Mysteria3000

Alternative und interdisziplinäre Archäologie im Fokus

ISSN 1619-5744 / 1619-5752 - Impressum - 05.02.2012

Die Steine von Ica

Sie gehören heute zu einem festen Bestandteil der prä-astronautischen- und alternativ archäologischen Literatur, die so genannten Steine von Ica. 1974 war es der Franzose Robert Charroux, der das erste Mal auf die “rätselhafte” Sammlung des Arztes Dr. Javier Cabrera aufmerksam machte. [1]

Der inzwischen verstorbene Cabrera beherbergte in seinem Privatmuseum Tausende von gravierten Steinen, die unglaubliche Szenarien zu zeigen schienen, Dinosaurier und Menschen in scheinbarer Eintracht miteinander, Indios mit Teleskopen und sogar Herzoperationen. Cabrera behauptete, die Steine würden aus unterirdischen Höhlen und Flussbetten stammen, wo sie offensichtlich von den Indios vor sehr langer Zeit versteckt wurden. [2]

Für Charroux war das der Beweis: Hier musste es sich um Relikte einer vorsintflutlichen Kultur handeln, da war er sich sicher, so sicher, dass er in seinem Buch nicht den geringsten Zweifel an der Echtheit der Steine äußerte, und über Cabrera sogar schrieb: “er wird mit Herodot, Plato, Buffon und Boucher de Perthes in eine Reihe gestellt werden, denn er räumt auf mit den falschen Thesen, die bis jetzt über die vorgeschichtlichen Zeiten und die alten Kulturen an den Universitäten gelehrt werden.” [3]

Erich von Däniken war da schon kritischer. Er besuchte schon früh den Fälscher Basilo Uschuya und sah diesem bei der Herstellung eines der Steingravuren über die Schulter. Die Motive für die Steine kamen laut Uschuya aus Illustrierten. [4]

Solche Fälschungen können Touristen noch Heute in Peru kaufen.

Gefälschter gravierter Stein aus Peru

Abb. 1: Gefälschter gravierter Stein aus Peru, mit einem Motiv aus Nasca. Sammlung: André Kramer

Den letzten Schritt ging aber auch Däniken nicht. Er konnte sich nicht vorstellen, das tatsächlich alle diese Steine gefälscht worden wären.

Sind die Steine also alle gefälscht, oder existieren auch echte, alte Steine?

Däniken führte als Beweis dafür, dass es auch alte Steine gibt, eine Oxidationsschicht an, die auf einigen der Gravurrillen zu sehen seien, während eine solche bei frisch hergestellten Gravuren nicht zu sehen ist. [5]

Unter Berufung auf Cabrera behauptete Bernard Roidinger, einige der Steine wären auch in präinkanischen Gräbern von Archäologen gefunden worden, weiter schrieb er, würden die Steine aus “stark verkohltem Andesit bestehen, einem Vulkangestein.” [6]

Hierzu erklärte der Geologe Dr. Heinz Kruparz aber, dass diese Aussage geologischer Unsinn sei, da so etwas wie”verkohltes Vulkangestein” überhaupt nicht existieren würde. [7]

In den 90ern wurde auch eine zweite Sammlung Cabreras bekannt, die aus Tonfiguren bestand, die vorwiegend ähnliche Motive wie die Steine zeigten. Beschrieben wird diese Sammlung dann in etwa zur selben Zeit auch von verschiedenen Autoren. [8]

Und was ist jetzt von diesen Steinen tatsächlich zu halten?

Es lässt sich schlussendlich nicht ausschließen, dass sich unter den Sammlungen auch tatsächlich alte Objekte befinden, aber die unkonventionellen Darstellungen, zum Beispiel von Dinosauriern disqualifizieren sich quasi schon selbst. Bis in die späten 80er nahm man gemeinhin noch an, Dinosaurier wären Schwanzschleifer gewesen, während die neueren Erkenntnisse zeigen, dass sie ihre Schwänze steif in der Luft balancierten.

Alte T-Rex Rekonstruktion in

Abb. 2/3: Alte T-Rex Rekonstruktion in “Känguruhaltung” und neue Rekonstruktion mit steifem Schwanz im Dinoaurierpark Münchehagen.

Die angeblichen Dinosauriergravuren auf den Steinen von Ica zeigen aber noch die Schwanz schleifenden Dinosaurier, wie es zu der Zeit, als die Steine bekannt wurden auch noch allgemein angenommen wurde.

In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass gerade Dr. Hans-Joachim Zillmer die Steine als Beweise für ein Zusammenleben von Mensch und Dinosaurier ansieht, [9] obwohl er doch selber in einem seiner weiteren Bücher explizit darauf hinweist, dass die Dinosaurier eben keine Schwanzschleifer waren.

Die Sammlung des Dr. Cabrera ist letztendlich ein weiteres Beispiel für in fantastische Indizien, die sich bei näherer Betrachtung aber als äußerst fragwürdig erweisen und für jedwede Beweisführung nichts mehr taugen.

Fotos

André Kramer

Anmerkungen

[1] Charroux 1978
[2] Däniken 1999, S. 80 f.
[3] Charroux 1878, S. 20
[4] Däniken 1977, S. 415
[5] Däniken 1977, S. 418
[6] Roidinger 1995, S. 67 in: Magazin 2000 Nr. 105
[7] Kruparz, 1995, S. 7 in: Magazin 2000 Nr. 107
[8] Etwa Däniken 1999 und Langbein 1998
[9] Zillmer, 2001, S. 249-251

Literatur

Charroux, Robert (1978): Das Rätsel der Anden. Düsseldorf und Wien

Däniken, Erich von (1997): Beweise. Lokaltermin in fünf Kontinente. Düsseldorf und Wien

Däniken, Erich von (1999): Zeichen für die Ewigkeit. Die Botschaft von Nasca. München

Krupatz, Dr. Heinz (1995): Leserbrief, in: ‘Magazin2000′, Nr. 107 6/1995

Langbein, Walter-Jörg (1998): Bevor die Sintflut kam. Von Götterbergen und Geisterstädten, von Zyklopenmauern, Monstern und Sauriern. München

Roidinger, Bernard (1995): Der archäologische Beweis: Mensch und Dinosaurier lebten zusammen!, in: ‘Magazin2000′, Nr. 105 4/1995

Zillmer, Hans-Joachim (1998): Darwins Irrtum. Vorsintflutliche Funde beweisen: Dinosaurier und Menschen lebten gemeinsam. München

Zillmer, Hans-Joachim (2002): Dinosaurier-Handbuch. Fakten, Funde, Kontroversen. München

Über den Autor

Andre Kramer

Befasst sich seit 1995 mit den Themen der alternativen Archäologie, veröffentlichte Artikel für verschiedene Zeitschriften, Sagenhafte Zeiten, Incognitas, Q'Phaze, Journal für Ufoforschung, Deguforum und Mysteria3000.

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7 Kommentare

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  1. Diese Steine ist der grösste Mist,den ich in Erichs, Büchern gelesen habe. Vieleicht waren ein paar der Steine echt aber ich denke das die meisten eine Fälschung sind. Ich denke ich könnte sofort ein paar von diesen Steinen selber machen, wie jeder der nur ein Stein in der Hand halten kann. Es wurden angeblich auch c 14 Proben gemacht und ein Alter,bis zu c.a 3000 vor Christus wurde festgestellt. Es könnte schon sein das ein paar davon echt waren aber dieser Mann hat gefälscht,was er auch zugegeben hat,die Indios haben es auch für ihn gemacht. Das traurige ist einfach nur, das keiner mehr interesse hat, an der sache was ich verstehen kann.

    Kommentar von Richard

  2. Andre Kramer schrieb:
    … aber die unkonventionellen Darstellungen, zum Beispiel von Dinosauriern disqualifizieren sich quasi schon selbst. Bis in die späten 80er nahm man gemeinhin noch an, Dinosaurier wären Schwanzschleifer gewesen, während die neueren Erkenntnisse zeigen, dass sie ihre Schwänze steif in der Luft balancierten.
    Die Frage ist, worauf sich diese “neuen Erkenntnisse” stützen, auf die geistige Erleuchtung von Archäologen? Speziell der T_Rex hat so kurze Arme, daß er bei einem in der Luft stehenden Schwanz wahrscheinlich vornüber gekippt wäre, wenn er mit ihnen etwas am Boden liegendes greifen wollen hätte. Sowas müßte sich doch am Computer simulieren lassen. ist das geschehen, und mit welchem Ergebnis?
    Peter Nowak

    Kommentar von Peter Nowak

  3. Der T-Rex hat mit seinen Ärmchen nach nichts gegriffen. Deshalb sind sie ja verkümmert.
    Das die Dinos keine Schwanzschleifer waren, geht aus verschiedenen Punkten hervor. Zum einen aufgrund der effizienz der Fortbewegung, was sich auch mit den Funden versteinerter Spuren (etwa Münchehagen) deckt, bei denen es keinerlei Schleifspuren gibt, zum anderen durch physiologische Merkmale. Schön zu sehen war es bei dem Brachiosaurusskelett in Berlin, bei dem die Schwanzwirbel unnatürlich verkeilt werden mussten, um den Schwanz zum “schleifen” zu bringen. Inzwischen ist es ja umgebaut.

    Ist im übrigen auch schon am Computer simuliert worden, ebenso wie zum Berispiel die Fortbewegungsmöglichkeiten von Flugsauriern etc.
    Findet man häufig was drüber in paläontologischebn Fachzeitschriften.

    Kommentar von André Kramer

  4. Das Thema hat mich in seinen Büchern am meisten genervt, weil sowas ist einfach zu wackelig um soviel drüber zu schreiben.
    Auch wenn es in Texas versteinerte Dino Spuren neben Menschlichen Spuren gibt.
    Es gibt auf der ganzen Welt, Dino(Drachen)-Mensch Zeichnungen.
    Also etwas stimmt nicht mit den Daten aber mit solchen Steinen kommt man nicht wirklich weiter.

    Kommentar von Richard

  5. Bei den Fußspuren handelt es sich um keine menschlichen Abdrücke, das haben sogar die Kreationisten erkannt ;-)
    http://www.wort-und-wissen.de/disk/d86/1/d86-1.pdf

    Kommentar von André Kramer

  6. Vieleicht gibt es auch paar Fehler, in der ganzen sache, aber trotzdem bleiben paar Fragen offen.

    http://www.zillmer.com/galerie.htm

    Ich finde es aber komisch, das es eben auch Hand Abdrücke gibt, genau so wie Shuh Abdrücke, ein Menschlicher Finger ist dort auch zu sehen.
    Auch Katzen Spuren gibt es dort.
    Bin weder ein Kreationist noch einer vin der Kirche, mich interessiert wirklich die Wahrheit.
    Ich finde das Wissenschaft der richtige Weg ist und halte von dem Kampf zwischen Gott und Darwin einfach lächerlich.
    Ich denke auch das man beides braucht um eines zu verstehen und auch um weiter zu kommen.

    Kommentar von Richard

  7. wenn der erste diskutant meint ,er könne beim ersten in die hand nehmen einen solchen stein selber machen dann ist das offensichtlich brutale selbstüberschätzung,
    ich habe diese sammlung selbst besucht,steine türmen sich in unterschiedlichster größe zu tausenden in den räumen und wenn man selbst versucht in der region ICA,einen solchen nachgemachten stein zu erhalten ,dann gibt es diese replicas eben einfach nicht,und wäre es nicht ein echter touristengag, den wenig vorhandenen
    touristen dieser gegend diese nachbildungen anzubieten,
    aber warum gibt es diese dinge nicht ? ,also nichts mit gewinnbringendem nachmachen!
    anders bein den scharrbildern von NASCA,der abgebildete stein mit dem affenschwanz gehört zu einem scharrbild aus NASCA,und das ist klassische touristenware !
    das 130 km entfernt von ICA liegt und hat mit den genannten steinen von ICA wohl absolut nicht zu tun,

    Kommentar von riffelblech

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