Mysteria3000
Alternative und interdisziplinäre Archäologie im Fokus
ISSN 1619-5744 / 1619-5752 - Impressum - 10.02.2012
Hinweise auf die Apokalypse?
Gibt es Hinweise auf eine historische Apokalypse? Wissenschaftler haben in der jordanischen Wüste jetzt einen Krater entdeckt, der durch einen Meteoriteneinschlag in der Mittel-Steinzeit vor weniger als 10.000 Jahren entstanden sein soll. In mesopotamischen Mythen gibt es mehrmals Hinweise auf gigantische Katastrophen, so z.B. im Gilgamesch-Epos. Auch die Sintflut-Legende aus der Bibel entstammt diesem Umfeld.
“Die Anunnaki hoben Fackeln empor, mit ihrem grausen Glanz das Land zu entflammen. Die Himmel überfiel wegen Adad Beklommenheit, jegliches Helle in Düster verwandelnd; das Land, das weite, zerbrach wie ein Topf.”
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem nun entdeckte Meteoritenkrater und den Mythen und Legenden der Region?
Der Geologe Werner Schneider von der Teschnischen Universität Braunschweig schein davon überzeugt. Die Katastrophe hat laut Schneider “mit Sicherheit Eingang die Mythen und Erzählungen der steinzeitlichen Völker gefunden”.
Genaue Untersuchungsergebnisse sollen in Kürze in der ‘Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften’ veröffentlicht werden. Den noch steht das genaue Alter des Kraters noch nicht fest.
Quellen: Forscher auf den Spuren der Apokalypse, The place of the biblical Apocalypse is found, Huge meteorite crater discovered in eastern Jordan
2 Kommentare
RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. | Diskussionsforum
Leider sind momentan keine Kommentare möglich.
Hallo Markus,
hab durch diesen Link zu einem kurzen Text zur “Apokalypse” von dir entdeckt, auf den ich jetzt ebenso kurz antworten will.
Ich glaube, du bringst da zwei Sachen zusammen, die nichts miteinander zu tun haben: Der epipaläotlithische 10.000 Jahre alte Krater in der Wüste hat nichts mit der nur halb so lange zurückreichenden mesopotamischen “Sintflut” zu tun. Im einen Fall handelt es sich um einen Einschlag zur Steinzeit, im anderen Fall um ein frühgeschichtliches Ereignis, das über eine lokale Flut aus der Zeit um 3150 vC berichtet. Überhaupt kann ich – die zeitliche Unvereinbarkeit mal ausgeklammert – nicht die geringsten Übereinstimmungen zwischen Meteoriten- oder sonstigen -einschlägen und “Sintfluten” erkennen; das einzige Bindeglied könnte ein Tsunami sein, sofern der Bolide ins Meer gefallen ist, aber Mesopotamien liegt bekanntlich nicht am Meer, nur in einer Bucht am Nordrand des Persischen Golfs. Es handelte sich vielmehr bei der sumerischen “Sintflut” um eine regionale Überflutung, nachdem am Euphrat/Tigris ein natürlicher Damm gebrochen war und der Fluss sich ein neues Bett suchte. Hierzu zwei wissenschaftliche Links, wobei der zweite zum Durch- und Weiterklicken ist. Leider beide auf Englisch – deutschsprachige Quellen haben Ähnliches leider nicht anzubieten.
http://mcclungmuseum.utk.edu/specex/ur/ur-flood.htm
http://www.stanford.edu/~meehan/donnellyr/5kyrs.html
Aus den Ergebnissen geht auch schön hervor, dass dieses Ereignis, das über Umwege auch Einzug in die Bibel gefunden hat, eine altorientalische Übertreibungsgeschichte ist. Besonders die nachträglich ins Gilgamesch-Epos aufgenommene Sinflutgeschichte lebt von der Übertreibung. Im etwa zeitgleichen akkadischen Athrahasis-Epos wird ein Stück nüchterner und damit wahrheitsnäher darüber berichtet.
Das Athrahasis-Epos enthält nämlich auch Teile der Flutgeschichte und ihrer Helden, die so nicht auf Tafel XI ins Gilgamesch-Epos aufgenommen wurden, wie z.B. Partien aus Teil III, die die “Sintflut” als eine lokale Flussüberschwemmung beschreiben: “Wie Libellen treiben sie (die Leichen) auf dem Fluss”. Im Gilgamesch-Epos wird daraus: “Wie Fischlaichen füllen sie (die Leichen) das Meer”. Man erkennt hier die Mythenbildung durch Übertreibung, wie aus einem Flusshochwasser eine Sintflut wird. Dafür fehlen im Gilgamesch-Epos all jene Partien aus dem Athrahasis, die die Götter als Wesen mit typisch menschlichen Schwächen und Bedürfnissen darstellen. Aus “Die Anunnaki, die großen Götter, wie sie da hocken voller Hunger und Durst” wird “Die Götter fürchteten die Flut”. Einige Passagen (aus dem Athrahasis) fehlen (im Gilgamesch) völlig: “Sie (die Göttin) war von Gram zerfressen und dürstete nach Bier” oder “Vom zehrenden Hunger bekam sie Krämpfe”.
Vielleicht sollten wir ja zu diesem Thema einen Thread im Forum aufmachen?, das leider von Tag zu Tag immer verwaister wird.
Kommentar von horst bohse
Im Prinzip stimme ich Horst Bohse zu, im Detail aber nicht. Zunächst einmal ist das Gilgamesh-Epos nicht die einzige Quelle dieses alten Flutgeschehens in Mesopotamien. Es wird auch von Berossos erwähnt und auf etwa 33000 v.Chr. datiert, was praktisch genau vor den BEginn der ägyptischen Götterdynastien des Anfangs passt. Die ursprüngliche Darstellung bezieht sich also nicht auf eine lokale Flut des 4.Jahrtausends v.Chr., sondern auf ein grösseres Ereignis vor etwa 35000 Jahren.
Die Frage, ob dieses Ereignis mit der Sintflut der Bibel identisch ist, ist auch nicht wissenschaftlich geklärt. Die Tatsache einiger Übereinstimmungen der Darstellungen besagt nicht viel, da es sich beim Gilgamesh-Epos um eine Dichtung handelt, bei dem Bericht der Bibel aber um einen Teil der Familiengeschichte von Noah und seinen Söhnen, der ursprünglich in Keilschrift auf Tontafeln geschrieben war und aus demselben Gebiet stammt (siehe: P.J. Wiseman: “Die Entstehung der Genesis Das erste BUch der Bibel im Lichte der archäologischen Forschung”, das von der Theologie ignoriert oder falsch dargestellt wird, z.B. bei Houtman “Der Pentateuch”). Die Abhängigkeit kann also ebensogut umgekehrt bestehen.
Überhaupt sind wir durch die ständige Konfrontation mit dem christlichen Glauben gewöhnt, nur von einer Sintflut auszugehen, während es doch nach dem Zeugnis anderer Völker wie auch wissenschaftlicher Untersuchungen von Strandlinien (Steven Oppenheimer: “Eden in the east”) nach dem Ende der Eiszeit mehrere
Fluten gab, nach meiner ZUsammenstellung:
1.) die des Gilgamesh (etwa 33000 v.Chr.)
2.) die des Deukalion (etwa 12000 v.Chr.)
3.) die des Ogyges (etwa 10000 v.Chr.)
4.) die, in der Atlantis unterging (zwischen 9500 und 8500 v.Chr.)
5.) die des Dardanos (“Schwarzmeerflut”, etwa 6000 v.Chr.)
Inwieweit hierbei Übertreibungen eine Rolle spielten, ist fraglich, denn tatsächlich wurden bei den nacheiszeitlichen Fluten, die zu einem erheblichen Meeresspiegelanstieg führten, dessen genauer Umfang allerdings strittig ist, niedrige Küstengebiete von der Gesamtgrösse eines Kontinents überschwemmt.
Peter Nowak
Kommentar von Peter Nowak