste Arbeit über die Hopi im Kontext der Paläo-SETI stammt von Josef Blumrich, der zu diesem Zweck White Bear, der auch an dem “Buch der Hopi” mitwirkte, als Chronisten der Hopi-Überlieferungen heranzog und dessen Ausführungen seinen eigenen voran stellte. Auch hier stoßen wir auf große Diskrepanzen und “Umdeutungen” im Vergleich zu den Daten aus dem “Buch der Hopi”.

Es bleibt also die Frage bestehen, wie viel Anteil die Bearbeitung von White Bears Aussagen durch Blumrich hier eine Rolle spielt. Schließlich, so Blumrich, sei es seine Aufgabe gewesen, den Inhalt in eine gut lesbare Form zu bringen und auch Beispiele zu besseren Verständnis zu bringen. [10]

Denn erstaunlich erscheint es schon, mit welch einer Selbstverständlichkeit hier interpretierende Begriffe in die Mythenbeschreibungen einfließen. Die Zerstörung von Welt 3 [11] durch Wassermassen führt hier wie selbstverständlich zu einer Gleichsetzung der dritten Welt mit Atlantis. [12] Ebenso, wie die Aussage, man hätte schon lange vor deren modernen Erfindung, Düsenflugzeuge gekannt [13] und, dass es sich bei den Kachinas um Wesen von fremden Planeten handeln würde. Diese Planeten würden laut White Bear in Hopi als Toonaotakha bezeichnet werden, was sinngemäß heißen würde, dass sie auf geistiger Ebene eng zusammen gehören. Dem folgt dann eine zusammenfassende Übersetzung und White Bear gibt an, den Begriff deshalb mit “Bund der zwölf Planeten” übersetzen zu können. [14]

4.1 Zur Deutung der Kachinas

Die Deutung der Kachinas nimmt in der Paläo-SETI einen entsprechend breiten Raum ein. In diesem Zusammenhang ist also die Frage zu stellen, was denn unter diesen eigentlich zu verstehen ist? “Himmlische Lehrmeister” [15] oder doch Toten- und Naturgeister? [16] Däniken scheibt an anderer Stelle, sich auf White Bear stützend:

“Die Katchinas waren körperliche Wesen von einem fernen Planeten…” [17]

Die Beschreibungen der Kachinas bei Waters, sprechen im Grunde gegen Dänikens Aussage, wenn auch gewisse Ambivalenzen bleiben. So erfahren wir zum Beispiel:

“Ein Kachina ist ein Geist irgendeiner Art – ein Stern, Berg, Planet, Tier oder eine unsichtbare Kraft. So wird auch der Mann, der den Geist während der Zeremonien verkörpert, der dessen heilige Maske und seine Tracht trägt, von der Macht dieses Geistes erfüllt.” [18]

Folgen wir Waters Ausführungen an anderen Stellen weiter, so zeigt sich, dass die Kachina sehr differenzierte Rollen einnehmen, die womöglich sowohl über die Vorstellungen von Naturgeistern, als auch über körperliche Wesen hinausgehen.

Ausgesandt wurden sie den Mythen nach, um den Menschen auf der vierten Welt zur Seite zu stehen. Dies konnten sie auch, indem sie die Gestalt von normalen Menschen annahmen und so den Kachina-Clan bildeten. [19]

Als es zu einem Krieg mit anderen Clans kommt, ergreift eine Kachina-Frau – ganz hochtechnologiefern – dann auch Pfeil und Bogen um die Stadt zu verteidigen. [20]

Die Kachinas verhelfen darauf hin den anderen Clans zur Flucht und merken an:

“für uns ist die Zeit noch nicht gekommen, zu unseren weit entfernten Planeten und Sternen zurückzukehren.” [21]

Das scheint auf dem ersten Blick die Annahme der Paläo-SETI zu stützen, hier konkrete Raumfahrer zu bestätigen, doch schon kurz darauf widerspricht eine wörtliche Wiedergabe der Kritik von Reinhard Prahl, der die Definition der Kachinas als Geistwesen als reine Interpretation von Seiten der Anthropologen allgemein und Waters speziell ansieht und dass diese Definition nicht die Worte der Hopi seien. [22]

Dann heißt es nämlich:

“Und nun etwas anderes. Wir sind Geistwesen und werden niemals mehr von eurem Volk gesehen werden. Aber ihr sollt euch an uns erinnern, und zwar dadurch, daß ihr unsere Masken und Trachten zur rituell gebotenen Zeit anlegt. [23]

Der Charakter der Kachinas als Naturgeister die den Menschen wohltuend zur Seite stehen wird auch später noch deutlich, etwa wenn es heißt, dass sie jedes Jahr Segen von ihren Sternen, Welten und Planeten brachten und in Folge Das Gras knie hoch wuchs und es Wild im Überfluss gab. [24]

In der Gesamtschau löst sich auch die Ambivalenz zwischen Geistwesen und körperlich manifesten Wesen etwas auf. In der Überlieferung der Hopi werden die körperlich auftretenden Kachinas – die hierzu in die Körper anderer Wesen geschlüpft sind, in die “mythische Zeit” verbannt. In eine nicht genau bestimmte Zeit, verschwinden als tatsächliche Manifestationen aus der vierten, der jetzigen Welt und wirken, animiert durch die korrekt ausgeführten Rituale und Tänze und spenden Segen zum Beispiel durch gute Ernten und Wild.
Eine tatsächliche Legitimation für die These dass es sich diesen Wesen um außerirdische Raumfahrer handelt vermag man bei Betrachtung der Mythen der Hopi nicht erkennbar, auch nicht bzgl. der angeblichen Raumfahreraspekte die angeblich die zum Beispiel in Form von Puppen dargestellten Kachinas aufweisen sollen. [25]

Abbildung Nr. 1: Moderne Kachinapuppe (Sammlung: André Kramer)

Vielmehr als angebliche Raumfahrerhelme und ähnliches, weisen diese Darstellungen Aspekte der Funktion des jeweiligen Kachinas bzgl. der Lebenswelt der Indianer auf. Obige, moderne Figur weist zum Beispiel offensichtlich ein Tiergebiss auf. Andere Darstellungen korrelieren deutlicher mit der Natur des jeweiligen Kachinas, etwa der Bienenkachina Momo. In entsprechenden Kostümen gekleidet werden bei rituellen Tänzen sogar die Summgeräusche dieses Kachina nachgeahmt. [26]

Abbildung Nr. 2.: Ausschnitt aus einem Doppelbildnis des Bienenkachina Momo (Zeichnung: André Kramer nach Burland 1970)

Insgesamt liegen über die Anzahl unterschiedlicher Kachinas lediglich Schätzungen durch Zählungen einzelner Forscher vor, die zu dem Schluss kommen, dass es etwa 250 verschiedene Kachinas gibt. Ihre häufige Natur als Naturgeister zeigt sich auch darin, dass sie vornehmlich als Regengeister bei rituellen Tänzen dargestellt werden, was in Anbetracht der Trockenheit der Region in der die Hopi beheimatet sind, unschwer zu verstehen ist.

Ein Punkt der die Deutung der Paläo-SETI, an den äußerlichen Attributen der Kachina-Darstellungen Hinweise auf mögliche technische Merkmale zu erkennen, widerspricht, ist die Tatsache, dass diese Darstellungen sich noch heute im Wandel befinden.

Die möglicherweise älteste Darstellung eines Kachina und des Werdens des Kachina-Kultes, könnte dabei ein so genannter Protokachina sein, den man im Gila-Areal in Arizona fand und der auf das 14. Jahrhundert datiert. [27]

Die Kachina-Mythen- und Tänze stellen augenscheinlich in ihrer Ausprägung eine Entwicklung dar und ändern sich noch heute, angeregt durch die Kunstsammler und Museen, für die noch heute entsprechende Darstellungen durch die Künstler der Hopi angefertigt werden.

Doch die Paläo-SETI führt als weiteres Indiz die Beschreibung von fliegenden Schilden, die in diesem Kontext dann als Flugapparate gedeutet werden.

4.2 Die fliegenden Schilde der Hopi

Folgt man den Ausführungen von White Bear in “Kasskara und die sieben Welten”, dann existieren bei den Hopi angeblich die Vorstellungen von fliegenden Apparaturen technologischen Ursprungs.

Laut White Bear benötigten die Kachinas Flugkörper für ihre Reise zur Erde, und er erwähnt zum Beispiel ein Objekt mit der Bezeichnung Páatoówa, was bedeutet, “das Objekt, das über Wasser fliegen kann” und weiter, dass es wegen seiner Form auch als fliegendes Schild bezeichnet wird. [28]

Folgt man den Erwähnungen der fliegenden Schilde bei Waters, dann zeichnet sich abermals ein etwas anderes Bild.

In der dritten Welt Kuskurza, die bei Blumrich Kasskara genannt und mit Atlantis gleichgesetzt wird, tauchen diese “Flugobjekte” erstmals auf. Durch den schlechten Einfluss einer bösen Frau bauten die Menschen dort ein solches fliegendes Schild [29] aus Fell und ließen es mithilfe ihrer “Zeugungskraft” fliegen und griffen eine Stadt an. Was in Folge dazu führte, dass auch andere Menschen diese Schilde bauten und es so zu Kriegen und Gewalt kam. Das führte dann auch zur Zerstörung der dritten Welt durch Wasser. [30]

Teilweise heißt es auch, sie wären aus Baumwollstoff angefertigt. [31]
Demnach waren es also keine technologischen Transportmittel für die Kachinas um von fremden Sternen zu uns zu gelangen. Auch an anderen Stellen tauchen diese fliegenden Schilde wieder auf.

Laut einer Erzählung in der verschiedene Jünglinge ein schönes Mädchen umwarben, kam es zu einem Wettlauf zwischen den zwei verbliebenen Anwärtern auf ihre Hand. Beide Kontrahenten verwendeten unerlaubt verschiedene Zaubertricks um den anderen zu besiegen. Der junge vom Schwalbenclan verwandelte sich in eine Schwalbe um zu siegen.

Der Junge vom Clan der Coyoten wendete daraufhin einen anderen Trick an. Mittels Zauberkraft erschuf er aus einer Baumwollschnur und der Schale eines getrockneten Flaschenkübisses einen taweyah, einen magischen Schild mit dem es ihm möglich war, durch die Luft zu fliegen, indem er in die eine Hälfte der Schale kroch, die andere über sich stülpte und das Fahrzeug lenkte, indem er an der Schnur zog. [32]

5. Unverfälschte Überlieferungen oder nicht?

Es stellen sich nun einige Fragen, die sich aus den unterschiedlichen Ambivalenzen ergeben, die ein Vergleich der Ausführungen bei Waters und bei Blumrich ergeben haben.

Wie erklärt die Paläo-SETI die offenkundigen Widersprüche zu einer “technologischen Deutung” der Überlieferungen der Hopi-Indianer und wie verfälscht oder unverfälscht sind derlei Überlieferungen, ob nun nur mündlich oder auch schriftlich überliefert?

Interessanterweise wird bei der Betrachtung alter Überlieferungen in der Paläo-SETI häufig immer so argumentiert, wie es gerade gebraucht wird.

Denn, anstatt tatsächlich methodische Herangehensweisen zu nutzen, wie sie bereits in der Wissenschaft angewendet werden (etwa hermeneutische Verfahren) oder spezifisch eigene zu erarbeiten, wird häufig einfach die Assoziation als Begründung angewendet, einen Text oder eine Darstellung zu deuten. Inneren Widersprüchen, wie den oben aufgezeigten, wird dadurch begegnet, dass die Überlieferungen im Laufe der (häufig unbestimmten) Jahrhunderte oder gar angenommenen Jahrtausende verfälscht wurden und deshalb nur der präastronautisch gedeutete Kern bleibe. [33]

Im Fall der Hopi-Überlieferungen hingegen, wird eine völlig andere Argumentation angewendet. Es wird darauf verwiesen, dass man mit White Bear schließlich einen Eingeweihten aus Reihen der Hopi als Gewährsmann hätte und er die Deutung der Paläo-SETI unterstützen würde.

Dem Klappentext von Blumrichs Buch nach wurde Oswald White Bear Fredericks 1905 in dem Hopi-Reservat Old Orabi in Arizona geboren und studierte später in Kansas vergleichende Religionswissenschaften.
Schon hier finden wir entsprechende Einflussfaktoren, die seine Erzählungen geprägt haben können und dies offensichtlich auch taten. Seine Verwendungen von Begriffen wie Atlantis oder Vergleiche mit Raketen etc. sind schließlich keine Wiedergaben, sondern Assoziationen und Interpretationen, die aus dem Fundus internationaler Tradierung stammen.

Während wissenschaftliche Interpretationen immer Regel geleitet sind und transparent ihre Herangehensweise aufzeigen müssen, beruht diese Form der Interpretationen auf reinen Vergleichen. So kommt die Assoziation der dritten Welt mit Atlantis natürlich daher, dass diese Welt durch Wasser zerstört wird, was sicherlich entfernt daran denken lässt, dass auf Platons sagenumwobene Kultur, die er in den Dialogen Kritias und Timaios beschreibt, durch Flutwellen zerstört wurde. Weitere Ähnlichkeiten bestehen unterdessen aber nicht und eine tatsächliche Gleichsetzung zwischen Kuskurza (Kasskara) und Atlantis erscheint ausgeschlossen.
Doch schon die Überlieferungen der Hopi an sich, und das ohne die modernen Deutungen durch White Bear weisen Aspekte auf, die für eine Veränderung des Sagengutes im Laufe der Jahrhunderte sprechen. Ein deutliches Beispiel hierfür erscheint mir zu sein, dass die ausgewählten Menschen auf ihrer Wanderung am Tage von einer Wolke und bei Nacht von einem Stern geleitet wurden. Die Ähnlichkeit zu Wanderung der Israeliten unter Moses und dem Stern von Bethlehem ist offensichtlich.

In den Überlieferungen der Hopi heißt es vor Zerstörung der ersten Welt:

“Auf diese Welse verschwanden überall auf der Welt die auserwählten Menschen aus ihren Häusern und Familien und begannen bei Tag der Wolke und bei Nacht dem Stern zu folgen.” [34]

Im zweiten Buch Mose heißt es im Vergleich:

“Der Herr zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein. Die Wolkensäule wich bei Tag nicht von der Spitze des Volkes und die Feuersäule nicht bei Nacht.” [35]

Und im Evangelium des Matthäus heißt es zur Geburt Jesu, Sterndeuter hätten die Geburt des Königs der Juden durch einen aufgehenden Stern erkannt. Und so folgen sie diesem:

“Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.” [36]

Nur zufällige Ähnlichkeiten? Gar ein Hinweis darauf, dass es so etwas wie eine gemeinsame Urüberlieferung gibt? Die Erklärung ist wahrscheinlich viel einfacher.

Neue Kultureinflüsse verändern häufig eigene Tradierungen und ergänzen diese durch diese neuen Einflüsse. Dies besonders im Falle mündlicher Überlieferung, wie schon Assmann feststellt. [37] Beispiele hierfür finden wir zum Beispiel auch in den Cargokulten Melanesiens, wo es im Zuge der Revitalisierungsbewegungen (Rückbesinnung auf die alten kulturellen Werte) auch zu einer Vermischung mit christlichen Motiven kam. Etwa in einem von 1943 bis 1945 bestehenden Kult auf Neuguinea, der in Steinbauers Katalog der Cargokulte die Nummer 120 hat und in dem die Ankunft von Jesus erwartet wurde. [38]

Und bei den Hopi sind diese christlichen Einflüsse tatsächlich vorhanden, schließlich werden sie diesen seit Jahrhunderten immer wieder ausgesetzt und unter den Hopi leben heute viele konvertierte Christen. Auch White Bear ist praktizierender Christ. [39]

Kritik an White Bear als Informant, gar Experte für die Geisteswelt der Hopi wurde in der Wissenschaft immer wieder laut. Es wird darauf hingewiesen, dass dieser als Mitglied der Traditionalisten einer bestimmten Denkrichtung angehört und somit auch keine objektive Darstellung gibt, zumal er kein initiiertes Geheimbund-Mitglied war und von den Hopi auch nicht zu einem wie auch immer gearteten Sprecher für ihre Belange ernannt wurde. [40]

Geertz hat wohl die umfangreichste Kritik an dem Wirken White Bears (und damit auch den Büchern von Waters und Blumrich) angebracht. Demnach ist er lediglich der Neffe eines Hopi-Häuptlings und nicht wie in der Paläo-SETI hier und da behauptet wird, Häuptlingssohn oder gar Häuptling. Bei Waters wird noch richtiggehend von Neffen des (zu dieser Zeit schon verstorbenen) Häuptlings von Oraibi gesprochen, [41] bei Prahl ist er der Sohn eines Häuptlings [42] und bei Fiebag ist von Häuptling die Rede. [43]

Außerdem habe er im Reservat nie ein religiöses Amt inne gehabt und sich selbst zum Experten für die Religion der Hopi ernannt, da er sich dazu vom Schicksal berufen fühlt, während die Hopi allgemein sein Wirken sehr kritisch sehen. [44]

Während Blumrichs Buch von ihm und anderen Fachwissenschaftlern inhaltlich und methodisch als “vom fachwissenschaftlichen Standpunkt aus wertlos…dabei voll von ungezügelten Dilletantentum” [45] wimmelnd bezeichnet wird und Geertz anmerkt: “warum ein ehemaliger, mit Stahlkonstruktionen beschäftigter NASA-Angestellter die Kompetenz zur Erforschung eines Eingeborenenvolkes haben soll, ist mir unerfindlich,” [46] bezieht sich seine Kritik an dem Buch von Waters vor allem auf die Methodologie, da es bei der Beschreibung der Mythen zum einen auf zum Teil nicht legitime Informanten (White Bear) zurückgeht, es keinen wissenschaftlichen Anhang gibt, also die nötige intersubjektive Überprüfbarkeit fehlt, die Mythen nicht auch in der Sprache der Hopi vorgelegt werden (mögliche Übersetzungsfehler) und allem voran, dass hier der Versuch vorgelegt wird, eine einheitliche Hopi-Religion darzustellen, die in Wahrheit aber gar nicht existiert. [47]

Schon deshalb sollten die Aussagen von White Bear nicht so kritiklos hingenommen werden, wie es in der Paläo-SETI gerne getan wird. Prahl zum Beispiel gibt an:

“Dieser soll zur Zeit der Entstehung von ‘Kasskara und die sieben Welten’ der letzte gewesen sein, der über ein großes Wissen über die Legenden seines Volkes verfügte.” [48]

Diese Aussage kann schon deshalb nicht stimmen, weil die höheren religiösen Wahrheiten in den Geheimbünden gelehrt werden. Ein Wissen, zu dem White Bear nie Zugang hatte.

Ein weiterer Fehler- und Kritikpunkt, der ebenso die Arbeit von Waters betrifft, ist der Versuch ein einheitliches religiöses Bild der Hopi zu zeichnen. Es ist nämlich darauf hinzuweisen, dass das mythologische Gesamtbild bei den Hopi in den unterschiedlichen Clans und Pueblos zuweilen stark differieren kann. So etwas wie “ein” religiöses Weltbild der Hopi existiert also gar nicht. [49]

Das wird auch schon bei Waters deutlich, erwähnt er doch in der Einleitung, dass die Aussagen seiner Hopi-Gesprächspartner einander durchaus bzgl. des mythologischen Inhalts widersprachen. [50]

6. Fazit

Es bleibt also festzuhalten, dass der Umgang mit dem Glaubensgut der Hopi-Indianer von Seiten der Paläo-SETI viel zu undifferenziert und selektiv erfolgt ist. Viele wichtige Informationen wurden (aus Unwissensheit?) in der Diskussion unterschlagen und die Auslegung und Argumentation hinsichtlich eines vermuteten außerirdischen Einflusses auf die Hopi erscheint stark geprägt durch den Wunsch, diese These zu beweisen.

Eine eingehende Prüfung zeigt aber, dass ein solcher Zusammenhang als eher unwahrscheinlich und vielfach als das eigentlich Glaubenssystem der Hopi verfälschend darstellend anzusehen ist.

Überlieferungen die mündlich tradiert werden, befinden sich immer im Wandel. Neue Kultureinflüsse und Interpretationen von Seiten derjenigen, die die Mythen weitergeben, sorgen dafür, dass es zu einem Fluss des religiösen Gutes kommt.

Das erschwert natürlich die Arbeit der Paläo-SETI sehr. Ein tatsächlich ja möglicher Besuch von Außerirdischen in der Vergangenheit in den Überlieferungen untergegangener und rezenter Kulturen zu suchen bedeutet, eine entsprechend nachvollziehbare und valide Methodologie zu entwickeln, die derlei hypothetisch mögliche Einflüsse heraus kristallisiert muss hierbei erst noch entwickelt werden. Die bisherige Vorgehensweise und zudem in vielen Fällen auch schlampig recherchierte und selektive Recherche die ein Großteil der bisherigen Veröffentlichungen hierzu aufweisen, kann in dieser Form einen solchen Nachweis sicherlich nicht erbringen.

Anmerkungen

[1] Vgl. Lindig, Münzel 1978, S. 188 ff.
[2] Vgl. Hopi Stammesrat 1988, S. 129
[3] Ebd.
[4] Vgl. Waters 2000, S. 25f.
[5] Vgl. a. a. O., S. 38 f.
[6] Vgl. a. a. O., S. 41 f.
[7] Vgl. a. a. O., S. 43 f.
[8] Vgl. Däniken 2010, S. 93
[9] Vgl. z.B. Waters 2000, S. 38
[10] Vgl. Blumrich 1979, S. 12
[11] Die dritte Welt wird bei Blumrich Kasskara genannt, bei Waters Kuskurza
[12] Vgl. Blumrich 1979, S. 21 ff.
[13] Ebd.
[14] Vgl. a. a. O., S. 27
[15] Däniken 2010, S. 96
[16] Vgl. Lurker 1989, S. 215
[17] Däniken Bd. 2 1993, S. 10
[18] Waters 2000, S. 101
[19] Vgl. a. a. O., S. 107
[20] Vgl. a. a. O., S. 110
[21] A. a. O., S. 111
[22] Vgl. Prahl 2003 http://www.mysteria3000.de/magazin/das-praastronautische-wissen-der-hopi/
[23] Waters 2000, S. 111
[24] Vgl. a. a. O., S. 160
[25] Vgl. Fiebag 1997, S. 140
[26] Vgl. Burland 1970, S. 117
[27] Vgl. Hartmann 1988, S. 151
[28] Vgl. Blumrich 1979, S. 29
[29] bei Blumrich Páatoówa u. bei Waters pátuwvota genannt
[30] Vgl. Waters 2000, S. 44
[31] Vgl. Jones, Molyneaux 2002, S. 38
[32] Vgl. a. a. O., S. 143 f.
[33] vgl. zum Beispiel Fiebag 2006, S. 24-25, Gentes 1996, S. 13 f. u. a.
[34] Waters 2000, S. 38
[35] Ex 13, 21
[36] Mt 1, 9
[37] Vgl. Assmann 2000, S. 132
[38] Vgl. Steinbauer 1971, S. 203
[39] Vgl. Geertz 1987, S. 121
[40] Vgl. Gehlen1988, S. 138
[41] Vgl. Waters 2000, S. 15
[42] Vgl. Prahl 2003 http://www.mysteria3000.de/magazin/das-praastronautische-wissen-der-hopi/
[43] Vgl. Fiebag 1995, S. 155
[44] Vgl. Geertz 1987, S. 121 ff.
[45] Kelly 1988, S. 133
[46] Geertz 1987, S. 123
[47] a.a.O., S. 111 ff.
[48] Prahl 2003 http://www.mysteria3000.de/magazin/das-praastronautische-wissen-der-hopi/
[49] Vgl. Kelly 1988, S. 132
[50] Vgl. Waters 2000, S. 17

Literaturverzeichnis

Assmann, Jan: Religion und kulturelles Gedächtnis. 10 Studien. München: C.H. Beck 2000

Blumrich, Josef F.: Kasskara und die sieben Welten. Weißer Bär erzählt den Erdmythos der Hopi-Indianer. Wien, Düsseldorf: Econ 1979

Burland, Cottie: Mythologie der Indianer Nordamerikas. Wiesbaden: Emil Vollmer Verlag 1970

Däniken, Erich von: Auf den Spuren der Allmächtigen. München: Orbis 1993

Däniken, Erich von: Grüße aus der Steinzeit. Wer nicht glauben will, soll sehen! Rottenburg: Kopp 2010

Fiebag, Peter: Der Götterplan. Außerirdische Zeugnisse bei Mya und Hopi. München: Langen Müller 1995

Fiebag, Peter: Die Verwendbarkeit von Mythologie und kulturellem Gedächtnis für die Pläo-SETI-Theorie, untersucht und erläutert am Kachina-Mythos der Hopi-Indianer, Arizona, USA. In: Däniken, Erich von (Hrsg.): Das Erbe der Götter.München: Goldmann 1997

Fiebag, Peter: “Die Minimenschen von Flores”, in: Sagenhafte Zeiten 3/2006

Geertz, Armin W.: Hopi-Forschung, literarische Gattungen und Frank Waters´ Das Buch der Hopi. In: Hans-Peter Duerr (Hrsg.): Authentizität und Betrug in der Ethnologie. Frankfurt/M: Suhrkamp 1987

Gehlen, Rolf: Propheten und Narren. Anmerkungen zu den Arbeiten von Armin W. Geertz. In: Kunze, Albert (Hrsg.): Hopi und Kachina. Indianische Kultur im Wandel. München: Trickster-Verlag 1988

Gentes, Lutz: Die Wirklichkeit der Götter. Raumfahrt im alten Indien. München, Essen, Ebene Reichenau: Bettendorf 1996

Hartmann, Horst: Kachina-Komplex. In: Kunze, Albert (Hrsg.): Hopi und Kachina. Indianische Kultur im Wandel. München: Trickster-Verlag 1988

Herder: Die Bibel. Einheitsübersetzung.Freiburg, Basel, Wien: Herder 2001

Hopi-Stammesrat: Traditionalismus: politisch, philosophisch. In: Kunze, Albert (Hrsg.): Hopi und Kachina. Indianische Kultur im Wandel. München: Trickster-Verlag 1988

Jones, Davis M.; Molyneaux, Brian L.: Mythologie der neuen Welt. Die Enzyklopädie der Mythen in Nord-, Meso- und Südamerika. Reichelsheim: Edition XXL 2002

Kelly, Richard S.: Spiritueller Imperialismus oder die Vereinnahmung der Hopi. In: Kunze, Albert (Hrsg.): Hopi und Kachina. Indianische Kultur im Wandel. München: Trickster-Verlag 1988

Lindig, Wolfgang; Münzel, Mark: Die Indianer. Kulturen und Geschiche der Indianer Nord-, Mittel- und Südamerikas. München: dtv 1978

Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Zweite, erweiterte Auflage. Stuttgart: Kröner 1989

Prahl, Reinhard: Das präastronautische Wissen der Hopi. Zur Kritik an Josef F. Blumrichs ´Kasskara und die sieben Welten. In Mysteria3000 1/2003 http://www.mysteria3000.de/magazin/das-praastronautische-wissen-der-hopi/

Steinbauer, Friedrich: Melanesische Cargo-Kulte. Neureligiöse Heilsbewegungen in der Südsee. München: Delp´sche VerlagsbuchhandlungKG 1971

Stingl, Miloslav: Indianer vor Kolumbus. Stuttgart: Union Verlag 1976

Waters, Frank: Das Buch der Hopi. Mythen, Legenden und Geschichte eines Indianervolkes. München: Knaur 2000