Technologietransfer zwischen Nordeuropa und Ägypten?

von André Kramer

In der Ausgabe Nr. 18 2012 vom Spiegel wird auf einen möglichen Kulturkontakt mit Technologietransfer zwischen Ägypten und Nordeuropa um 1400 v. Chr. berichtet. Anhaltspunkt hierfür seien Klappstuhlkonstruktionen, ähnlich heutigen Campingstühlen, die in Deutschland gefunden und auf die Bronzezeit datiert werden. Diese Stuhlkonstruktionen weisen nicht nur erstaunliche Ähnlichkeit mit ähnlichen Klappstühlen auf, die zur selben Zeit in Ägypten verwendet wurden, etwa in dem Grab Tutanchamuns, [1] sie gleichen diesen auch in ihren Abmessungen. [2]

Anhaltspunkt hierfür seien Klappstuhlkonstruktionen, ähnlich heutigen Campingstühlen, die in Deutschland gefunden und auf die Bronzezeit datiert werden. Diese Stuhlkonstruktionen weisen nicht nur erstaunliche Ähnlichkeit mit ähnlichen Klappstühlen auf, die zur selben Zeit in Ägypten verwendet wurden,

Weiter wird spekuliert, dieser Technologietransfer könnte das Ergebnis direkter Kontakte von Ägyptern und Boten aus Nordeuropa zur Zeit Thutmosis III. Sein, die Macht des ägyptischen Reiches zwischen 1479 und 1426 v. Chr. stark erweiterte und dessen Heere bis zu den Grenzen der heutigen Türkei vorstießen.

Tatsächlich gibt es immer wieder Hinweise auf Handelskontakte zwischen Nordeuropa und anderen Völkern. Bereits aus dem Paläolithikum, der Altsteinzeit, kennen wir Funde, die darauf hinweisen. So wurden in verschiedenen Gebieten Deutschlands Schmuckschnecken aus dieser Zeit gefunden, die eindeutig aus dem Mittelmeerraum stammen und umgekehrt am Mittelmeer, fand man gelochte Schmuckschnecken aus Gönnersdorf. [3]

Auch die berühmte Himmelsscheibe von Nebra könnte Hinweise auf Handelskontakte zwischen Ägypten und Nordeuropa in der Bronzezeit hinweisen, da die Ikonographie der Darstellungen auf der Scheibe (hier vor allem die so genannte Himmelsbarke) Ähnlichkeit zu ähnlichen Darstellungen aus dem nahen Osten und Ägypten zeige. [4]

Umgekehrt war Bernstein aus Nordeuropa auf verworrenen Wegen bis nach Ägypten. [5]

Wesentlich kontroverser ist die Ansicht den Ethnologen Hans-Peter Dürr, der glaubt im norddeutschen Watt die Reste eines mykenischen Schiffs entdeckt zu haben.[6]
Die Möglichkeit derlei Kontakte zwischen soweit auseinander liegenden Kulturen in der Bronzezeit ist sicherlich faszinierend, doch werden sie, so denn tatsächlich vorhanden gewesen, äußerst sporadisch gewesen sein, was sich schon aus der fehlenden Mobilität ergibt. Denkbar und sogar wahrscheinlich ist auch, dass frühe Handelskontakte nicht direkt stattfanden, sondern sich die Güter über Zwischenhandel verbreiteten.

Im Vergleich mit anderen Regionen der Welt, blieb der nordeuropäische Raum aber immer relativ Strukturschwach und konnten von den sporadischen Kontakten diesbezüglich kaum profitieren, bis die Wikinger in nachchristlicher Zeit ein ausgedehntes Handelsnetz erschufen.

Fußnoten

[1] Vgl. Settgast 1980, S, 76 f.
[2] Vgl. Schulz 2012, S. 113; schon bei Märtin 2002, S. 50 wird die These, dass diese Klappstühle aus einem solchen Technologietransfer hervor gingen, genannt.
[3] Vgl. Probst 1999, S. 96
[4] Vgl. Richter 2002, S. 165
[5] Vgl. Märten 2002, S. 50
[6] Vgl. Dürr 2005, S. 275 ff. Siehe auch bei Mysteria3000 Kramer 2008

Literaturverzeichnis

Dürr, Hans-Peter: Rungholt. Die Suche nach einer versunkenen Stadt. Frankfurt/M, Leipzig: Insel 2005

Kramer, André: Rungholt

Märtin, Ralf-Peter: Die Spur der Sterne. In: National Geographic Deutschland Januar 2004

Probst, Ernst: Deutschland in der Steinzeit. Jäger, Fischer, Bauern zwischen Nordseeküste und Alpenraum. München: Orbis 1999

Richter, Klaus: Die „Himmelsscheibe“ von Nebra. In: Skeptiker. Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken. 04/2002

Schulz, Matthias: Bote von der Waterkant. In: Der Spiegel Nr. 18/ 30.04.2012

Settgast, Jürgen: Tutanchamun in Köln. Mainz: Zabern 1980