Lexikon: Tulli-Papyrus

In einem Papyrusdokument, das gerne der Herrschaftszeit von Thutmoses III. zugeschrieben wird, der zwischen 1504 und 1450 v. Chr. regierte, finden wir womöglich eine der ältesten konkreten Ufosichtungsbeschreibungen der Weltgeschichte.

Thutmosis III., der zum Zeitpunkt des Ablebens seines Vaters gerade einmal 3 Jahre alt war, regierte Ägypten mehr als 20 Jahre nur als Mitregent, an seiner Seite als weiblicher Pharao regierte Hatschepsut [1]. Nach dem Tod der Hatschepsut übernahm Thutmosis III. den Thron dann vollständig und zeichnete sich im Laufe seiner Herrschaft als großer ägyptischer Kriegsherr aus, der die Macht Ägyptens festigen und erweiterten konnte. [2]

Das Papyri wurde von dem vatikanischen Prof. Tulli (man spricht auch von Tulli-Papyrus) 1953 von einem Kairoer Antiquitätenhändler gekauft [3] und erzählt im Inhalt von rätselhaften Erscheinungen am Himmel. In dem Text heißt es:

“im 22. Regierungsjahr, 3. Wintermonat, 6. Stunde des Tages die Schreiber des Hauses des Lebens fanden diesen Feuerkreis, als er gerade aus dem / vom Himmel kam. Er hatte keinen Kopf; der Hauch seines Mundes war übler Geruch. Sein Leib: 1 Holz [52,30 Meter] in seiner Länge, 1 Holz in seiner Breite. Er sprach nicht. Ihre Herzen kamen heraus, indem sie [frevelten / fehlgingen gegen sich (?) / sich vergaßen] [oder: indem sie (sich) vergaßen / fehlgingen, deswegen ...] Sie legten sich auf ihre Bäuche. (Und sie gingen) um es zu melden. Seine Majestät befahl (zu) erforschen die Schriftrollen des Hauses des Lebens. Diese Seine Majestät dachte nach über die Gestalten. Dann, nachdem einige Tage vergangen waren nach diesem: Eine große Zahl von ihnen, mehr als jede andere Sache, am Himmel, wie Re (selbst) erschienen sie / flammten sie auf, bis zur Grenze der Himmelsstützen reich war die Menge der Feuerkreise / machtvoll war die Position der Feuerkreise und die Truppen des Königs (?) sahen (es). Seine Majestät war in ihrer Mitte zu dieser (Zeit der) Abendmahlzeit. Und sie stiegen auf nach Süden. Fische und Vögel aber, sie fielen vom Himmel. Dieses Wunder aber, nicht geschah es (?) seit dieser Gründung dieses Landes. Seine Majestät aber veranlasste, dass Weihrauch gebracht wurde, um das Herz des Amun-Re, des Herrn der Throne der beiden Länder, zu befrieden, damit seine Majestät befahl (aufzuschreiben) das Geschehene in Schrift (für / in) das Haus des Lebens (in) Ewigkeit.” [4]

Erstaunlicher Weise ist dieser Fall in der Paläo-SETI-Literatur relativ selten erwähnt.

Erdogan Ercivan nennt ihn und vermutet hier eine mögliche Begegnung mit den ägyptischen Göttern als außerirdische Wesen. [5] Auch in Ulrich Dopatkas ‘Erich von Däniken-Enzyklopädie’ wird der Fall mit wenigen Worten erwähnt. [6]

Den Recherchen Michael Hesemanns nach weisen die stilistischen Merkmale des Papyrus tatsächlich auf seine Echtheit und eine Datierung auf die 18. Dynastie hin, ohne, dass diese Einordnung durch eine C14 Untersuchung weiter bestätigt wurde. [7]

Ein weiterer Forscher, der sich intensiv mit dem Tulli-Papyrus beschäftigt hat, ist Ulrich Magin. Noch 2002 kommt er nach ausführlichen Recherchen zu dem Schluss, dass sich eine Fälschung nicht ausschließen lassen, die Argumente für die Echtheit des Dokuments aber überwiegen würden. Weiter vermutet er damals, es könne sich bei dem geschilderten Ereignis um einen Meteoritenfall oder Nebensonnen handeln. [8]

2006 aber konnte er neue Erkenntnisse sammeln, die das Dokument doch als Fälschung ausweisen würden. Es zeigt sich, dass der Text exakt der Schreibweise eines seinerzeit viel verwendeten Lehrwerks zur ägyptischen Grammatik entspricht und der einzige grobe Rechtschreibfehler in dem Text ausgerechnet in einer Zeile vorkommt, die nicht aus diesem Lehrwerk übernommen wurde. Aber noch ein weiterer Fehler schlich sich ein, so beginnt einer der Sätze mit einer Datumsangabe, die in dieser Form nur Nebensätze einleitet und auch im erwähnten Lehrbuch (allerdings tatsächlich einen Nebensatz einleitend) vorkommt. [9]

Aus diesem Zusammenspiel von Fehlern und Verwendung von Begriffen und Schreibweisen nach einem Lehrbuch, Magin betont die eigentlich sehr variantenreiche Nutzungsmöglichkeit der ägyptischen Sprache [10] ergibt sich die Schlussfolgerung, dass man also davon ausgehen kann, dass es sich bei dem Text um eine Fälschung und nicht um die Beschreibung einer Ufosichtung aus der Zeit der alten Ägypter handelt.

Anmerkungen

[1] Vgl. Schulze 1981, S. 93 ff.
[2] Vgl. Posener (o.J.), S. 284
[3] Vgl. Magin 2002 http://www.mysteria3000.de/wp/?p=39 gesichtet am 23.02.2009
[4] Zit. n. Magin 2002 http://www.mysteria3000.de/wp/?p=39
[5] Vgl. Ercivan 2001, S. 155 f.
[6] Vgl. Dopatka 2004, S. 385
[7] Vgl. Hesemann 1997, S. 74 f.
[8] Vgl. Magin 2002 http://www.mysteria3000.de/wp/?p=39 gesichtet am 23.02.2009
[9] Vgl. Magin 2006, S. 43
[10] Vgl. ebd.

Literaturverzeichnis

Dopatka, Ulrich (2004): Die grosse Erich von Däniken Enzyklopädie. Die phantastische Perspektive der Menschheit. Oberhofen am Thunersee: Zytglogge

Ercivan, Erdogan (2001): Verbotene Ägyptologie. Rätselhafte Wissenschaft und Hochtechnologie der Pharaonen. Rottenburg: Kopp

Hesemann, Michael (1997): Die Wahrheit ans Licht. In: Magazin2000 Nr. 114 Dez./Jan. 1997/1. S. 72-75

Magin, Ulrich (2002): Neues vom Tulli-Papyrus. In: Mysteria3000 02/2002 http://www.mysteria3000.de/wp/?p=39

Magin, Ulrich (2006): Tulli-Papyrus ist gefälscht. In: Mysteries Ausg. 15. Nr. 3 Mai/Juni 2006. S. 43

Posener, Georges (Hrsg.) (o. J.): Lexikon der ägyptischen Kultur. Wiesbaden: R. Löwit

Schulze, Peter H. (1981): Hatschepsut. Herrin beider Länder. 2. Auflage. Bergisch Gladbach: Bastei/Lübbe