Mysteria3000

Alternative und interdisziplinäre Archäologie im Fokus

ISSN 1619-5744 / 1619-5752 - Impressum - 22.05.2012

Die kolumbianischen Goldflieger

Unter den vielen wertvollen Goldschätzen die uns von den alten südamerikanischen Kulturen erhalten blieben und nicht von den spanischen Eroberern eingeschmolzen wurden, werden vor allem einige wenige kleine Schmuckstücke im Tolima- und Quimbaya Stil von den Vertretern der PaläoSETI diskutiert, die in kolumbianischen Schachtgräber gefunden wurden und auf die Zeit um 100-1000 n. Chr. datieren. [1]

Goldflieger aus dem Völkerkundemuseum Berlin.

Abb 1.: Goldflieger aus dem Völkerkundemuseum Berlin.

Diese Schmuckstücke weisen recht merkwürdig anmutende Formen auf und erinnern auf dem ersten Blick sofort an moderne Flugzeugkonstruktionen. Deltaförmige Flügel und senkrechte Heckflossen lassen im Grunde nicht auf natürliche Formen schließen und vermitteln den Eindruck künstlicher Konstruktionen. Die Wissenschaftler sehen das natürlich ein wenig anders, und so heißt es als Bildunterschrift zu einem diese merkwürdigen Objekte, das im Bremer Überseemuseum ausgestellt ist, lediglich:

“Anhänger aus Gold, geflügeltes Krokodil” [2]

Auch in einer Sonderausstellung des Kestner-Museums in Hannover 1979 gab es einige Exemplare dieser merkwürdigen Schmuckstücke zu sehen. Im Begleitband zur Ausstellung heißt es über diese Objekte ganz ähnlich:

“Serie von sechs Anhängern in Fischform” [3]

Eine Erklärung, bei der man das Gefühl hat, man hätte es sich hier ein wenig leicht gemacht. Aber auch andere Wissenschaftler ordnen diese Objekte als “Tiersymbole” ein [4]. Es ließe sich mit Sicherheit auch darüber spekulieren, es wären in Wirklichkeit tatsächlich exotische (fliegende) Fische dargestellt worden, doch eine tatsächliche goldene Fischdarstellung dieser Zeit [5] weist so gut wie gar keine Ähnlichkeit mit den Objekten auf, die in PaläoSETI-Kreisen als “Goldflieger” bezeichnet werden.

Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich allerdings zwischen Goldfliegern und zum Beispiel dem bis zu 2,50 langen und im Atlantik und Mittelmeer verbreiteten Meerengel erkennen, doch auch hier existieren einige anatomische Unterschiede.

Der Meerengel.

Abb 2.: Der Meerengel.

Goldflieger zum Vergleich.

Abb 3.: Goldflieger zum Vergleich.

Als erster war es wohl der amerikanische Biologe Dr. Ivan T. Sanderson, dem die Ähnlichkeit zwischen Flugzeugen und den Goldfliegern auffiel und der sich die Frage stellte, ob hinter dieser verblüffenden Ähnlichkeit wohl mehr als nur ein bloßer Zufall stecken würde [6].

Einige Vertreter der PaläoSETI, vor allem die beiden Autoren Peter Belting und Algund Eenboom hatten sich nun zum Ziel gesetzt, zu beweisen, dass es sich bei den Goldfliegern in der Tat um kleine Flugzeugmodelle handelt. Sie fertigten maßstabsgetreue Modelle dieser Schmuckstücke an und [7] bauten einen Motor ein und starteten erfolgreiche Flugversuche [8]. Offensichtlich scheinen diese Goldflieger tatsächlich über für das Fliegen sehr geeignete aerodynamische Eigenschaften aufzuweisen. Dies wurde auch von mehreren technischen Wissenschaftlern aus New York [9] bestätigt.

Doch ist dieser Führspruch durch einige Wissenschaftler ein zweischneidiges Schwert. Einerseits scheinen diese Expertenmeinungen die PS-These über die Goldflieger zu untermauern, andererseits stammen diese Urteile nur von Wissenschaftlern technischer Gebiete. Sie können nur aus ihrem beruflichen Umfeld urteilen, andererseits fehlt ihnen das nötige Wissen um die nötigen kulturellen Zusammenhänge, für ein umfassendes Urteil. Hier müssten gemeinsame Arbeiten zwischen Ingenieuren und Geschichtswissenschaftlern versuchen, weitere Erkenntnisse zu gewinnen, doch scheint eine solche mögliche Zusammenarbeit momentan noch in weiter Ferne zu liegen.

Kritikern die behaupten, Eenboom und Belting hätten ihre Modelle ein wenig abgeändert um sie flugtauglicher zu machen, konkret geht es dabei um Aussparungen an den Flügeln eines der Schmuckstücke, die an den Modellen weggelassen wurden [10] entgegneten die beiden Forscher, dass diese spiralförmige Aussparung nur auf den Repliken vorkommt, das Original-Objekt diese “Zierde” nicht aufweisen würde [11].

Die These der PaläoSETI ist die, bei den Goldfliegern handelt es sich um Modelle tatsächlicher Flugzeuge, mit denen Außerirdische Besucher auf der Erde durch die Lüfte flogen. Die Beobachter auf der Erde verstanden das ganze Schauspiel nicht und hielten die Flugzeuge bzw. deren Insassen für ihre Götter, ein typischer Cargo-Kult entwickelte sich also, so die Vertreter Der PaläoSeti [12].

Soviel Mühe auch mit den Modellen aufgewendet wurde, sosehr die Cargo-Kult-These auch passen zu scheint, ein tatsächlicher Beweis für die These, bei diesen Goldobjekten würde es sich um die Nachbildungen tatsächlicher Flugzeuge vor Jahrhunderten handeln steht bislang noch aus. Doch als ein ordentliches Indiz können die “Goldflieger” zum gegenwärtigen Zeitpunkt durchaus gewertet werden.

Anmerkungen

[1] König 1996, S. 97
[2] König 1996, S. 97
[3] Bray 1979, S. 207
[4] Biedermann 1992, S. 113-114
[5] Ausgestellt im Berliner Völkerkundemuseum in der Goldkammer.
[6] Fiebag, Eenboom, Belting 2004, S. 116
[7] Von denen eines heute als Emblem der A.A.S. (Forschungsgesellschaft für Archäologie. Astronautik und SETI, ehemals Ancient Astronaut Society) verwendet wird.
[8] Eenboom 1998, S. 7-14
[9] Fiebag 1985, S. 106
[10] Schirawski 2003, S. 29-30
[11] Fiebag, Eenboom, Belting 2004, S. 185
[12] Dazu unter anderem bei: Roth 2002, S. 40-41

Literatur

Biedermann, Dr. Hans: Rätselhafte Vergangenheit. Geheimnisvolle Spuren aus früherer Zeit, Augsburg 1992

Bray, Dr. Warwick: Eldorado – Der Traum vom Gold, Hannover 1979

Eenboom, Algund: Über den Gipfeln der Anden (in: Sagenhafte Zeiten 1/98)

Fiebag, Peter, Algund Eenboom und Peter Belting: Flugzeuge der Pharaonen, Rottenburg 2004

Fiebag, Johannes und Peter (Hrsg.): Aus den Tiefen des Alls, Tübingen 1985

König, Viola (Hrsg.): Menschen, Meere, Kontinente-die Erde in 80 Minuten, München, Berlin 1996

Roth, Roland: Hightech aus der Vorzeit-Das Gold der Inka und die Vielzahl der Goldflugzeuge (in: Wissenschaft ohne Grenzen 1/02)

Schirawski, Nicolai: 7 Dinge die es nicht geben dürfte. Oder? (in: P.M. 7/03)

Über den Autor

Andre Kramer

Befasst sich seit 1995 mit den Themen der alternativen Archäologie, veröffentlichte Artikel für verschiedene Zeitschriften, Sagenhafte Zeiten, Incognitas, Q'Phaze, Journal für Ufoforschung, Deguforum und Mysteria3000.

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3 Kommentare

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  1. @Andre Kramer
    Lieber Andre,
    das mit dem “kulturellen Umfeld” ist zwar nichts neues, hatte ich aber, glaube ich, hier noch nicht kritisiert, deshalb also hier mein Einwand:

    Es handelt sich nicht um ein wissenschaftliches Argument, sondern um eine pseudo-wissenschaftliche Phrase! Nimmt man diese Phrase als Hauptprüfkriterium, wie es viel zu häufig geschieht, dann kommt man natürlich zwangsläufig zu dem ERgebnis, daß es in so frühen Kulturen keine Modelle von Fluggeräten gegeben haben kann. Genau das ist aber der Punkt: Es wird nicht VORURTEILSFREI untersucht, OB es solche Modelle sind, (und genau dazu haben sich die Experten geäußert und dafür sind Archäologen usw. natürlich nicht kompetent), sondern es wird UNTERSTELLT, daß dies nicht der Fall sein kann! Mit anderen Worten: Es handelt saich um einen Verstoß gegen grundlegende wissenschaftliche Prämissen:
    Vorurteilsfreiheit und das Gesetz der Methodik!
    Es ist geradezu ein Muster von Pseudowissenschaft! Das Vorgehen, die Objekte von Flugsachverständigen prüfen zu lassen, war also wissenschaftlich völlig korrekt, Deine Kritik daher unberechtigt! Wenn nämlich in alten Zeiten wirklich ein Kontakt unserer Vorfahren mit einer höheren Intelligenz (ob von den Sternen oder von der Erde, sei dahingestellt) stattfand, dann MUSS sich dies zwangsläufig in solchen kulturellen Anachronismen niederschlagen (ich glaube, englisch nennt man die WTOs, wrong time objekts oder so ähnlich). Daher ist unsere Suche nach solchen Faktoren wissenschaftlich, während der Verweis auf den kulturellen Kontext unwissenmschaftlich ist. Vielleicht solltet Ihr mal bei Eurer örtlichen KVHS nachfragen, ob sie einen Grundkurs “Wissenschaft” für Anfänger anbieten.

    Peter Nowak

    Kommentar von Peter Nowak

  2. Hallo Peter

    Habe seit einigen Wochen kein Internet zuhause, kann deshalb nicht immer gleich reagieren, hierzu möchte ich dir aber trotzdem antworten.

    Mir scheint, dass dir wissenschaftliche Methodik weit weniger bekannt ist, als du es mir unterstellst (habe gerade ne Mail von meinem Prof bekommen, indem er mir zu meinem Verständnis der qualitativen Heuristik und ihrer Anwendung gratulierte) – Offenheit in der Wissenschaft bedeutet nicht, dass man prinzipiell jeder Aussage gegenüber offen sein soll, sondern seinem Forschungsgegenstand! Das bedeutet im Klartext, dass ich ohne Vorurteile an meinen Forschungsgegenstand heran gehe, bzw. mein Vorverständnis von diesem im Zuge meiner Untersuchungen sich wandelt.
    Ich habe das Gefühl, dass das bei dir nicht der Fall ist, du erklärst alles, was augenscheinlich deinem Weltbild entspricht auch als wahr, ohne kritische Reflexion. Darüber täuscht auch deine Polemik hier nicht hinweg.
    Und jetzt mal Klartext: Die Forderung nach Beachtung des kulturhistorischen Kontext ist mit nichten eine leere Phrase, sondern eine wissenschaftlich zwingende Forderung. Nur aus der Vorstellungswelt der betroffenn Kulturen heraus können wir auch deren Werk verstehen (und ggf. anachronistische Fremdobjekte identifizieren).
    In diesem Kontext folge ich Gerhard Kleinings Intersubjektivitäts-Defibition, die Intersubjektivität immer im geschichtlichen Kontext verortet und gültig macht.
    Das iderspricht eindeutig deiner Art von Deduktion, ausgehend von einem allgemeinen Hauptsatz übertragen auf Fälle wie die Golflieger.
    Tatsache ist, die Goldflieger (und das habe ich im Artikel auch betont)lassen sich momentan durchaus noch als ein mögliches Iniz für die PS werten stellen für mich sogar noch eines der vielversprechensten dar), aber aufgrund der Aussage einiger Techniker hier von einer tatsächlichen Abbildung von Flugobjekten zu sprechen, ist nicht gerechtigfertigt.
    Zum einen sind Techniker nunmal nicht genau die richtigen, um dies zu entscheiden, da ihnen nunmal die grundlegenden geschichtlichen Knntnisse fehlen (höchstens die Zusammenarbeit zwischen Historikern und Technikern würde Sinn machen), zum anderen ist deren Argumentation auch alles andere als zwingend. Aerodynamik ist schließlich keine Erfindung des Mnschen, sondern taucht in der Natur seit Anbeginn auf, in diesem Sinne würde zum Beispiel die stilisierte Darstellung von Rochen logischerweise auch aerodynamische Formen aufweisen.
    Auch übersiehst du den wichtigen Punkt, dass nicht alle “Goldflieger” diese “Jetform” zeigen, es gibt auch welche, bei denen die vermeintlichen Flügel nach vone gekrümmt sind und damit dem Postulat der modernen Jetform völlig widersprechen. Diese müssen natürlich von deiner Seite aus ausgeklammert (oder erklärt) werden. Klammerst du sie einfach aus, wiedersüprichst du damit auch wissenschaftlichen Prinzipien. Im kritischen Rationalismus musst du eine ypothese an ihrer schwierigsten Konsequenz prüfen das wäre dieser Fall (!) und in den heuristischen Verfahren hast du die 100%-Regel bei empirischen Datenerhebungen. Nichts darf unter den Tisch fallen.

    Kommentar von André Kramer

  3. Lieber Andre,
    was Dein Prof Dir mitteilt interessiert mich nicht besonders. Was Du hier zum Besten gibst schon eher: Du erklärst damit ein Vorurteil zur Wissenschaft und das disqualifiziert Dich. Im Übrigen:

    aufgrund welcher Fakten kommst Du denn zu der Behauptung, ich würde alles, “was augenscheinlich” meinem “Weltbild entspricht auch als wahr” (erklären), “ohne kritische Reflexion”. Wenn Du solche Behauptungen aufstellst, mußt Du sie beweisen, ansonsten sind es nur Diffamierungen und disqualifizieren Dich und deine “vorurteilsfreie” Betrachtungsweise.

    Und weiter: Meine Ausführung war nicht “polemisch”!

    Dann schreibst Du:

    “Nur aus der Vorstellungswelt der betroffenn Kulturen heraus können wir auch deren Werk verstehen (und ggf. anachronistische Fremdobjekte identifizieren).”

    Das entspricht genau dem, was ich geschrieben hatte:

    “Wenn nämlich in alten Zeiten wirklich ein Kontakt unserer Vorfahren mit einer höheren Intelligenz … stattfand, dann MUSS sich dies zwangsläufig in solchen kulturellen Anachronismen niederschlagen”

    Das ist aber etwas ganz anderes, als “Beachtung des kulturhistorischen Kontext”, zumindest wie er hier und auf einigen Seiten (ich such jetzt die Links nicht raus, aber ich empfehle die Palenque-Seiten, von denen eine auch hier als Artikel erschienen ist, mal daraufhin durchzusehen) praktiziert wird. Ich halte Deine Antwort daher für scheinheilig! Tatsächlich wird die Phrase von wissenschaftlicher Seite so interpretiert, daß alle Erscheinungen im Rahmen dieses Kontext erklärt werden müssen, nicht so, daß im Rahmen dieses Kontext nach Anomalien geforscht werden muß! Das Letztere ist PSH-Methodik, nicht Eure! Aber selbst wenn das ignorieren würde, wäre die Formulierung dieser Phrase in der gegebenen Form total mißverständlich und schon deshalb wissenschaftlich abzulehnen (wissenschaft muß unmißverständlich sein, habe ich mal irgendwo mitgekriegt).

    Mein lieber Andre, Methodik ist wirklich nicht Deine Stärke, aber vielleicht taugt ja Dein Prof nichts. Ich kenne die Abbildungen mit den nach vorne gekrümmten Flügeln. Deine Unterstellung ist aber schon wieder falsch. Nicht die Flügel sind für die Deutung als Fluggeräte ausschlaggebend (danach könnten es auch Insekten sein!), sondern die Heckflosse. Im übrigen gab es schon in WW II Flugzeuge mit nach vorne gekrümmten Flügeln, das Kriterium besagt also gar nichts. Aber selbst wenn diese speziellen Objekte KEINE Fluggeräte darstellen WÜRDEN, würde dies in Bezug auf die Deutung der anderen gar nichts aussagen. Her geht es nicht um Statistik, sondern um Einzelfälle.

    Und schließlich: Flugzeugingenieure und -techniker sollen NICHT die richtigen Leute zur Klärung der Frage sein, ob es sich um Fluggeräte handeln könnte??? Hast Du noch mehr solche Witze auf Lager? Was genau studierst Du eigentlich?
    Peter Nowak

    Kommentar von Peter Nowak

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