GEP-Tagung in Schmerlenbach 2009

von André Kramer

Am Samstag den 2. Mai und Sonntag den 3. Mai 2009 veranstaltete die Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens e.V. [1] erstmals eine eigens ausgerichtete Tagung.

Schon am Freitag fuhr ich gemeinsam mit den GEP-Mitgliedern M. Mojsilovic und T.A. Günter nach Lüdenscheid in das Büro der GEP, wo wir und mit dem 1. Vorsitzenden Hans-Werner Peiniger trafen und uns das – erst im letzten Jahr bezogene – Büro ansahen. Vor allem die enormen Buchbestände zum Thema und die Fallakten waren sehr beeindruckend.

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Abb. 1: Arbeiten im GEP-Büro in Lüdenscheid (von links nach Rechts: M. Mojsilovic, Hans-Werner Peiniger, T.A. Günter).

Samstag früh brachen wir dann nach Schmerlenbach auf. Dort im “Bildungshaus Schmerlenbach”, einem alten Kloster sollte die schon im Vorfeld kontrovers diskutierte Veranstaltung stattfinden. Anlass hierzu war die Tatsache, dass auch der Initiator der Exopolitik [2] Deutschland, Robert Fleischer, eingeladen war, seine Organisation näher vorzustellen. Doch dazu später mehr.

Zu der Tagung fanden sich knapp 30 Personen ein, hier wären sicherlich ein paar Besucher mehr begrüßenswert gewesen, doch lässt sich vermuten, dass der etwas abseits großer Städte gelegene Tagungsort und auch die die wenig “populär” gehaltenen Vortragsthemen ein Mitgrund für die Teilnehmerzahl sein könnten.

Nach der Begrüßung durch Hans-Werner Peiniger und einer kleinen Vorstellungsrunde referierte der Vorsitzende der Gesellschaft für Anomalistik [3], Edgar Wunder über das Thema “Außerirdische, Ufos und die Religion. Zusammenhänge aus sozialwissenschaftlicher Perspektive”.

Von der historischen Wandlung des Begriffs ausgehend entwarf Wunder hier einen Begriff von “Religion”, der stark von der Individualisierung unserer Zeit geprägt ist und sich nicht mehr an Faktoren, wie etwa einer Institutionalisierung (z.B. In Kirchen) orientiert.

Den Zusammenhang zwischen Religion und dem Glauben (oder Nicht-Glauben) an Außerirdische sollten vor allem die Ergebnisse empirischer Studien in Russland deutlich machen, die häufig gewisse Korrelationen zwischen diesen Themen deutlich machten.
Wunders weiter gefasster Begriff der Religion und diese Korrelationen zeigten seiner Meinung nach deutlich, dass es sich bei dem Glauben an Außerirdische nicht um eine Ersatzreligion handelt, sondern, dass wir dies ggf. als “Ergänzungsreligion” verorten können.

Dieser erste, sehr interessante Vortrag gab auch schon einmal die Richtung der Tagung vor, die sehr von den Sozialwissenschaften geprägt war und ein sehr hohes inhaltliches Niveau hatte.

Im Anschluss folgte Ingbert Jüdt mit seinen Ausführungen zu “Diskursanalyse als Instrument der Bewertung von Kontroversen in der UFO-Forschung”. Ausgehend von seinen Erfahrungen, die er in seinem aktuellen Roswell-Projekt gesammelt hat [4] zeigte Jüdt über kommunikationspsychologische Sichtweisen und Modelle des französischen Soziologen Pierre Bourdieu die komplexen Verhältnisse bei Kontroversen auf und auch den schwierigen Akt des Verstehens (bzw. Missverstehens) zwischen “Sender und Empfänger” einer Botschaft.

Auch dieser Vortrag war sehr interessant, da es sich aber nur um “Zwischenerkenntnisse” handelte, fehlte ein wenig das runde Ende. Auch hätten es gerne ein paar Fremdwörter weniger sein dürfen. Da ich ebenfalls ein sozialwissenschaftliches Studium mache, war es mir zwar möglich, dem Gesagten zu folgen, doch war das nicht jedem zur Gänze möglich, wie ich später das ein oder andere Mal zu hören bekam.

Ingbert Jüdt folgten Gerhard Mayer und Ina Schmied-Knittel vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg [5] mit dem Thema “UFO-Alarm! UFOs, Massenmedien und soziale Stigmatisierung”.

Einleitend wurden Szene von einer Sendung zum Thema bei Maischberger 2007 [6] gezeigt, die aufgrund der Tatsache, dass Joachim Bublath ausgehend von Provokationen durch Nina Hagen die Sendung verließ.

Eine Analyse der in der Sendung getätigten Aussagen von verschiedenen Seiten und einer weiteren Medienanalyse wurde hier der Prozess der sozialen Stigmatisierung von Interessierten und Betroffenen des weiten Feldes der Anomalistik (speziell wenn es um das Thema Außerirdische geht) aufgezeigt.

Dieser Vortrag beeinflusste sicherlich auch die späteren Diskussionen, wie man an dem plötzlich geradezu inflationär verwendeten Wort “Stigmatisierung” bei den Besuchern der Tagung feststellen konnte. Mir fehlte lediglich ein Aspekt, der diesen Vortrag abgerundet hätte, nämlich der, dass die Stigmatisierung sicherlich nicht nur eine Einwirkung “von außen” auf die Szene ist, sondern auch von dieser zum Teil geradezu provoziert wird und damit das Feuer quasi selbst anfacht. Ich meine damit speziell Auftritte von schrillen Persönlichkeiten wie Nina Hagen oder manch eine doch sehr hanebüchene Thesen tragen sicherlich dazu bei, dass diese Themengebiete in der Öffentlichkeit zum Teil verlacht werden.

Der letzte Vortrag des Tages wurde von Martin Bielske von der Gesellschaft zur Untersuchung von anomalen atmosphärischen und Radar-Erscheinungen [7] gehalten und behandelte als einziger kein sozialwissenschaftliches Thema, sondern “Die erweiterte Heimsche Theorie (EHT). Einige Inhalte und mögliche Anwendungen in der UFO-Forschung.”

Hierbei handelte es sich sicherlich um das kontroverseste Thema des Tages, nämlich um die Annahmen des wissenschaftlichen Außenseiters Burkhard Heim, der außerhalb einer institutionalisierten Forschung ein auf Einsteins Relativitätstheorie aufbauendes, eigenes physikalisches Weltbild konstruierte. Dieses, 6 Raumdimensionen postulierende Weltbild könnte nicht nur die bestehenden Lücken zwischen Relativitätstheorie und Quantenmechanik füllen, sondern auch die Konstruktion eines “Feldantriebes” ermöglichen, der womöglich die Eigenschaften einiger ungeklärter Ufosichtungen erklären würde.
Dass diese Theorie allerdings noch unbewiesen ist und ein Bezug zur Ufothematik nur mehr als vage, betonte Bielske jedoch deutlich. Gerade die sehr vorsichtigen und abwartenden Formulierungen fielen hier sehr positiv auf und setzten einen angenehmen Gegenakzent, vergleichen mit der häufig sehr viel bestimmenden Formulierung grenzwissenschaftlicher oder kontroverser Inhalte bei anderen Forschern.

Geschlossen wurde der Abend mit einer von Michael Schetsche, ebenfalls vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychologie, moderierten Diskussion, die mit viel Beteiligung von Seiten der Referenten, so wie auch der weiteren Teilnehmer geführt wurde. Zum Teil noch bis spät in die Nacht (wie es auf solchen Veranstaltungen eigentlich immer der Fall ist), wurden dann unter den Teilnehmern im Bildungshaus angeregte Gespräche geführt.

Am Sonntag morgen kam es dann zu einer Vorstellung einzelner Ufogruppen, die eigentlich damit beginnen sollte, dass Hansjürgen Köhler vom Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene [8] (habe mich schon immer gefragt, weshalb man bei ihnen central mit c und nicht mit z schreibt, wie es die Rechtschreibung eigentlich vorgibt) seine Organisation vorstellen, doch schon am Samstag Abend überreichte er Hans-Werner Peiniger eine Erklärung und boykottierte darauf hin die Veranstaltung.

Der Brief wurde auf allgemeinen Wunsch verlesen [9] und führte bei den Teilnehmer eigentlich nur zu einem Kopf schütteln und wurde (neben dem schlechten Deutsch in dem er geschrieben ist) als äußerst kindisch aufgefasst.

Dem Programm folgend erläuterte dann Alexander Knörr, 1. Vorsitzender der Deutschsprachigen Gesellschaft für Ufoforschung [10] die Strukturen seines Vereins, gefolgt von Robert Fleischer über die Exopolitik, Hans-Werner Peiniger über die GEP, Matin Bielski über die Mufon CES und Jochen Ickinger über die Gesellschaft für Anomalistik.

Abschließend moderierte Edgar Wunder dann die Diskussion zu den Vorträgen des Tages. Besonders Robert Fleischer und die Exopolitik gerieten hier in den Fokus. So wurde diese schon im Voraus stark kritisiert, weil eines ihrer Videos auf dem Online Portal Secret.tv auftauchte, dass von dem Vater des durch seine rechtsextremen Bücher bekannten Autors Jan Udo Holey (Jan van Helsing) betrieben wird.

Fleischer stellte klar, dass der das Video dort nicht direkt zur Verfügung gestellt hat, sondern, dass es sich um eine gering auflösende Fassung handelt, die zwecks Verbreitung im Web frei zugänglich ist. Weiter distanzierte er sich von jeglichen rechtsextremen Organisationen und Inhalten (ein Punkt, der auf der Seite der Exopolitik auch hervorgehoben wird:

“Auch grenzen wir uns ausdrücklich von rechtsgerichteten, antisemitischen Gruppierungen ab. Wir lehnen jede Form von Gewalt kategorisch ab und setzen uns friedlich für das Überleben der menschlichen Spezies ein” [11]. Allerdings wolle er sich jetzt nicht zusätzlich noch explizit von Secret.tv distanzieren.

Diesen, letzten Punkt kann man sicherlich kritisch sehen, was ich auch tue und bei der Diskussion vorbrachte. Wenngleich es natürlich unmöglich ist, immer auf jede Verlinkung im Web reagieren zu können, denke ich, dass im Fall einer so populären Plattform wie Secret.tv durchaus angebracht wäre, um ein deutliches Zeichen gegen rechtsextreme Verschwörungstheorien und ihre Verfechter zu setzten.

Ein weiterer Punkt der Diskussion war die Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen. Da Exopolitik auch nach eigenen Angaben keine Forschung betreibt, sondern sich als Bürgerbewegung sieht, die die Freigabe von angeblich vorhandenen Beweisen für die Anwesenheit Außerirdischer auf der Erde einsetzt, wurde sie natürlich in diese Frage nicht eingespannt.

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Abb. 2: Abschlussdiskussion (von links nach rechts: Hans Werner Peiniger, Robert Fleischer, Edgar Wunder, Jochen Ickinger, Martin Bielski und Alexander Knörr).

Ansonsten wurde deutlich, dass es wohl punktuell zu gewissen Zusammenarbeiten bei bestimmten Projekten, wie auch der Ausarbeitung eines gemeinsamen Fragebogens und eines einhelligen “Forschungsstandart” kommen werde. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass die Ansatzpunkte der unterschiedlichen Vereinigungen teilweise stark differieren und es somit sicherlich nicht in allen Punkten zu einer gemeinsamen Leitlinie kommen wird. Trotzdem sollen weitere Veranstaltungen in Zukunft jährlich abwechselnd von der GEP und der Degufo durchgeführt werden. Dies soll vor allem zur Entlastung der Organisation der beiden Vereinigungen dienen.

Alles in Allem halte ich diese Veranstaltung für mehr als gelungen. Die Vorträge wiesen ein sehr hohes, wissenschaftliches Niveau auf, wie man es sonst von derartigen Veranstaltungen eigentlich nicht gewohnt ist, die moderierten Diskussionen waren äußerst interessant und zeigten deutlich, dass sich auch kontroverse Inhalte außerhalb von gegenseitigen persönlichen Anfeindungen führen lassen und die “Ergebnisse” waren mehr als konstruktiv.

Lediglich der kleine “Skandal” um die CENAP sorgte für einen leicht bitteren Nachgeschmack.
Auch im Nachhinein noch, kam es hier immer wieder zu mehr als zweifelhaften Darstellungen der CENAP, wie etwa Bezug nehmend auf die Beschreibung der Veranstaltung durch T.A. Günter, der seine Ausführungen zu Recht falsch wiedergegeben fühlt und dies auch noch einmal deutlich gemacht hat [12].

Ich halte dieses destruktive Verhalten auch für äußerst daneben und sehe, gerade auch in der Art und Weise der Formulierung und Verwendung unsachlicher – themenfremder Begriffe keine seriös wirkenden Signale gesetzt. Da wo die CENAP der Exopolitik vorwirft, durch die Art ihrer Darstellungen und der postulierten Thesen die Arbeit einer seriösen Ufoforschung zunichte zu machen, tut sie es selbst durch alberne Anfeindungen, Fäkalausdrücke und völlig unverständliche Anmerkungen über DSDS und ähnliches.

Fußnoten

[1] Vgl. http://www.gep.alien.de/

[2] Vgl. http://www.exopolitik.org/

[3] Vgl. http://gfa.alien.de/

[4] Vgl. http://roswell-diskurs.blogspot.com/2008/05/erstes-gruppenbergreifendes.html

[5] Vgl. http://www.igpp.de/german/welcome.htm

[6] Vgl. Laux, Andreas: Ufo-Jünger vergraueln Bublath. In: http://www.focus.de/kultur/kino_tv/menschen-bei-maischberger_aid_137632.html gesichtet am 05.05.2009

[7] Vgl. http://www.mufon-ces.org/

[8] Vgl. http://cenap.alien.de/

[9] Vgl. Gerhard, Roland: Zeichen setzen. In:
http://ufo-meldestelle.blog.de/2009/05/03/zeichen-setzen-6049546/ gesichtet am 05.05.2009

[10] Vgl. http://degufo.alien.de/index.php3

[11]http://www.exopolitik.org/index.php?option=com_content&task=view&id=37&Itemid=49

[12] Vgl. in dieser Reihenfolge: Günter, T. A.: GEP-Tagung ein voller Erfolg. In: http://guenter.alien.de/blog/?p=898 Gesichtet am 05.05.2009, Walter, Werner: Ist es Superman, ist es ein Flugzeug, ist ein Ufo? Nein, es ist die ISS! In: http://cenap.alien.de/cenapnews/ Gesichtet am 05.05.2009, Günter, T.A.: Unvermeidlicher Kommentar. In: http://guenter.alien.de/blog/?p=962 Gesichtet am 05.05.2009