Mysteria3000
Alternative und interdisziplinäre Archäologie im Fokus
ISSN 1619-5744 / 1619-5752 - Impressum - 22.05.2012
Der Maya-Kalender
Kamen am 11. August 3114 v. Chr. die Götter auf die Erde [1], und werden sie am 24. Dezember 2012 wiederkehren? [2] Fragt sich Erich von Däniken spekulativ, bezug nehmend auf den Beginn und das vermeintliche Ende des berühmten Mayakalenders.
Gerade das Jahr 2012 wird in den Grenzwissenschaften gerne für die verschiedensten Thesen herangezogen, bis hin zu der Annahme einiger zweifelhafter Autoren, dann werde die Menschheit in neue spirituelle Sphären aufsteigen [3]. Doch wie sieht es aus, welche Wahrscheinlichkeit haben diese Thesen, auf welchen Fakten bauen sie auf?
Um diese Fragen zu beantworten, muss man sich zuerst einmal mit dem Zahlensystem und dem Kalenderwesen der Maya auseinandersetzen. Im Gegensatz zu dem Dezimalsystem, das in Europa verwendet wurde (ursprünglich aber aus China und Indien stammt) und wird (also als Zählgrundlage die 10 verwendet), rechneten die Maya mit dem Vigesimalsystem, also der 20 als Basis [4].
Auch die Zahl Null war ihnen geläufig, vermutlich waren die Maya sogar das erste Volk weltweit, dass mit der Null operierte, wurde sie außerhalb Amerikas doch erst im 7. Jahrhundert als Einheit für “Nichts” in Indien entwickelt [5]. Die Maya verwendeten 2 Kalender, der rituelle Kalender (Tzolkin) war auf 260 Tage angelegt und wurde durch Die Kombination von 20 Tagesnamen und 13 Tageszahlen vollendet (also 13 x 20) [6]. Zusätzlich fand ein ziviler Kalender Anwendung, der sich auf 18 langen Monaten von 20 Tagen Dauer und einem kurzen 5 Tage-Monat zusammensetzte (=365 Tage).
Die Maya datierten ihre Zeitrechnung mit den Angaben beider Kalender und diese Kombination ergab einen neuen Zyklus, die so genannte große Kalenderrunde. Durch die unterschiedlichen Längen der beiden Kalender betrug ein solcher Zyklus (die Kalenderrunde) 52 Sonnenjahre [7].
Dieses komplexe System wurde durch die lange Zählung komplettiert (es existierte auch eine kurze Zählung, die allerdings erst später auftauchte). Mit dieser langen Zählung wurden größere Zeiträume abgesteckt. Sie setzte sich aus 5 Perioden zusammen. Angefangen mit Baktun, Katun, Tun, Uinal und Kin (8). Doch der für uns eigentlich interessante Teil kommt erst jetzt.
Das Kalenderwesen der Maya beginnt an einem Nullpunkt. Auf unseren, Gregorianischen Kalender übertragen, setzt dieser Nullpunkt am 13. August 3114 v. Chr. an und teilt sich in 400jährige Perioden ein, von denen die 13. am 23.12.2012 endet [9].
Erich von Däniken merkte hierzu an, dass alle uns aus der alten Welt bekannten Kalender ein besonderes Datum für diesen Nullpunkt ansetzen, etwa die Geburt Christi in unserer Zeitrechnung. Also, fragt er weiter, was ereignete sich am 13. August 3114 v. Chr.? Seine Vermutung lautet: Die Ankunft der Außerirdischen [10].
Tatsächlich war dieses Datum für die Maya der Tag, an dem König “Vogel Jaguar” den Thron bestieg. Neuesten Erkenntnissen zufolge sahen die Maya zu dieser Zeit den Tag der Schöpfung [11].
Dies lässt sich nun beim besten Willen nicht mit der These der PaläoSETI in Einklang bringen, schließlich wandelte der Mensch zu dieser Zeit schon seit zehntausenden von Jahren auf der Erde, also auch kein Spielraum für die von der PaläoSETI vermutete genetische Erschaffung des Menschen.
Und was ist mit dem Jahr 2012?
Nun, die oft aufgestellte Behauptung, an diesem Tag würde laut den Mayas die Welt untergehen, oder eine neue Schöpfung anbrechen oder ähnliches, lässt sich bei näherer Betrachtung nicht halten. So blickt eine der Inschriften Palenques zum Beispiel bis in das Jahr 4772 voraus, übrigens nach Ende eines weiteren Kalenderzyklus [12]. Von Weltuntergang also keine Spur. 2012 wird der Zyklus lediglich wieder von vorne beginnen und von 13 auf 0 umspringen.
Und was ist mit den Göttern?
Tatsächlich existiert eine Inschrift aus dem 7. Jahrhundert, die 2012 das Herabsteigen des Gottes Bolon Yokte vorhersagt. Die Inschrift stammt aus einem eher unbedeutenden Ort der Mayazeit namens Tortuguero [13].
Ist das also der Beweis?
Gibt es also doch begründete Hoffnung darauf, die Außerirdischen würden 2012 wiederkehren? Eher nicht. Zum einen ist Bolon Yokte einer der unbedeutenden Gottheiten der Maya gewesen, zum anderen war auch Tortuguero alles andere als eines der Zentren der Maya. Ein solch bedeutsames Ereignis wäre wohl im gesamten Mayaland bekannt gewesen und hätte auch nicht nur einen eher unwichtigen Gott betroffen. Davon einmal abgesehen, das auch ein Beweis dafür fehlt, das sich hinter irgendeinem der Maya-Götter Außerirdische verbergen.
Zum Abschluss soll noch einmal auf einige ganz besonders herben Fehler eines PaläoSETI-Autors hingewiesen werden. Paul Wiesner bezeichnet in seinem Buch nämlich den Dresdner Codex als Aztekenschrift und meint, der berühmte aztekische Sonnenstein aus Mexiko würde das Ende des Kalender am 24.12.2011 aufzeigen [14].
Das ist natürlich Unsinn, der Dresdner Codex ist eine Maya-Handschrift und der Sonnenstein hat mit dem Datum nichts zutun. Mit diesem scheint er das (angebliche) Ende des Mayakalenders zu meinen und hat sich hierbei auch noch um ein Jahr geirrt.
Fußnoten
[1] Däniken, München (O. J.) S. 136
[2] z.B. http://www.stern.de/lifestyle/leute/:Was-…Erich-D\%E4niken-/546301.html
[3] Holey, Fichtenau 2000
[4] Longhena, Wiesbaden 2003 S. 64
[5] Fagan, München 2004 S. 248 f.
[6] Longhena, Wiesbaden 2003 S. 98
[7] Longhena, Wiesbaden 2003 S. 98-99
[8] Longhena, Wiesbaden 2003 S. 98
[9] Schele/ Freidel, Augsburg 1995 S. 71 ff.
[10] Däniken, München (O. J.) S. 135 f.
[11] Grube, 2004 S. 48
[12] Schele/ Freidel, Augsburg 1995 S. 512
[13] Grube, 2004 S. 50
[14] Wiesner, München 1997 S. 147
Literatur
Däniken, Erich von: Der Tag an dem die Götter kamen. München (O. J.)
Dopatka, Ulrich: Die große Erich von Däniken Enzyklopädie. Operhofen am Thunersee 2004
Fagan, Brian M.: Die 70 großen Erfindungen des Altertums. München 2004
Grube, Nikolai: Vorläufig kein Weltuntergang (in: Abenteuer Archäologie 1/2004)
Holey, Johannes: Bis zum Jahr 2012. Der Aufstieg der Menschheit. Fichtenau 2000
Longhena, Maria: Sprechende Steine. 200 Schriftzeichen der Maya – die Entschlüsselung ihrer Geheimnisse. Wiesbaden 2003
Schele, Linda/ Freidel, Davis: Die Unbekannte Welt der Maya. Das Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt. Augsburg 1995
Wiesner, Paul: Anweisungen aus dem Kosmos. München 1997
12 Kommentare
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Ich finde es einfach nur interessant
Kommentar von Erik Bader
Sehr interessant gutes Buch anscheinend
Kommentar von Erol Ö.
Zitat:
“Zum einen ist Bolon Yokte einer der unbedeutenden Gottheiten der Maya gewesen, zum anderen war auch Tortuguero alles andere als eines der Zentren der Maya. Ein solch bedeutsames Ereignis wäre wohl im gesamten Mayaland bekannt gewesen und hätte auch nicht nur einen eher unwichtigen Gott betroffen.”
Zitat Ende
Ich gestatte mir hiermit die Bemerkungen, dass die Wertung einer Gottheit und eines Geschehnisses wie ein Göttlicher Besuch nicht gegründet werden kann auf die Bedeutung eines Ortes. Des weiteren ist nicht zu verstehen wie man jemanden, der zur Gottheit erklärt wurde als “eher unwichtig” vorzustellen sucht und darüber hinaus kann möglicherweise gemutmaßt werden dass eine jüngere Gottheit weniger Bedeutung haben kann, doch nach tausenden von Jahren eben in der Wichtigkeit aufgestiegen ist: diese tausende von Jahren sind nun um und diese “eher unwichtige” Gottheit soll immerhin – seit tausenden von Jahren vorhergesagt – herabsteigen: so unbedeutend, so unwichtig, kann diese Gottheit nicht gewesen sein…
Kommentar von Pity Grief
Der Theorie von Erhardt Landmann zufolge handelt es sich bei genanntem Dokument nicht um einen Kalender, sondern ein völlig anderes Schriftstück.
Landmann geht davon aus, dass alle antiken Schriften falsch übersetzt wurden. Seine Ausführungen mögen zwar teilweise etwas wirr sein, interessant und vor allen Dingen auch logisch sind sie allemal.
Kommentar von Klaus Klebisc
hallo,
Nibiru=eris=Hercolubus,
scheint tatsächlich 2012 vorbeizukommen.
Wenn man die Sonne fotografiert kann man ihn
schon sehen. Es ist eine kleine Kugel links neben
der Sonnenscheibe. Es ist möglich das man das
Phänomen nur mit einer älteren Kamera aufnehmen
kann. Neuere Apparate sind evtl. zu Lichtempfindlich.
Aufgrund seiner jetzigen Größe kann ich mir schon
vorstellen das 2012 die Ankunft ist.
Warum uns denn keiner was sagt?
Werden wir nicht immer vollgelogen?
Friede über alle Grenzen
raumbruder
Kommentar von StefanKretschmann
Nibiru ? Ich kenne die Geschichte darüber, aber diesen (Planeten) in verbindung mit den Maya zu bringen… Selbst mir einen Menschen der viel Fantasie entwickeln kann, wäre es nicht aufgefallen. Was ist, wenn es einfach ein Kalender ist, der endet um vom neuen zu beginnen ? Eine neue Zeitrechnung,muss nicht das Ende sein,wir haben 100 mal im Jahr den Weltuntergang,langsam langweilt es…
Kommentar von Richard
@Andre
Ich hab da mal ein zwei Fragen zu dem Artikel:
1. Wenn der Maya-Kalender, wie in dem Artikel angegeben, 3114 v.Chr. begann, wie kann dann 2012 n.Chr. eine 400jährige Periode enden? (3114 + 2012 = 5126 : 400 = 12,815)
2. Was ist eigentlich mit dem anderen Datum für den Beginn des Maya-Kalenders, das aus einer Inschrift in Palenque entnommen wurde und soweit ich mich erinnere (kann ich im Moment nicht nachschlagen) auf 8498 v.Chr. zurückging.
3. Der Maya-Kalender ist ja eigentlich nicht auf die Maya beschränkt, sondern wurde auch von Azteken usw. verwendet. Da tauchen doch Jahresnamen auf wie “im Jahre 1 Kaninchen” usw. Müßte demzufolge nicht der Tzolkien zumindest auch, wenn nicht ausschließlich als Jahreszählung angesehen werden?
Peter Nowak
Kommentar von Peter Nowak
@Richard
Nibiru ist, soweit ich weiß. eine Erfindung Sitchins. Allerdings gibt es in der griechischen Überlieferung ein Äquivalent, den Planeten Kronos. Von dem wird in Platons Dialog “Der Staatsmann” (“Politikos”) auch eine lange Umlaufbahn vorausgesetzt, die bei seiner Wiederkehr jeweils ein Zeitalter beendet. Die Angaben dort stimmen ziemlich exakt mit den Angaben im Neuen Testament zum Ende des Zeitalters überein. diese Angaben passen aber nicht zum Planeten Saturn, der doch dem Kronos der Griechen entsprechen soll. Die lange, eliptische Umlaufbahn von Kronos müßte auch eher auf einen Kometen als auf einen Planeten hindeuten.
Nicht “der Kalender” der Maya endet 2012, sondern ein Kalenderzyklus.
Peter Nowak
Kommentar von Peter Nowak
@raumbruder
Die kleine Kugel neben der Sonne könnte auch einfach nur Merkur sein… Mal weniger Zeug rauchen und den rationellen Verstand (soweit vorhanden) einschalten…
Was für ein Humbug hier…
2012 wird nichts passieren, die Erde dreht sich weiter… Ich lege keinen Wert darauf, was Primitivlinge vor 2000, 3000 oder 4000 Jahren niedergeschrieben haben, gilt übrigens auch für heilige Bücher…
Der Mensch sollte endlich mal anfangen, die Intelligenzpotentiale zu nutzen und handeln, und nicht träumen…
Meine Meinung, schönen Tag noch ;-)
Kommentar von André
Herr Kramer,
haben Sie sich ernsthaft mit den Themen auseinandergesetzt oder nur Ihren Artikel zusammengeschustert ? Einleitung,Mittelteil,Schluß ist lediglich aus nem anderen Artikel abgekupfert worden – das ist halt der Grund,warum ich nichts mehr gebe auf Menschen, die nur in Ihrer kleinen Sichtweise der Welt leben. Ich verweise mal auf nen älteren Artikel – beschämend, wieviel Sie lediglich kopiert haben:
http://nachrichten.freenet.de/wissenschaft/paranormal/2012-wiederkehr-der-goetter_726588_533376.html
Es war ein kurzer aber prägnanter Besuch, adios Mysteria…
Kommentar von mariobartoli
Nur mal so als Hinweis, dieser Beitrag ist vom Januar 2007, während der Freenetartikel vom Februar 2008. Damit ist der Vorwurf denke ich vom Tisch, zumal beide Artikel im wesentlichen auch auf anderen Quellen fußen.
Kommentar von André Kramer
Solange wir an einer solchen Oberfläche bleiben – wie dieses Artikel hier – und die Maya selber dazu nicht befragen, wie sie nämlich ihre eigenen Überlieferungen deuten und auslegen, stiften unsere westlich orientierten Spekulationen um so mehr Verwirrung zu diesem Thema.
Kommentar von Arr