Mysteria3000
Alternative und interdisziplinäre Archäologie im Fokus
ISSN 1619-5744 / 1619-5752 - Impressum - 10.02.2012
Manna-Maschine und Gral – Neue Entdeckungen
Ergänzungen von Ulrich Magin zu seinen Recherchen rund um den Themenkomplex “Manna-Maschine und Gral”, die unter dem Titel “Brezeln aus dem Weltraum” veröffentlicht wurden.
Manna-Maschine und Gral – Neue Entdeckungen
von Ulrich Magin [i]
Meine Forschungen zum Themenkomplex “Manna-Maschine und Gral” sind in den letzten Jahren nicht nur in verschiedenen Zeitschriften, sondern auch auf mehreren Seiten im Internet erschienen. [1] Seit der letzten gültigen Version haben sich verschiedene neue Aspekte ergeben, die ich hier anführen möchte; darunter auch ein (gewagte) These zur Provenienz der Gralserzählung bei Wolfram von Eschenbach. Um die Lesbarkeit des Textes nicht stets durch immer neue Fakten einzuschränken, folgen diese neuen Entdeckungen, welche die bereits gemachten Argumente vertiefen, bekräftigen oder im besten Falle beweisen, stichwortartig:
Unterkapitel
1. Hätte die Manna-Maschine funktioniert?
Dass die Manna-Maschine nicht funktionieren kann, zeigt recht anschaulich Frank Dörnenburg auf seiner Homepage im Internet: www.fdoernenburg.de
Schließlich – und das ist sogar noch wichtiger – hat die moderne Archäologie durch Ausgrabungen in Ägypten, auf dem Sinai und in Israel nachweisen können, dass es den Exodus nie gegeben hat, er ist eine Sage, die gegen Ende des 7. vorchristlichen Jahrhunderts formuliert wurde. Eventuell auf Grundlage einer gesamtkanaanitischen Erinnerung an die Vertreibung der westsemitischen Hyksos aus Ägypten. [2]
2. Dale und Pennick
In einer Diskussion auf dem ehemaligen AAS-Forum meinte Dr. Johannes Fiebag, ich hätte die Geschichte von Dales Besuch bei Nigel Pennick frei erfunden. Es sei eine “Rachegeschichte”, Dale sei nie in Pennicks Institut in Cambridge gewesen. In seinem Aufsatz ‘Die Manna-Maschine’ [3] gibt Rodney Dale diesen Besuch aber zu:
“Auf unserer Erde werden derzeit vier Forschungszentren für Algenkulturen betrieben – eines davon in Cambridge, wo ich lebe. Ich ging also zu dem Direktor des Instituts und befragte ihn über die Chorella-Algen.”
Genau das hatte Pennick auch geschrieben, genau so ist es bei mir zu lesen gewesen.
3. Was war das Manna?
Brauchte es überhaupt eine Maschine, um Manna zu erzeugen? In verschiedenen Versionen meines Aufsatzes habe ich alle Stellen der Bibel zitiert, die vom Manna sprechen, dazu Texte aus dem Talmud, dem Koran und von dem jüdischen Geschichtsschreiber Josephus. Es zeigte sich, dass das Manna außerhalb des Lagers aufgesammelt wurde, nicht aber aus irgendeinem Behälter quoll.
Josephus gab sogar an, das Manna sei noch zu seiner Zeit in der Wüste zu finden gewesen: “Noch bis auf den heutigen Tag fällt in jener ganzen Gegend diese Substanz nieder, wie sie Gott damals dem Moyses zu Gefallen als Nahrung bescherte.” Diese Angabe wird von vielen Reisenden bestätigt.
Der Mainzer Dekan Breitenbach, der 1483 zum Sinai gepilgert war, schreibt:
“Dasselbe Himmelsbrot fällt morgens gegen Tag eben wie Tau oder Reif und hänget tropflicht an dem Gras, den Steinen und den Ästen der Bäume. Und es ist süß wie Honig und hänget und klebet an den Zähnen so man es isst, und wir kauften davon viel Stück.”
Der deutsche Botaniker G. Ehrenberg stellte 1823 fest, dass dieses Manna nichts anderes war als ein Sekret des Tamariskenbaums – die Erklärung, die heute unter Theologen und Wissenschaftlern allgemein akzeptiert wird. Ein Jahrhundert später stellten die Botaniker Friedrich Simon Bodenheimer und Oskar Theodor fest, dass dieses Sekret Form und Größe des Koriandersamens hat und süß wie Honig schmeckt. Die Beduinen nennen es Mann es-sama, Manna vom Himmel. [4]
Tamarisken wachsen nur auf der Halbinsel Sinai. Das erklärt, warum das Manna nicht mehr herabfiel, als die Israeliten die Wüste verließen: Das letzte Mal gab es Manna in der Ebene von Jericho (Josua 5:10-12):
“(10) Und als die Kinder Israel in Gilgal das Lager aufgeschlagen hatten, hielten sie Passa am vierzehnten Tage des Monats am Abend im Jordantal von Jericho (11) und aßen vom Getreide des Landes am Tag nach dem Passa, nämlich ungesäuertes Brot und geröstete Körner. An eben diesem Tage (12) hörte das Manna auf, weil sie jetzt vom Getreide des Landes aßen, so dass Israel vom nächsten Tag an kein Manna mehr hatte. Sie aßen schon von der Ernte des Landes Kanaan in diesem Jahr.”
Gerade jetzt, wo es endlich Wasser in Hülle und Fülle gibt, stellt die Maschine, die auf Wasser geradezu versessen ist, ihre Produktion ein.
4. Das Manna als Speisewunder
Wenn es wirklich “Manna” gibt – warum wird es in der Bibel als Wunder behandelt, wo es doch noch heute jedem Beduinen wohl bekannt ist?
Das Manna war nicht die einzige wunderbare Speise, die Jahwe den Gläubigen sandte. Elijah z.B. erhält während einer Dürrezeit von Raben Brot (1 Könige 17: 1-6), während der selben Dürreperiode werden der Wasserkrug und der Mehlkrug einer Witwe nie leer, weil sie Elijah mit Speise versorgt hat (1 Könige 17:7-16; oder war der Mehlkrug etwa die Manna-Maschine?); ein Engel bringt Elijah Brot und Wasser (1 Könige 19:3-9); die Frau eines Kameraden des Propheten Elischa hatte einen niemals versiegenden Ölkrug (2 Könige 4:1-7); schließlich bewirkt Elischa gar – wie Jesus – eine wunderbare Brotvermehrung (2 Könige 4:42f.).
Im Neuen Testament haben wir dann bei den vier Evangelisten die Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung und vom Wunderwein zu Kana (Johannes 2) – hier haben die Autoren Jesus nach dem Modell der Propheten des Alten Testaments geschildert, als zweiten Moses, der den neuen Gottesbund schließt. Die wunderbare Brotvermehrung ist Jesus “Manna-Episode”.
Speisewunder finden also im Alten Testament recht zahlreich statt, die Geschichte vom Manna ist nur eine davon. Das zeigt, dass es sich bei der Manna-Geschichte auch um eine Parabel handelt, die verdeutlichen soll, wie sehr sich Gott um seine Geschöpfe kümmert.
5. Schechina
Neben Altem und Neuem Testament, Talmud und Kabbala erwähnt auch der Koran die Schechina (arab.: Sakinat), und zwar an sechs Stellen in drei Suren. Jedes Mal bedeutet das Wort den Frieden Gottes in der Welt, nie aber kann man einen Verweis auf eine wie auch immer geartete Maschine daraus lesen:
Sure 2, Vers 249: “Das Zeichen seines Königtums ist, dassdie Lade zu euch kommt, in der Gottesruhe von eurem Herrn (Sakinat) ist.”
Sure 9, Vers 26: “Dann hat Allah Seine Gottesruhe (Sakinat) auf seinen Gesandten (Muhammad) herabgesandt und auf die Gläubigen.”
Sure 9, Vers 40: “‘Sei nicht traurig, Allah ist ja mit uns!’, da sandte Allah seine Gottesruhe (sakinat) auf ihn (Muhammad).”
Sure 48, Vers 4: “Und er ist es, der die Gottesruhe (sakinat) in die Herzen der Gläubigen hinabsandte.”
Sure 48, Vers 18: “Er (Allah) hat die Gottesruhe (sakinat) herabgesandt auf sie.”
Sure 48, Vers 26: “da sandte Allah seine Gottesruhe (sakinat) herab auf seinen Gesandten und auf die Gläubigen.”
Arabische Gelehrte haben Kommentare zu fast jedem Wort des Korans geschrieben. Elpherar sagt, das Wort Sakinat in Sure 9,26, bedeutete “Sicherheit und Ruhe” und in seinem Kommentar zu Sure 48,4 schreibt er: “Ben Abbas sagt, das Wort Sakinat bedeutet im Koran immer Ruhe außer in der zweiten Sure.” [5] Manche deen Koranübersetzungen schreiben statt Gottesruhe auch “Frieden” oder “Ruhe”.
6. Die Tempelritter und die “Manna-Maschine”
Die Brüder Fiebag behaupten, die Manna-Maschine sei in der Bundeslade aufbewahrt worden. [6] Die Templer hätten sie dann 1127 bei Ausgrabungen unter dem Jerusalemer Tempelberg gefunden. Nehmen wir die These der Brüder Fiebag einmal ernst:
Die Bundeslade ist im Laufe der babylonischen Gefangenschaft verschwunden. Ob sie nun von den Israeliten versteckt wurde oder die Babylonier sie geraubt haben, ist einerlei: Es gibt – zumindest in der Bibel – keinen Beleg für die Existenz der Lade in nachbabylonischer Zeit. Damit die Manna-Maschine unter dem Tempel versteckt werden konnte, musste sie also aus der Lade genommen worden sein. So wie es in keiner heiligen Schrift, die das Manna erwähnt (Bibel, Talmud, Koran und Sohar) Hinweise auf eine Manna-Maschine gibt, so fehlt auch jede Erwähnung einer Trennung von Lade und irgendeinem Gefäß darin. Mehr noch: Es gibt eine Liste der Tempelgeräte, welche im 6., Jahrhundert v. Chr. nach Ende des Exils wieder nach Jerusalem gebracht wurden (Esra 1:8-11). Die Manna-Maschine wird darin ebenso wenig erwähnt, wie in ähnlichen Listen (zur Ausstattung des ersten und zweiten Tempels) bei Josephus.
Zwischenbilanz: Die Lade war verschwunden. Warum also nicht die Manna-Maschine mit ihr? Wenn es Manna-Maschine gab, musste sie mit der Bundeslade verschwunden sein. Oder es musste eine Idee von der Trennung von Lade und Mannakelch erhalten sein. Das ist aber nicht der Fall.
Im besten Falle wäre die Manna-Maschine also mit der Lade verschwunden. Sie läge dann entweder verborgen irgendwo in Israel oder in Babylon.
Erich von Däniken [7] versucht die Spur der Lade mit Hilfe des faszinierenden Nationalepos der Äthiopier – dem Kebra Negest – wieder aufzunehmen. Im Kebra Negest wird berichtet, Salomon habe ein Duplikat der Bundeslade angefertigt welches in Jerusalem verblieb, während das Original der Königin von Saba als Geschenk mit nach Äthiopien mitgegeben wurde.
An dieser Stelle ist anzumerken, dass diese Geschichte nur durch das um das 5. Jahrhundert entstandene äthiopische Nationalepos überliefert wurde (das Alte Testament berichtet hiervon nichts) und sich die Mythen um die Königin von Saba ohnehin nachweislich auf den Jemen beziehen. [8] Zudem: Die äthiopische Überlieferung alleine kann die Anwesenheit der echten Bundeslade nicht belegen, denn die Khasaren hatten ebenfalls eine derartige Überlieferung.
Das Reich der Khasaren, ein jüdisches Königreich an Don und Wolga, existierte nur wenige Jahrhunderte. Aus der Zeit von 954-961 ist die “Khasaren-Korrespondenz” überliefert, ein hebräischer Briefwechsel zwischen Hasdai Ibn Schaprut, dem jüdischen Großwesir des Kalifen von Cordoba, und Joseph, dem König der Khasaren. Joseph berichtet darin von seinem Vorfahren Bulan, der “ein heiliges Tabernakel [baut], das mit einer geheiligten Lade (der ‘Arche des Bundes’) … und heiligen Geräten ausgestattet ist, die bis auf diese Tage aufbewahrt worden sind und sich noch immer in meinem Besitz befinden.” [9]
Wie immer, wenn man Mythen wörtlich nimmt, ohne dabei den kritischen Verstand des Historikers einzusetzen, stößt man auch Vagheiten, Varianten, Unsicherheiten.
Aber die Brüder Fiebag behaupten ja, Lade und Manna-Maschine seien getrennt worden, letztere hätten die Templer unter dem Tempelberg in Jerusalem entdeckt. Diese Entdeckung hätte sowohl zu dem Gerücht vom Baphomet wie zu den Gralsepen geführt. Folgen wir weiter dieser These, für die es – man kann es nicht oft genug betonen – nicht den geringsten Hinweis gibt:
Die Manna-Maschine verblieb also im Tempel, während die Lade verschwand. Sie verblieb im Tempel, der von den Babyloniern bis auf die Grundmauern verwüstet wurde. Sie verblieb im Tempel, als dieser von den aus dem babylonischen Exil zurückkehrenden Juden wieder aufgebaut wurde. Sie verblieb im Tempel, als der zweite Tempel abgerissen und von Herodes dem Großen der prächtige dritte Tempel errichtet wurde. Ein jedes Mal überlebte die Manna-Maschine in den Trümmern. Aber alle Bibelautoren, alle jüdischen und heidnischen und frühchristlichen Autoren haben nie auch nur eine Zeile über die Manna-Maschine, übrigens das einzige Artefakt welches vom ersten vom Tempel übrig blieb, geschrieben.
Im Jahre 70 n. Chr. zerstörte Titus Flavius Vespasianus den Tempel von Jerusalem. Er plünderte den Tempelschatz. Am Forum in Rom ließ er den Titusbogen errichten, der seine widerliche Plünderung stolz verewigte. Der Titusbogen zeigt in Reliefs den gesamten gestohlenen Tempelschatz: die Kultgeräte, die Menora, Gefäße. Die Manna-Maschine zeigt er nicht.
Also versteckten die Juden die Manna-Maschine rechtzeitig vor den Römern. Das geschah mit einigen Tempelschätzen so. Glücklicherweise hat sich in den Höhlen von Qumran am Toten Meer die Schriftrolle (die sogenannte Schatzrolle) erhalten, in der jedes Versteck jedes einzelnen Kultnapfes genau beschrieben ist.
Aber auch jetzt wird nichts erwähnt, was auch nur im Entferntesten der von Dale, Sassoon und den Fiebags behaupteten Manna-Maschine ähnelt. [10] Die Juden vergaßen, die Manna-Maschine zu verstecken. Und die Römer bemerkten sie offenbar nicht.
Nehmen wir ein letztes Wunder an:
Die Manna-Maschine wurde weder versteckt noch von den Römern geraubt. Sie blieb erneut in Jerusalem. So exotisch sie war, so unauffällig scheint sie für alle Geschichtsschreiber zu sein, inklusive Josephus, der im Krieg gegen Titus focht und der außerordentlich fromm war. Sie verblieb im Tempel. Der letzte jüdische Aufstand fand unter dem Messias Bar Kochba 130-135 statt. Nach der Niederschlagung der Rebellen wurden die Juden für immer aus Jerusalem verbannt, die Heilige Stadt wurde römische Militärkolonie. Wieder überlebte – als einziges – die Manna-Maschine. Die Römer, die sicherlich alle Räume und Keller unter dem Tempel untersuchten, weil sich dort Aufständische verbergen könnten, fanden nichts. Keiner ihrer Historiker erwähnt die Manna-Maschine auch nur in einem Nebensatz.
1119, so die Brüder Fiebag, ziehen die Templer nach Jerusalem. 1127, knappe acht Jahre später, haben sie “die Manna-Maschine gefunden”. [11] Ein wahrhaft außergewöhnliches Relikt!
7. Baphomet
Die Templer wurden der Ketzerei angeklagt: Sie huldigten dem Baphomet – man klagte sie an, sie seien Muslime geworden. Das nun gerade nicht, so die Fiebags, aber den Baphomet hätten sie schon angebetet: Der nämlich sei die Manna-Maschine gewesen.
Es brauchte weder Blasphemie noch eine Manna-Maschiene, um den französischen König gegen sich aufzubringen: Er war geld- und machtgierig und von wüsten Ressentiments zerfressen: Bevor er sich an die Templer machte, hatte Phillip der Schöne bereits die Juden aus Frankreich vertrieben, um sich deren Vermögen anzueignen. [12] Wir müssen den Geschichten um den Baphomet keinen Glauben schenken, vermutlich glaubte Philipp selbst nicht daran: Er war ein Tyrann, der mordete und vertrieb und das heuchlerisch mit seiner “Rechtgläubigkeit” rechtfertigte. Doch Zeitgeschichte ist bei den Fiebags ausgeklammert, weil der Kontext ihre Schlussfolgerungen negiert.
Im Übrigen ist – auch wenn Johannes Fiebag immer wieder dagegen polemisiert hatte – längst erwiesen, was das Wort Baphomet bedeutet, nämlich Mohammed – ganz so, wie ich das festgestellt hatte. Wie Jörg Dendl herausgefunden hat, taucht das Wort Baphomet zum ersten Mal in einem Bericht von Anselm von Ribemont aus dem Jahre 1098 auf. [13] Der französische König hat den Templern also vorgeworfen, Muslime geworden zu sein. Das ist natürlich eine reine Erfindung, denn die Templer blieben immer Christen. Es braucht aber keine Manna-Maschine mehr, um zu erklären, warum die Templer einen Baphomet angebetet hätten – das Ganze sollte eigentlich nur zeigen, dass sie vom Glauben abgefallen und Heiden geworden wären.
8. Arthus und der Gral
Wie wurde der Gral in die Geschichte von König Arthus und seiner Tafelrunde eingeflochten? Muss man die Gralsritter mit den Templern gleichsetzen oder den Gral mit der Manna-Maschine?
“In einem walisischen Gedicht des 10. Jahrhunderts, ‘The Spoils of Annun’ aus dem Zyklus ‘Das Buch des Taliesin’, stielt Arthur einen diamantbesetzten Zauberkelch aus Annwn, der Unterwelt der Kelten”. [14]
Zweihundert Jahre vor den Templern ist Arthus also schon im Besitz der heidnischen Version des Grals, von der Manna-Maschine, welche die Templer angeblich erst 1127 entdeckten, kann noch keine Rede sein.
9. Der Koran als Quelle Wolframs
Dass der Koranbericht über den Brot erzeugende Tisch Jesu die Quelle der Gralserzählung Wolframs gewesen sein könnte, war bisher nur eine Vermutung von mir, nun aber kann es mit Sicherheit als Fakt akzeptiert werden. Wir erinnern uns: Zu der Quelle von Wolfram (welche die Fiebags für eine Aufzeichnung aus vorgeschichtlicher Zeit halten) gibt es mehrere Angaben:
Es muss
- ein “heidnisches” Buch sein,
- aus Toledo stammen,
- zu seinem Verständnis ist eine Kenntnis des Arabischen und des christlichen Glaubens nötig,
- der Verfasser Flegetanis war Jude (“aus Salomos Geschlecht”) und
- Naturwissenschaftler, schließlich stand das Buch
- in Verbindung mit den Tempelrittern (“Templeisen”).
Die erste Übersetzung des Korans, die Europa überhaupt erreichte, wurde im Jahre 1143 auf Veranlassung des Zisterziensermönchs Petrus Venerabilis für Bernhard von Clairvaux angefertigt. Petrus Venerabilis begab sich in den Jahren 1142 und 1143 nach Spanien, um dort christliche Gelehrte für das Projekt zu gewinnen. Schließlich arbeiteten drei Übersetzer an dem Werk, der Mönch Hermann von Carinthia, der Mönch Robert von Chester (Robertus Ketenensis, Robert von Ketton) und Petrus von Toledo (Petrus Alfunsis, Petrus Toletanus), ein 1106 zum Katholizismus konvertierter Jude. Robert von Chester übersetzte später wichtige naturwissenschaftliche Bücher aus dem Arabischen ins Lateinische (darunter al-Khwarizmis Algebra, einen arabischen Ptolemäus-Kommentar sowie astronomischge Tafeln). Als die Arbeit abgeschlossen war, schickte Petrus Venerabilis das Manuskript an Bernhard von Clairvaux. [15]
Somit stellt sich heraus, dass
- der Koran aus christlicher Sicht als “heidnisches” Buch – in arabischer Sprache sowieso – galt,
- einer der Übersetzer aus Toledo stammte, das Übersetzungswerk selbst in Spanien angefertigt wurde,
- der Koran sowohl die Geschichten des Alten wie des Neuen Testaments referiert (darunter den Bericht vom Brote erzeugenden Tisch Jesu, der vom Himmel herabgesandt wurde, und der somit mit Wolframs Gral völlig übereinstimmt),
- der Übersetzer Petrus von Toledo ein gebürtiger Jude war,
- ein weiterer Übersetzer, nämlich Robert Ketenensis (wurde etwa Fra(ter) Ketenensis verballhornt zu Fla-Getanis?) ansonsten naturwissenschaftliche Manuskripte übersetzte,
- und der Adressat dieser allerersten christlichen Koranübersetzung niemand anders war als Bernhard von Clairvaux. “Der Orden [= die Templer] wurde im Jahr 1128 … gegründet. … Maßgeblich daran beteiligt waren Bernhard von Clairvaux … und Hugo de Payens”. [16] Bernhard von Clairvaux schrieb sogar die Ordensregeln für die Tempelritter.
Somit ist nicht nur erklärt, was die Quelle für die Gralsversion Wolframs war. Wir wissen nun auch, warum er seine Gralserzählung mit den Templern in Verbindung brachte. Erneut muss keine Manna-Maschine – deren ehemalige Existenz im Untergrund des Jerusalemer Tempels ohnehin eher unwahrscheinlich ist – gefunden werden, um das scheinbare Problem Gral und Templer zu lösen.
10. Glooskap und die Templer in Amerika
Als Beleg für die Flucht der Templer aus Frankreich nach Neuschottland, wo sie auf Oak Island die Manna-Maschine versteckten (warum eigentlich?), wird von Prä-Astronautik-Autoren immer wieder auf die Legenden der Micmac-Indiander über Glooskap und die Felszeichnungen hingewiesen, die Schiffe und Ritter zeigen. Glooskap jedoch war kein Mensch, sondern ein Schöpfergott, und die Petroglyphen stammen nachweislich aus den letzten drei Jahrhunderten:
“Die Rumpfform und Takelagen dieser Schoner gehören zur Nautik des 19. Jahrhunderts. Ein Schiff mit Gaffersegel entspricht gar der holländischen Bauart des 17. Jahrhunderts. … Mit großer Wahrscheinlichkeit stammen einzelne Schiffsdarstellungen auch von weißen Siedlern. Vielleicht wurden sie von jenen paar heimwehkranken Franzosen gezeichnet, die sich 1710 und 1755 auf der Flucht vor den Engländern zu den Micmac geschlagen … hatten.” [17]
Tatsächlich nahm der Schiffsbau im 18. und 19. Jahrhundert eine so rapide Entwicklung, dass die dargestellten Schiffstypen auf wenige Jahre präzise eingegrenzt werden können.
11. Wo überall die Gralsburg stand
Ob in Glastonbury, im Trifels oder in anderen Burgen – an zahllosen Orten wurde die Gralsburg und damit der Aufenthaltsort des Grals im Mittelalter und in Sagen und Traditionen lokalisiert; nur eben weder in Jerusalem noch in Oak Island, wie die Fiebags schreiben. Ich habe einige Plätze, an denen der Gral versteckt lag, in meinen bisherigen Artikeln gelistet, hier nun ein neuer:
“Der von Bergen umgebene Ort Murbach [bei Guebwiller in den Vogesen, Frankreich] liegt in einer Landschaft, die mit einem alchimistischen Zaubertopf vergleichbar ist. [...] Einige Autoren gehen soweit zu behaupten, dass sich der heilige Gral eine Zeit lang in Murbach befunden hatte.” [18]
Charles Fort schrieb einmal: “Man misst einen Kreis, indem man irgendwo beginnt”.
Wo immer man die Gralsthesen der Fiebags untersucht, jedes Mal findet man Wunschdenken, mangelhafte Recherche, grobe Verzerrung. Der ganze Komplex Manna – Schechina – Tempelritter – Baphomet ist zur Gänze geklärt und bedarf keiner These einer “Manna-Maschine”, die durch Wiederholung eben auch nicht glaubwürdiger wird.
Anmerkungen
[1] mit meinem Wissen:
www.alien.de/fischinger/Artikel22.html
www.ufo-student.de/Ausgabe2/brezeln2.htm
www.ufo-student.de/Ausgabe2/brezeln\_lit.htm
natürlich: www.mysteria3000.de/archiv/ps/manna.htm
ohne mein Zutun:
www.dlvs.de/artik/u\_m.htm
[2] Finkelstein/Silberman 2003, S. 61-85
[3] Däniken 1979, S. 147
[4] Keller: 1955, S. 124
[5] Warraq 1998, S. 170, 379
[6] Hierfür gibt es aber weder in der Bibel noch in der Kabbala Hinweise, im Gegenteil: “Es war nichts in der Lade außer den zwei Steintafeln, die Moses am Berg Horeb hineingelegt hatte”, so 1 Könige 8: 9.
[7] Däniken 1979
[8] Phillips 1958, Mandel 1978
[9] Koestler 1977, S. 76
[10] vgl. Wise/Abegg/Cook
[11] Fiebag 1989, S. 323
[12] Koestler 1977, S. 192
[13] Jörg Dendl o.J.
[14] Devereux 2000, S. 18
[15]
www.marioschumann.de/gesch01.htm
www.fut.es/~apym/12.html
[16] Fiebag 1989, S. 217
[17] Schumacher 1999, S. 37
[18] Landspurg 1994, S. 149
Literaturverzeichnis
Däniken, Erich von (1979): Prophet der Vergangenheit. Düsseldorf 3430119952
Däniken, Erich von – Hrsg. (1979): Neue Beweise der Prä-Astronautik. Rastatt
Dendl, Jörg (2000): Wallfahrt in Waffen. München
Devereux, Paul (2000): The illustrated Encyclopedia of Ancient Earth Mysteries. London
Fiebag, Peter und Johannes (1989): Die Entdeckung des Grals. München
Finkelstein, Israel und Neil A. Silberman (2003): Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel. München
Keller, Werner (1955): Und die Bibel hat doch recht. Düsseldorf
Koestler, Arthur (1977): Der dreizehnte Stamm. Wien
Landspurg, Adolphe (1994): Orte der Kraft – Schwarzwald und Vogesen. Straßburg
Mandel, Gabriel (1978): Das Reich der Königin von Saba. München
Phillips, Wendell (1958): Kataba + Saba. Frankfurt am Main
Schumacher, Yves (1999): “Der Traum der schwimmenden Insel. Mysteriöse indianische Felszeichnungen in Nova Scotia”, in: Neue Zürcher Zeitung, 19. August 1999, S. 37
Warraq, Ibn – Hrsg. (1998): The Origins of the Koran. Amherst
Wise, Abegg, Cook- Hrsg. (o.J.): Die Schriftrollen von Qumran. o.O.
9 Kommentare
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Frank Doernenburg hat das Buch von Sassoon und Dale nachweisbar nicht gelesen und denzufolge eine Reihe von falschen Angaben auf seiner Internetseite hinterlegt. Das beginnt mit angeblichem grünem oder braunem Pulver, was die Maschine erzeugen würde und was nichts mit Manna zu tun hat. Davon steht aber nichts im Buch von Sassoon und Dale, dass hat der Autor dieser Seite schlicht erfunden oder irgendwo aus einer Sekundärquelle, die wohl dieses Buch ebenfalls als Quelle nicht verwendete.
Grund für diese Falschaussage ist offensichtlich, dass Frank Doerneburg die der Algenstufe nachgeschaltete Verzuckerungsstufe mangels Lesen des Buches von Sassoon/Dale gar nicht erkannt hat.
Es folgten eine Reihe von weiteren Fehlern. So hat der Autor dieser Internetseite z.B. Masse- und Volumenprozent verwechselt. (Ist nach meiner Kritik geändert worden.)Dennoch ist auch dies ein Hinweis darauf, dass Frank Doernenburg das Buch zur Theorie gar nicht gelesen hat. Dort stehen nämlich die 0,59 g/m³ für das Kohlendioxid schwarz auf weiß drin, eine Verwechslung wäre beim Lesen des Buches gar nicht möglich gewesen.
Trotz seines Wissensdefizites mangels vernünftiger Vorbereitug beschimpft Frank Doernenburg die Autoren des Buches “Die Manna-Maschine” in beleidigendem Ton ein ums andere Mal. In Unkenntnis der von den Autoren zweifach begründeten zentralen Anstromung der Maschine bezichtigt er diese eines “Denkfehlers”. Er behauptet, die Maschine könne nur funktionieren, wenn sie mit Orkangeschwindigkeit quer angeströmt werden würde.
Da Herr Doernenburg auch nach vierwöchiger Diskussion auf seinen eigenen Internetforum mit Ausnahme der Richtigstellung hinsichtlich Masse- und Vorlumenprozent nicht bereit war, seine ihm nachgeweisenen Falschaussagen wie z.B. zu braunem und grünem Pulver statt Manna zu ändern, habe ich an meine Hompage eine Seite “Unberechtigte Kritik zur Manna-Maschine” angehangen. Dort wird in 15 Punkten auf bewußte Falschdarstellungen bzw. auf fehlerhafe Darstellungen infolge Unverständnis von Herrn Doernenburg eingegangen.
http://www.atlantisbremer.de/89,0,unberechtigte-kritik-zur-manna-maschine,index,0.html
Kommentar von Dieter Bremer
Dieter, ich habe auf meiner Seite ausführlich dargelegt, WARUM die 0.59 g/Kubikmeter von Dale/Sasson FALSCH sind. Daß Du skalvisch die fehlerhaften Angaben von D/S wiederholst macht sie nicht korrekter
FD (Kenner des D/S-Buchs)
Kommentar von Frank D
Es ging in meinem Kommentar NICHT um Berechnungsgrundlagen und die dazugehörigen absoluten Werte. Es ging einzig darum, dass man nicht versehentlich öffentlich einen falschen Volumenprozentsatz präsentieren würde, wenn man das Buch zur Theorie gelesen hätte und dort der richtige Masseprozentsatz schwarz auf weiß niedergeschrieben steht. Wenn man diesen hätte kritisieren wollen – so wie es jetzt erfolgt – wäre man erst recht darauf eingegangen.
Die freie Herleitung dieser Zahl und die dabei vorgekommene Verwechslung von Masse- und Vorlumenprozent sind ein sicherer Nachweis dafür, dass dieses Buch zur Theorie der Manna-Maschine von Frank Dörnenburg bis zum Frühjahr 2007 gar nicht gelesen wurde. Weitere Hinweise, warum er das Buch zum Zeitpunkt der Erstellung seiner Homepage 1999 gar nicht gelesen haben kann, wurden ebenfalls genant.
Übrigens hat Frank Dörnenburg kürzlich seine Homepage geändert und Seitenangaben zum Buch nachträglich eingefügt.
Um aber auch den Vorwurf der angeblich “falschen” 0,59 kg/m³ zu entkräften, folgender Hinweis:
Dieser Wert bezieht sich auf Null Grad Celsius und Meeresspiegelhöhe. Wenn auch die Höhe auf der Sinaihalbinsel vernachlässigt werden kann, so ergibt sich doch gemessen an der Durchschnittstemperatur tatsächlich ein etwas geringerer Masseprozentwert als 0,59 kg/m³. Allerdings, und das verschweigt Frank Dörnenburg, wurde zum Zeitpunkt der Erstellung des Buches in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit 3,15 Vol.-% CO2 in der Luft gerechnet. Sassoon und Dale rechneten aber an dieser Stelle statt dessen vereinfacht mit exakt drei Prozent, dass heißt einem etwas geringeren Wert als tatsächlich Kohlendioxid in der Atmospäre war. Damit ist der Fehler, der durch die vereinfachte Nichtbeachtung der Tagestemperatur auf der Sinaihalbinsel eingetreten ist, wieder einigermaßen ausgeglichen.
Kommentar von Dieter Bremer
Ich bin etwas überrascht (was mich überrascht), dass hier die Rede davon ist, Petrus Venerabilis habe ein Manuskript der Koran-Übersetzung von Robert von Ketton an Bernhard von Clairvaux gesandt. Leider sind die Links unter Anm. 15 “tot”. Woher stammt die Information? Das interessiert mich sehr, da ich bei einer eingehenden Beschäftigung mit dieser Koran-Übersetzung nicht auf diese Verbindung stieß.
Kommentar von Jörg Dendl
Okay – jetzt bin ich schlauer. Es gibt einen sehr umfangreichen Brief von Petrus Venerabilis an Bernhard von Clairvaux, in dem Petrus am Ende sein Islam-Projekt vorstellt. (Migne, Patrologia Latina, Vol. 189 (Epistolarum Librum IV, Ep. XVII), Sp. 346-429) Hier spricht er davon, Bernhard zumindest einen der übersetzten Texte (wohl nicht den Koran) gesandt zu haben. Er erwartete von Bernhard, dass dieser auf der Grundlage dieses Textes eine Schrift gegen die Islam verfasse. Doch von Bernhard ist weder eine Antwort auf dieses Ansinnen bekannt, noch eine Auseinandersetzung mit dem Islam. Siehe auch: Thomas E. Burman, Reading the Qur’an in Latin Christendom, Philadelphia 2007.
Kommentar von Jörg Dendl
Zu den sechs Punkten, die das Gral-Buch, das “Kyot” fand, als den Koran identifizieren:
1. Das Buch des “Flegetanis” war in “heidenscher schrifte” verfaßt – darunter verstehen alle modernen Interpreten des “Parzival” die arabische Schrift. Doch heißt es auch, “Kyot” habe das Buch “verworfen ligen” gefunden – “verworfen” bedeutet für sich so viel wie “abgenutzt” (n. Lexer), doch übersetzen nahezu alle modernen Autoren die Stelle so, dass dieses Buch “unbeachtet” (also im modernen Sinne von “verworfen”) war. Das kann für den Koran kaum zutreffen, gerade nicht in Toledo. (Natürlich könnte es für dieses eine spezielle Exemplar zutreffen, aber das ist kaum nachvollziehbar) Nach Wolframs Darstellung war es also ein arabisch geschriebenes Buch, das unbeachtet herumlag, in dem sich die Gralsgeschichte fand.
2. Die Frage, ob sich einer der Übersetzer der von Petrus Venerabilis angeregten “Collectio Toledana”, die neben der Koran-Übersetzung des Robert von Ketton noch weitere Schriften umfasst, hinter dem von Wolfram angegebenen Namen “Flegetanis” verbirgt, ist mit “Nein” zu beantworten. Nach Wolfram war “Flegetanis” der Autor des “verworfen” gefundenen Buches in arabischer Schrift. “Kyot” war der christliche Entdecker dieses Buches. Auf ihn sollte man sich konzentrieren, wenn man eine der Gestalten aus dem “Parzival” mit den Übersetzern der “Collectio Toledana” in Verbindung bringen will. Hier vielleicht “Ketensis” mit “Kyot” in eins zu bringen, erscheint mir sehr schwer, wobei auch die Ähnlichkeit der auch aus der Geschichte bekannten Namensform “Guiot” viel näher liegt. Aber unter den Übersetzern der “Collectio Toledana” ist keiner, der einen Namen trägt, der zu “Kyot” verballhornt werden könnte. Jedenfalls ist Robert von Ketton mit Sicherheit nicht “Flegetanis”, da er den Koran übersetzte, “Flegetanis” aber der Autor des gesuchten Buches war.
3. Die Verbindung der “Collectio Toledana” – und damit des Koran – mit Bernhard von Clairvaux und damit zu den Templern ist meiner Ansicht nach sehr “wackelig”. Bernhard reagierte nicht, wie ich in meinem früheren Beitrag schon schrieb, auf das Ansinnen des Petrus Venerabilis – zumindest ist nichts davon bekannt. Was mit dem an Bernhard gesandten Text geschah, ist ebenfalls nicht bekannt. Überhaupt sehe ich die Verbindung zu den Templern hinsichtlich des Grals nicht als notwendig an. Wolfram benutzt die Benennung “templeise” – die im “Herzog Ernst” schon für die Templer benutzt wurde – zwar als Bezeichnung für die an der Gralsburg lebenden Ritter, doch gibt es im gesamten “Parzival” keinen Hinweis darauf, er meine, der historische Templerorden sei die Gralsbruderschaft. (Wobei allerdings Gegenwartsbezüge in der Parzival-Geschichte überhaupt fehlen)
4. Der Gedanke ist sicherlich sehr reizvoll, die Speisenspendung des Grals gehe auf das Vorbild des Speisen spendenden Tisches im Koran zurück. (Sure “Der Tisch” (5), 114) Immerhin geht es hier darum, dass ein Tisch “mit Lebensmitteln” vom Himmel herabgesandt werden soll. Damit wäre also tatsächlich ein muslimisches Vorbild für das Speisenwunder bei Wolfram (denn Chretien de Troyes kennt das Speisenwunder des Grals nicht!) an zu nehmen. Meiner Ansicht nach ist allerdings der Bericht in der Apostelgeschichte, Kap. 10, 10-12, wesentlich nachvollziehbarer, denn hier kommt ein Tuch herab (oder Gefäß, wie in den alten Übersetzungen das “vas” der Vulgata verstanden wird), in dem sich “alle Arten von vierfüßigen Tieren, Kriechtieren und Vögeln” befanden. Das erinnert schon an die von Wolfram so ausführlich beschriebenen Speisen. Aber es wäre immerhin noch einmal zu prüfen, auf welchem Wege Wolfram von dem “wunderbaren Tisch” des Koran erfahren haben könnte.
Kommentar von Jörg Dendl
Ich lese hier, dass der Koran Wolfram von Eschenbach als Vorlage gedient habe. Ich lese weiter, dass der Sohar nicht aus alter Zeit stammt und erst lange nach Entstehung des Parzival niedergeschrieben wurde. Ganz so einfach scheint die Sache aber nicht zu sein. Ein im Sohar genannter Alter der Tage (Manna-Maschine) spendete nicht nur Speisen wie der Gral bei Chretien und Wolfram, sondern wird nahezu mit den gleichen Worten beschrieben. Einige herausgegriffene Textbeispiele, die von Johannes und Peter Fiebag bei ihren Untersuchungen nicht herangezogen wurden, untermauern eindrucksvoll ihre These von einer Identität zwischen Gral und dem Alten der Tage. Im Sohar-Abschnitt “Die Schöpfermacht des Thorawortes” lesen wir:
“… In dieser Stunde empfängt der Alte der Tage den Duft des Wortes und hat an ihm mehr Wohlgefallen als an allem … Und das Wort schwebt auf und nieder.”
Verblüffende Parallelen hierzu finden sich in Wolfram Parzival (469,28-30 u. 470,1-13):
“Der Stein wird auch Gral genannt, es senkt sich heute eine Botschaft auf ihn herab und verleiht ihm größte Kraft … man wird sehen können, wie eine Taube aus dem Himmel herabschwebt, sie legt auf den Stein eine Oblate … der Stein empfängt alles Gute, was duftet auf Erden an Speisen und Trank. …”
Während sich bei Wolfram eine Botschaft auf den Gral herabsenkt, schwebt im Sohar das Wort “auf und nieder”. Bei Eschenbach wird der Gral empfänglich für alles, was auf Erden “duftet”, wohingegen im Sohar der Alte der Tage den “Duft des Wortes” empfängt. Die erwähnte Taube stand symbolisch für den Geist Gottes, den die Juden mit dem “Wort Gottes” gleichsetzten. Bei Wolfram wurden die jüdischen Symbole exakt übernommen und lediglich durch die entsprechenden abendländischen Vorstellungen ersetzt. Eine Feststellung, die auch für weitere Abschnitte des Parzival gilt (438,29-30 u. 439,1-5):
“Herrin, wovon lebt ihr denn? Sie sagt ihm: Mein Essen wird mir hergebracht vom Gral. Kundrie – sie selbst hat es bestimmt – bringt mir von dort zur rechten Zeit, und zwar nur an jedem Samstag-Abend, das Essen für die kommende Woche …”
Im Sohar-Kapitel “Vom Sabbath” heißt es hierzu:
“Warum wurde gerade am siebten Tag kein Manna gefunden? Weil an diesem all die sechs oberen Tage ihren Segen empfangen … Und deshalb wolle, wer auf der Stufe des treuen Glaubens stehe, eine Tafel bereiten und eine Mahlzeit richten in der Sabbath-Nacht, damit die Tafel gesegnet sei alle sechs Tage … denn daran hängt der Zusammenhang mit dem heiligen Alten der Tage …”
Im Sohar wird berichtet, dass der Alte der Tage nur am Samstag (Sabbath) keine Speisen spendete, weil er an jenem Tag angeblich das Manna für die kommende Woche empfing. In Erinnerung daran, um die Vorgänge rituell nachzuvollziehen, feierte man das Sabbath-Mahl und glaubte wie der “Alte der Tage” an diesem Tag die Speisen der kommenden Woche zu empfangen, was hier zunächst spirituell gemeint war. Genau hiervon ist auch im zitierten Abschnitt des Parsival die Rede. Dort erzählt Wolfram, dass Parzivals Cousine Sigune nur am Samstag-Abend, also am Sabbath, ihre Speisen für die kommende Woche vom Gral empfing. Wolfram übernahm das Motiv des samstäglichen Speisempfangs für die kommende Woche und ersetze im Grunde nur den Begriff Alter der Tage durch den Namen “Gral”.
Aus der Bibel oder dem Koran stammen die Schilderungen Wolframs nachweisbar nicht. Im Alten Testament wird lediglich erwähnt, dass am Sabbath kein Manna gefunden wurde. Von einer Speisung der kommenden Woche findet sich in der Heiligen Schrift kein Wort. Wolfram kann seine Informationen weder der Bibel, dem Koran noch anderen zugänglichen Büchern entnommen haben. Er muss jüdische Texte zur Verfügung gehabt haben, die von einer mystischen Speisung durch den Alten der Tage berichteten und in ähnlicher Weise in den Sohar einflossen, der zunächst mündlich weitergegeben wurde. Anders ließen sich die nahezu wörtlichen Übereinstimmungen zwischen dem Parzival und den zitierten Sohar-Texten nicht rational erklären.
Der Parzival ist förmlich gespickt mit Erzählungen über den Alten der Tage, die alle zu zitieren den Rahmen dieser Arbeit endgültig sprengen würde. So finden wir im Sohar-Kapitel “Das Stiftszelt – Salomo und Hiram” sogar das Vorbild für die berühmte Speisungsszene im Parzival (238,2-30 u. 239,1-13), die zu den Glanzpunkten der Literaturgeschichte gehört.
Eine interessante Spur des Alten der Tage ist bis in das Tarot-Kartenspiel zu verfolgen, das im Mittelalter entstand und neben anderen Einflüssen auch verschiedene Motive aus der Gralssage und der Kabbala aufgreift. So zeigt das As der Kelche im Wait-Tarot unverkennbar den Gralskelch mit einer Taube, die eine Hostie im Schnabel trägt. Ein Motiv, dem man auch in Wolframs Beschreibung des Gral begegnen kann (469,28-30 u. 470,1-13). Merkwürdigerweise jedoch hängen an dem Gefäß nach vier Seiten Schnüre herab, die eindeutig von Tautropfen umgeben sind. Offenbar wurde die Beschreibung des Alten der Tage mit der Schilderung des Grals verbunden, denn im Sohar ist unzweideutig davon die Rede, dass der “Alte der Tage” den Tau der Wüste sammelte und sich seine “Schnüre” nach vier Seiten teilten.
Die Schöpfer des Kartenmotivs, das Anfang das zwischen 1905 und 1910 nach älteren Vorlagen entworfen wurde, wollten damit zum Ausdruck bringen, dass der Gral und der im Sohar beschriebene Alte der Tage miteinander identisch sind und diese Botschaft in Bildform an die Nachwelt weitergeben.
Der rätselhafte Alte der Tage war das Vorbild des mittelalterlichen Grals nach der Interpretation Wolframs und Chretiens. An dieser Feststellung führt kein Weg vorbei, es sei denn, man wollte bewusst überprüfbare Fakten leugnen und stichhaltige Beweise ignorieren. Wie aber kamen Texte in die Erzählung vom Gral, die nur (!) in der jüdischen Esoterik und nur (!) im Zusammenhang mit dem Alten der Tage existieren? Wolfram gibt hier eine plausible Antwort. Er macht deutlich, dass der Urtext der Gralsgeschichte, in alter Zeit von einem Israeliten namens Flegetanis verfasst, in Toledo augefunden wurde.
Hat Herr Magin jemals den Parzival oder den Sohar gelesen? Sicherlich nicht, zumal der Sohar nur zu einem winzigen Teil ins Deutsche übersetzt wurde. Im Sohar sind unzählige technische Beschreibungen zu finden. In Herrn Magins Artikel stimmt fast nichts. Die Schechina kann alles Mögliche sein. Im jüngsten Henoch-Buch wird sogar ein fliegender Feuerwagen als Schechina bezeichnet. Man müsste hier einen Aufsatz von 20 Seiten schreiben, um alle Irrtümer Herrn Magins aufzudecken. Die Berechnungen von Dörnenburg sind Humbug. Die Maschine bereitete weder für 600 Familien noch für 600.000 Menschen Nahrung. Die Schilderungen der Bibel sind reine Phantasie. Übertreibung! Die 600 Familien nur eine Vermutung. Im Sohar steht nicht davon, wieviel Personen Nahrung erhielten.
Der Name Baphomet taucht schon 1098 auf. Was beweist das? Nichts! Baphomet ist die jüdische Athbash-Verschlüsselung von Sophia (Weisheit). Die Weisheit ist ein ein wichtiger Bestandteil des Alten der Tage. An der Weisheit oder dem oberen Gehirn soll Tau herabgeflossen sein. In Troyes, dem Ausgangsort des Templerordens, bestand die Talmudschule de Rabbi Raschi. Die Talmudschule übersetzte für die Gründer des Templersordens alte hebräische Schriften. Baphomet ist eine Verschlüsselung der in den alten Schriften erwähnten Weisheit. Freilich hatten die Templer diese Begriff nicht erfunden, sondern von den von den Athbash-Gelehrten übernommen. Das Beweist doch, dass Baphomet ein Begriff aus der jüdischen Mystik ist.
Der Artikel ist eine einzige Ansammlung von Unsinn, Vorurteilen, Halbwahrheiten und Unkenntnis. Jeden einzelnen Punkt kann man leicht widerlegen.
Kommentar von O.D.
Ein Nachtrag zu Herrn Dendl. Chretiens Gralroman kennt ein Speisungswunder. Es wird angedeutet, das der Gral alle Tische einer Festgesellschaft mit Speisen bedekte. Auch das Brot für den Fischerkönig wurde vom Gral bereitgestellt. Selbst Robert de Boron, der den Gral Blutkelch Christi interpretiert, erwähnt ein Speisungswunder. Für ihn sind die Gralsjünger jene, die Gnade empfangen. Im Sohar wird die Speise des Grals als Gnade bezeichnet. Wohlgemerkt nicht der Vorgang wird als Gnade umschrieben, sondern die Nahrung.
Kommentar von O.D.
Noch einmal zu der hier genannten Quelle von Frank Dörnenburg, bezüglich dieser Ulrich Magin schreibt:
“Dass die Manna-Maschine nicht funktionieren kann, zeigt recht anschaulich Frank Dörnenburg auf seiner Homepage im Internet:
linkextern http://www.fdoernenburg.de”
Ich hatte weiter oben schon auf die vielen Unzulänglichkeiten auf dieser Seite hingewiesen. Inzwischen habe ich den Fehler gefunden, der Frank Dörnenburg zu diesen völlig falschen Aussagen kommen lässt. Das Buch von Sassoon und Dale hat er nicht gelesen und sein Homepoage-Artikel bezieht sich nach eigener Angebe auf
“George Sassoon and Rodney Dale, New Scientist, 1. April 1976″
Den diesbezüglichen englischen Text hat Frank Dörnenburg hier eingestellt und übersetzt:
http://doernenburg.alien.de/alternativ/manna/man01.php
Jeder kann jetzt nachlesen und dabei feststellen, dass die Aussage im englischen Text von Herrn Dörnenburg FALSCH ins Deutsche übersetzt wurde. Die Passage
“The Chlorella sludge is drawn off into another vessel where it is treated so that the starch is partially hydrolyzed to maltose, which is then burnt slightly to give the honey-and-wafers flavor….”
übersetzt er grundlegend falsch mit
“Der Algenüberschuss wird gesammelt, aus Vorratsbehältern (4) mit Vitaminen angereichert, geröstet und in Mehl umgewandelt”
Jeder kann nachvollziehen, dass die gesamte zweite Stufe der Manna-Maschine – die Zelluloseverzuckerung – damit für Frank Dörnenburg gar nicht existiert und seine gravierenden Fehler in der Beurteilung der Manna-Maschine vor allem (wenn auch nicht ausschließlich) darauf zurückzuführen sind.
Ob diese grundlegende Falschbeurteilung durch mangelnde Kenntnis der englichen Sprache oder durch mangelnde Kenntnis chemischer Zusammenhänge erfolgte, ist dabei sekundär. Das Beispiel zeigt, wie gefährlich es ist, irgendeinen Kommentar aus dem Internet für eine Beurteilung eines Sachverhaltes heranzuziehen und als “Beweis” zu veröffentlichen, ohne zu hinterfragen, ob der Autor dieses Beitrages – hier also Frank Dörnenburg – denn überhaupt die notwendige Qualifikation zur Beurteilung dieses Sachverhaltes hat.
Dass Herr Dörnenburg möglicherweise sogar vorsätzlich diese Falschaussagen ins Internet stellte, kann ebenfalls nicht ganz ausgeschlossen werden. Obwohl ihm sein Monaten meine Erkenntnisse zu seiner Falschübersetzung – und damit seiner grundlegenden Falschbeurteilung des Originaltextes zur Manna-Maschine vorliegen – weigert er sich, diese Falschdarstellung zu ändern.
Kommentar von Dieter Bremer