Mysteria3000

Alternative und interdisziplinäre Archäologie im Fokus

ISSN 1619-5744 / 1619-5752 - Impressum - 10.02.2012

Zu ‘Experimentalägyptologische Hartgesteinbearbeitung’

Reinhard Prahl korrigiert mit dieser Ergänzung die Berechnung zur Bearbeitungszeit eines Steinsarkophags aus seinem Artikel ‘Experimentalägyptologische Hartgesteinbearbeitung.

Experimentalägyptologische Hartgesteinbearbeitung

zur Diskussion gestellt …

Zu ‘Experimentalägyptologische Hartgesteinbearbeitung’

Korrektur der Berechnung zur Bearbeitungszeit

von Reinhard Prahl [i]

Bei der Verwendung der Zahlenwerte in ‘Experimentalägyptologische Hartgesteinbearbeitung’ ist mir ein Fehler unterlaufen. Die Berechnung zur Dauer der Aushöhlung eines Sarkophages mittels Drillbohrverfahren – wie von Denys A. Stocks beschrieben – ging ich von einem Kupferrohr mit einem Durchmesser von 2,8 cm aus. Bei einem Bohrer mit einem Aufsatz dieses Durchmessers sei in 20 Stunden ein 6 cm tiefes Loch gebohrt worden. [1] Der Wert 2,8 cm wurde von Rainer Lorenz in seinem Artikel zur Hartgesteinbearbeitung in ‘Mysteria3000′ – allerdings in einem anderen Zusammenhang – angegeben. [2]

Obwohl ich die entsprechenden Artikel von Denys Stocks (in: ‘Antiquity’) und Herrn Richter (in: Sokar) gelesen habe [3], hatte ich den Wert 2,8 cm bei der Beschreibung der Kernbohrungen von Stocks im Kopf. Tatsächlich verwendete der Experimentalarchäologe nicht einen Bohrkopf mit 2,8 cm Durchmesser, sondern einen Bohrkopf mit einem Durchmesser von 8 cm, mit dem er in 20 Std. ein 6 cm tiefes Loch bohrte. Denys A. Stocks beschreibt dies in seinem Aufsatz ‘Testing ancient Egyptian granite-working methods in Aswan, Upper Egypt’:

“The tubular drilling of a rose granite block required the assembly of the four component parts of the drilling equipment: the flat-ended 8-cm diameter copper tube (Hervh. Reinhard Prahl), the round wooden drill-shaft partly force-fitted into it, the driving bow and rope, an a capstone bearing in which to rotate the upper end of the drill-shaft.” [4]

Dieser Fehler muss auf ein Missverständnis und eine spätere Unachtsamkeit meinerseits zurückzuführen sein. Ich hatte die Werte falsch in Erinnerung und auch beim Korrekturlesen ist dieses Versehen nicht mehr aufgefallen. Der Dank dafür gilt Rainer Lorenz der die Mysteria3000-Redaktion und somit auch mich freundlicherweise auf einen Fehler in meinen Berechnungen hinwies.

Natürlich ändert dieser Wert die Berechnungen zugunsten Denys A. Stocks erheblich. Tatsächlich kann unter dieser Voraussetzung ein Sarkophag der Größe – wie er in der Cheopspyramide zu finden ist – unter diesen Voraussetzungen wesentlich schneller fertiggestellt werden: von einem Bohrteam in etwa 1,07 Jahren. Doch diese Korrektur erklärt nicht die Herstellung von Grabkammern, die aus einem 185 t großen Granitblock herausgearbeitet wurden. Die entspricht in etwa viermal so viel Granit, wie bei einem Sarkophag abzuarbeiten sind.

Trotz dieser Fakten und auch wenn die Berechnungen – die in ‘Experimentelle Hartgesteinbearbeitung’ zu lesen sind – in sich richtig sind, ist meine Kritik an den Experimentalarchäologen Denys A. Stocks und natürlich auch an Rainer Lorenz zu relativieren. Das Zeitproblem stellt sich unter diesen Umständen längst nicht so gravierend dar, da der Durchmesser des Bohrkopfes 5,2 cm größer ist und somit wesentlich mehr Material in einem Bohrgang abgearbeitet werden konnte.

Ich sehe aber weiterhin keine Veranlassung andere Teile meiner angeführten Kritik zurückzunehmen. Stocks ließ zwar eine “nb”-Hieroglyphe mit den Maßen 15 x 3 cm in Granit ausführen. Dies ist jedoch ein sehr leicht herzustellendes Zeichen, bei dem nicht die Gefahr besteht, dass das verwendete Feuersteinwerkzeug bricht. Bei filigran ausgeführten Arbeiten in Hartgesteinen sind dünnere Werkzeuge notwenig, was – nach Ansicht der von mir befragten Experten – nicht ohne weiteres möglich ist, auch wenn wenn man generell Granit mit Feuerstein bearbeiten kann. [5]

nb-Hieroglyphe.

Abb. 1: nb-Hieroglyphe.

Dies alles kann trotz alledem keine Entschuldigung für den Fehler in meiner Berechnung sein.

Anmerkungen

[1] Prahl 2003, ‘Experimentalägyptologische Hartgesteinbearbeitung’
[2] Lorenz 2002, S. 29; ‘Kernbohrungen im alten Ägypten’
[3] Stocks 1993; Stocks 2001; Richter 2001; Richter 2002
[4] Stocks 2001, S. 91/92

Abbildungsverzeichnis

[1] Reinhard Prahl

Literaturverzeichnis

Lorenz, Rainer (2002): “Kernbohrungen im alten Ägypten”, in: Mysteria3000 – 4/2002, S. 15-34

Prahl, Reinhard (2003): “Experimentalägyptologische Hartgesteinbearbeitung”, in: Mysteria3000 – 2/2003

Richter, Klaus (2001): “Auf den Spuren des ‘Hemiutiu’”, in: Sokar Nr. 3, 2001, S. 29ff.

Richter, Klaus (2002): “Altägyptische Hartgesteinbearbeitung durch Sägen”, in: Sokar Nr. 4, 2002, S. 30ff.

Stocks, Denys A. (1993): “Making Stone Vessels in Ancient Mesopotamia and Egypt”, in: Antiquity 67, 1993, S. 596-603

Stocks, Denys A. (2001): “Testing ancient Egyptian granite-working methods in Aswan, Upper Egypt”, in: Antiquity 75, 2001, S. 89-94

Über den Autor

Reinhard Prahl

beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit den Pharaonen und Pyramiden Ägyptens, hierzu erfolgten Veröffentlichungen in diversen Zeitschriften. 2001 gründete er in Dortmund des Freundeskreis Ägyptologie, für das Frühjahr 2003 plant er ein eintägiges Symposium zum Thema Gizehplateau.

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1 Kommentar

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  1. Zuerst einmal löst man sich vom ganzen religiösen Blödsinn und sieht bei den Suchbegriffen “Waldhauser, Wasserpumpwerk, *.pdf” eine ing.technisch venünftige Erklärung für alle (und damit meine ich vorerst alle ägyptischen) Pumpspeicher/Kläranlagen. Ich arbeit im Kraftwerksbereich und sehe Wasseraufbereitung, und Systeme. Es passt…. -> fängt man erstmal an so zu schauen und zu lesen fällt einem auf….keine Mumien in Sarkophagen, weil da doch der Alaunschiefer aus der Türkei drin war für die “Wasser-Desinfektion” usw.
    Es ist nicht erforderlich dass die Planung bei den Ägyptern lag, das kann auch eine kleine seefahrende Ing.-Gilde mit wenig auszuleihendem Spezialwerkzeug und Blaupausen mit Energie, Arbeit und Material vom Ort leisten. Also nehmen wir an wir haben 10m hohe Wassersäulen in der Umgebung in den anderen Pyramiden, dann könnten wir es sowohl mit Wasserstrahlschneiden als auch mit windgetriebenen resonanzschwingenden Bohrern und Stößeln bewirken, denn Granit ist aufgrund seiner kristallinen Struktur gegen Resonanzschwingungen in seiner Kristall-Frequenz allergisch. Also kurz: hab´s nicht probiert, hab´s nur geschätzt, aber sehe dass dort mehr Ing.e rumliefen ztw. als sonstwo, die Windkraft und Wasserdruck hatten.

    Kommentar von hofmann

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